BVB-Profi Marc Bartra wurde Dienstagabend noch operiert

Dortmund-Anschlag: Bartra auf dem Weg der Besserung

Mittwoch, 12. April 2017 | 15:40 Uhr

Nach den Explosionen nahe des Mannschaftsbusses von Borussia Dortmund geht die Polizei von einem gezielten Angriff auf das BVB-Team aus. Die konkreten Hintergründe der Tat seien aber noch nicht klar, sagte der Dortmunder Polizeipräsident Gregor Lange am Dienstag. Der beim Sprengstoffanschlag am rechten Handgelenk verletzte spanische Fußball-Profi Marc Bartra ist auf dem Wege der Besserung.

“Er hat die Operation gut überstanden”, sagte BVB-Präsident Reinhard Rauball am Mittwoch. Der Dortmunder Abwehrspieler hatte am Dienstagabend einen Bruch der Speiche sowie Fremdkörper-Einsprengungen am rechten Handgelenk erlitten. Bartra war unmittelbar nach dem Vorfall operiert worden. In der laufenden Saison dürfte der 26-Jährige voraussichtlich nicht mehr zum Einsatz kommen.

Ralf Jäger (SPD), der Innenminister von Nordrhein-Westfalen, sicherte indes den Fans beim Stadionbesuch der Champions-League-Partie am Mittwochabend (18.45 Uhr) in Dortmund größtmögliche Sicherheit zu. “Wir haben die Polizeikräfte in Dortmund für heute Abend nochmal deutlich erhöht”, sagte Jäger in Düsseldorf. “Die Fans, die heute das BVB-Spiel sehen können, können sicher sein, dass die Polizei in Dortmund alles Menschenmögliche tut, damit dies ein sicheres Spiel ist.”

Wegen der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen sollten die Fans auf keinen Fall Taschen und Rucksäcke mit zum Stadion bringen und frühzeitig anreisen.

“Wir bereiten uns auf einen Großeinsatz vor”, betonte der Polizei-Präsident. Die Spielverschiebung legte die UEFA nach Rücksprache mit beiden Mannschaften schnell fest.

“Wir werden heute natürlich mit starken Kräften hier vor Ort sein im Stadion, werden aber auch versuchen, unser Möglichstes tun, natürlich die Mannschaften zu schützen”, sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, Mittwoch früh im ZDF. “Wir stehen da mit beiden Vereinen und auch mit allen Sicherheitsbehörden in sehr engem Kontakt”, bekräftigte sie.

Werder Bremens Mittelfeldspieler Zlatko Junuzovic hat die schnelle Neuansetzung des Viertelfinal-Hinspiels begrüßt. “Es ist das richtige Zeichen, nach vorne zu schauen. Wir müssen einfach über diesen Dingen stehen”, betonte Österreichs Teamspieler am Mittwoch. Die Geschehnisse in Dortmund seien zwar “etwas beunruhigend”, wie auch der Anschlag in der vergangenen Woche in Stockholm.

“Aber ich habe keine Angst, und ich will auch keine Angst haben. Wir dürfen uns den Spaß am Leben nicht durch so eine feige Aktion nehmen lassen”, sagte Junuzovic. Mit Blick auf das Nordderby gegen den Hamburger SV, das bereits vor den Vorfällen in Dortmund als Hochsicherheitsspiel eingestuft worden war, hat Junuzovic keine zusätzlichen Bedenken. “Wir lassen uns unser Derby nicht nehmen”, erklärte der 29-Jährige. “Ich habe keine Angst vor dem Wochenende.”

Am Samstag steht für die Borussia das Bundesliga-Heimspiel gegen Eintracht Frankfurt an. Aufgrund der Verschiebung des CL-Spiels Dortmund gegen Monaco hat die französische Fußball-Liga ihren Spielplan für das kommende Wochenende leicht modifiziert. AS Monaco trifft nun erst Samstagabend um 21.00 Uhr auf Dijon, ursprünglich war das Match für 17.00 Uhr angesetzt gewesen. Monaco habe um die Änderung gebeten, teilte die Profiliga LFP am Mittwoch mit. Damit bleiben dem Team ein paar Stunden mehr Zeit zur Erholung und Vorbereitung.

Am Dienstag um 19.15 Uhr – unmittelbar nach der Abfahrt des Fußball-Bundesligisten vom Teamhotel zum Stadion – waren in der Nähe des Mannschaftsbusses drei Sprengsätze in einer Hecke explodiert. Die Polizei sprach von “einem Angriff mit ernst zu nehmenden Sprengsätzen”. Die Wucht der Detonationen ließ die Scheiben des Busses teilweise bersten. “Die ganze Mannschaft ist in einer gewissen Schockstarre. Solche Bilder bekommst du nicht aus dem Kopf raus”, sagte BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke, der bei den Fans wegen des knapp angesetzten Termins um Verständnis bat. “Wir können ja die Monegassen nicht bis Donnerstag hier halten.”

Der BVB-Bus wurde an zwei Stellen beschädigt. Auf Bildern war zu erkennen, dass die hinterste Scheibe auf der rechten Seite zersplittert war. Innenverteidiger Bartra wurde dabei schwer verletzt und musste operiert werden. Der Spanier habe “eine gebrochene Speiche im rechten Handgelenk und diverse Fremdkörpereinsprengungen”, sagte BVB-Pressesprecher Sascha Fligge. Die anderen Spieler blieben unverletzt.

BVB-Torhüter Roman Bürki berichtete von den Schreckmomenten. “Ich saß in der hintersten Reihe neben Marc Bartra, der von Splittern der zerborstenen Rückscheibe getroffen wurde”, sagte der Profi der Schweizer Zeitung “Blick”. “Der Bus bog auf die Hauptstraße ein, als es einen Riesenknall gab – eine regelrechte Explosion”, sagte Bürki. Dann hätten sich die Spieler geduckt und auf den Boden gelegt. “Wir wussten ja nicht, ob noch mehr passiert.”

Große Anteilnahme gab es aus der ganzen Sportwelt: Der FC Barcelona twitterte vor seinem Champions-League-Spiel bei Juventus Turin am Abend: “Unsere ganze Unterstützung für @MarcBartra, @BVB und alle seine Fans”. Auch aus München kamen Nachrichten an die Kollegen im Westen. Bayern-Verteidiger Jerome Boateng hoffte, dass “alle okay”, seien. “In solchen Momenten hält man im Revier fest zusammen”, schrieben etwa die Schalker.

Auch Politiker zeigten ihre Anteilnahme. “Meine Gedanken sind bei der Mannschaft”, wurde Innenminister Thomas de Maiziere am Abend über den Twitter-Account seines Ministeriums zitiert. Ähnlich hieß es bei Justizminister Heiko Maas: “Unsere Gedanken sind beim @BVB. You’ll never walk alone!”

Eine Viertelstunde vor dem geplanten Anpfiff des Viertelfinal-Hinspiels in der Signal-Iduna Arena teilte der Fußball-Bundesligist mit, dass die Königsklassen-Partie nach den erschreckenden Ereignissen vor dem BVB-Teamhotel nicht stattfinden kann. Die Fans wurden aufgefordert, zunächst im Stadion zu bleiben. Die Monaco-Fans skandierten “Dortmund, Dortmund”. Im Stadion gab es nach Polizeiangaben keinerlei Gefahr.

Am Mittwoch lobte die Dortmunder Polizei das Verhalten der Fans im Stadion. “Das ist gestern mit sehr viel Ruhe abgelaufen, und das hat uns natürlich als Polizei und sicherlich auch dem Verein sehr geholfen”, sagte Nina Vogt, Sprecherin der Dortmunder Polizei, im ZDF. “Ich glaube, da können wir alle sagen, dass wir auf die Reaktionen gestern nur stolz sein können”, betonte sie.

Es gebe zwei Verdächtige in der Islamistenszene und einer sei vorläufig festgenommen worden, teilte die deutsche Bundesanwaltschaft am Mittwoch in Karlsruhe mit. Zuvor war ein Bekennerschreiben mit islamistischem Inhalt gefunden worden. Es sei von einem terroristischen Hintergrund der Tat auszugehen, sagte die Sprecherin der Bundesanwaltschaft, Frauke Köhler. Die genaue Motivlage sei noch unklar. Bei dem Sprengstoffangriff ist nach Polizeiangaben auch ein Polizist verletzt worden.

Von: APA/dpa/ag.