Bundeskanzler Kurz zwischen den Ministern Anschober und Nehammer

Drastische Maßnahmen gegen Coronavirus in Österreich

Freitag, 13. März 2020 | 17:40 Uhr

Österreich setzt im Kampf gegen das Coronavirus auf drastische Maßnahmen: Die Orte Galtür, Ischgl, See und Kappl im Paznauntal sowie St. Anton am Arlberg wurden unter Quarantäne gestellt, nicht essenzielle Geschäfte müssen für eine Woche schließen und Lokale dürfen nur mehr bis 15.00 Uhr offen haben. Nachweislich infiziert mit dem Virus waren Freitagnachmittag 504 Personen.

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) betonte am Nachmittag bei der Präsentation der Maßnahmen, dass das soziale Leben ab Montag auf ein Minimum reduziert werden müsse: “Österreich wird nicht auf Dauer, aber doch auf Zeit auf Minimalbetrieb herunterfahren müssen.”

Zusätzlich zu den rund 9.500 Einheimischen in den Tiroler Krisengebieten sind auch noch die Angestellten in den Hotels sowie die österreichischen Urlauber von der 14-tägigen Isolation betroffen. Um wie viele Personen es sich dabei handelt, war vorerst unklar. In ganz Tirol sind zudem alle Hotels von der Schließung wegen des Coronavirus betroffen, also nicht nur jene in den Skigebieten. Dies betonte LH Günther Platter (ÖVP) am Freitag bei einer Pressekonferenz in Innsbruck. Ausnahmen gebe es nur für medizinisches Personal sowie im Geschäfts- bzw. Wirtschaftsbereich.

In zwei der von der Quarantäne betroffenen Gemeinden im Tiroler Paznauntal, See und Kappl, herrschte trotz der Maßnahme der Bundesregierung offenbar relative Gelassenheit. “Das wird sicher gut sein”, sagte der Bürgermeister von See, Anton Mallaun, im APA-Gespräch. Man werde die Situation “schon bewerkstelligen”, sagte auch der Bürgermeister von Kappl, Helmut Ladner.

Mit Stand 15.00 Uhr haben sich in Österreich insgesamt 504 Personen mit dem neuen Coronavirus infiziert. Nach Bundesländern: Tirol (167), Niederösterreich (63), Wien (82), Steiermark (52), Oberösterreich (84), Salzburg (23 – davon drei Personen nicht in Salzburg aufhältig), Burgenland (sieben), Vorarlberg (22) und Kärnten (vier).

Diese Zahlen dürften aber noch drastisch steigen: Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sprach von einer steigenden Ansteckungszahl von derzeit rund 40 Prozent täglich. Im Hinblick darauf begann die Stadt Wien damit, Vorkehrungen zu treffen, um bei Bedarf genügend Krankenbetten zur Verfügung zu haben. Die Messehalle in Wien-Leopoldstadt wird deshalb für ein Groß-Lazarett vorbereitet, wie Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) am Freitag bekannt gab. In einem ersten Schritt werden in der Halle A ab nächster Woche 880 Betten verfügbar sein.

Schneller als ursprünglich gedacht geht es nun an den Schulen. So ist auch an den Volksschulen und in der Mittelstufe ab Montag keine Schulpflicht mehr. Der Unterricht geht zwar noch zwei Tage, Kinder sind aber bereits ab Wochenbeginn entschuldigt. An die Unternehmen appellierte Kurz, auch zur Bewältigung der Kinderbetreuung wo immer möglich auf Teleworking umzustellen.

Das Außenministerium hat wegen der Coronavirus-Epidemie eine Reisewarnung für Frankreich, Spanien und die Schweiz herausgegeben. Dies geht aus den am Freitag aktualisierten Reisehinweisen für die drei Staaten hervor. Damit gilt für diese drei Staaten die höchste Sicherheitsstufe, die wegen des Coronavirus zuvor bereits für Italien, den Iran und Teile Chinas gewählt worden war.

Die Sorgen rund um das Coronavirus haben in den vergangenen Tagen viele Konsumenten zu Vorratskäufen motiviert. Am Freitag bildeten sich in den heimischen Supermärkten teilweise längere Schlangen bei den Kassen. Mehrere Lebensmittelketten betonten auf APA-Anfrage, dass die Versorgung gesichert ist und die Zentrallager gut mit Lebensmitteln und Hygieneartikel gefüllt sind.

Von: apa