Bei den Beschuldigten handelt sich um einen Afghanen und zwei Bulgaren

Drei neue Angeklagte in Ungarn zu A4-Flüchtlingsdrama

Dienstag, 03. Oktober 2017 | 11:08 Uhr

Im Zusammenhang mit dem Flüchtlingsdrama auf der Ostautobahn (A4) bei Parndorf, bei dem vor zwei Jahren 71 Flüchtlinge in einem Lkw erstickt sind, ist gegen drei weitere Männer Anklage wegen Menschenschmuggels erhoben worden. Das sagte der zuständige Staatsanwalt in der südungarischen Stadt Kecskemet, Gabor Schmidt, am Dienstag der APA.

Bei den Beschuldigten handelt sich um einen Afghanen (26) und zwei Bulgaren (34 und 33). Diese Anklageerhebung sei eng verbunden mit der Parndorf-Strafsache, erklärte Schmidt. Deswegen habe die Staatsanwaltschaft beantragt, die Causa in das Strafverfahren um den Tod der 71 Flüchtlinge einzubeziehen.

Von den drei Beschuldigten sind zwei noch flüchtig. In U-Haft befindet sich der 34-jährige Bulgare. Der Mann, gegen den ein internationaler Haftbefehl bestand, wurde in Bulgarien gefasst und am 28. August den ungarischen Behörden übergaben.

Der Afghane sei in der Schlepperorganisation auf der oberen Stufe der Hierarchie und damit über dem afghanischen Hauptangeklagten im Parndorf-Prozess gestanden. Der Hauptangeklagte gilt als Leiter der ungarischen Gruppe der Schlepperorganisation. Der flüchtige Afghane hat nach Erkenntnissen der Behörden von Mai bis 27. August 2015 systematisch und gegen Entgelt Schleusungen von Flüchtlingen von Serbien nach Ungarn und weiter nach Österreich und Deutschland organisiert. Er sei auch bei der Schleppung der 71 Migranten in einem Kühl-Lkw einer der Organisatoren gewesen, werde aber nicht des vorsätzlichen Mordes angeklagt, hieß es.

Der Afghane stand laut Staatsanwaltschaft in regelmäßigem Kontakt zu einem pakistanischen Schlepper, der in Serbien agierte und für den Transport der Migranten an die serbisch-ungarische Grenze und die Organisierung des illegalen Grenzübertrittes verantwortlich war. Der Angeklagte habe auch persönlich und telefonisch Weisungen an den afghanischen Hauptangeklagten des Parndorf-Prozesses erteilt, damit die Schleppungen reibungslos abliefen und war den Angaben zufolge an der Anwerbung von Flüchtlingen beteiligt. Damit habe er mindestens 300.000 Euro verdient.

Dem inhaftierten 34-jährigen Bulgaren wird vorgeworfen, im Juni 2015 im Auftrag der Chefs der Organisation gegen Entgelt drei Fahrer aus Bulgarien nach Ungarn gebracht zu haben. Zwei von ihnen habe er zu illegalen Flüchtlingstransporten nach Westeuropa überreden könnten. Der 34-Jährige fungierte bei diesen Transporten als Begleitfahrer. Als einer der Schlepper gefasst wurde, setzte sich der 34-Jährige nach Bulgarien ab.

Seinem 33-jährigen Landsmann werden Schleppungen zur Last gelegt. Er soll am 22. August 2015 – also nur wenige Tage vor dem Tod der 71 Flüchtlinge – in einem geschlossen Fahrzeug 40 illegale Migranten von Kecskemet nach Deutschland geschmuggelt haben. Dafür seien ihm 3.500 Euro versprochen worden.

Gegen den 33-Jährigen und den als Drahtzieher geltenden Afghanen wurden Haftbefehle erlassen. Alle drei Beschuldigten wird Menschenschmuggel im Rahmen einer kriminellen Vereinigung zur Last gelegt. Der Afghane und der 34-jährige Bulgare hätten dieses Verbrechen gewerbsmäßig begangen. Darüber hinaus wird ihnen das Quälen der geschleppten Menschen vorgeworfen.

Von: apa

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