Virus soll von Wildtier auf Menschen übergesprungen sein

Ein Jahr nach Wuhan: Laut WWF Hunderte Wildtiermärkte

Mittwoch, 30. Dezember 2020 | 08:05 Uhr

Ein Jahr nach dem Ausbruch der Corona-Pandemie sind nach wie vor Hunderte Wildtiermärkte geöffnet. Das geht aus einem Bericht des World Wide Fund for Nature (WWF) hervor, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Es gelte mittlerweile als “wissenschaftlich gesichert”, dass SARS-CoV-2 von einem Wildtier auf den Menschen übergesprungen ist, so der WWF. Die Analyse der Naturschutzorganisation befasst sich mit dem Wildtierhandel in der südostasiatischen Mekong-Region.

Das Ergebnis: Von rund 500 Märkten in größeren Städten, auf denen häufig mit Wildtieren gehandelt wird, liegt rund die Hälfte in Regionen mit einem potenziell hohen Zoonose-Risiko. “China hat zwar im Februar ein Verbot der Wildtier-Zucht für die Fleischproduktion erlassen, aber in mehreren südostasiatischen Staaten muss noch deutlich mehr getan werden”, befand der WWF.

“Der Artenschutz für bedrohte Wildtiere und die öffentliche Gesundheitsvorsorge gehören dringend zusammen gedacht, um die Gefahr des Überspringens von Viren auf den Menschen einzudämmen”, sagte Georg Scattolin, Leiter des internationalen Programms beim WWF Österreich. Als Teil eines Zehn-Punkte-Plans forderte er vor allem die rasche Schließung illegaler und unregulierter Wildtiermärkte sowie schärfere Kontrollen gegen den illegalen Handel: “Der Schmuggel von Wildtieren jenseits aller Regeln schafft einen idealen Nährboden für Virensprünge auf den Menschen. Daher müssen Politik und Behörden deutlich mehr tun.”

In vielen ländlichen Gegenden der Mekong-Region sind Menschen zur Ernährungssicherung noch immer auf Wildtiere angewiesen – darunter sind auch abgelegene Gebiete mit Mangelernährung bei Kindern. Zunehmend werden Wildtiere aber auch für den Verkauf in Städten gejagt. Große Märkte mit niedrigen Hygienestandards sind besonders riskant für die Übertragung von Infektionskrankheiten und auch aus Tierschutz-Sicht verheerend. Auf Lebend-Tiermärkten wie sie in weiten Teilen Chinas und Südostasiens existieren, werden Wild- und Nutztiere nebeneinander verkauft und geschlachtet.

Restaurants, die Gerichte mit Wildtieren zubereiten, sowie Online- und Straßenverkäufe sind dem WWF zufolge ebenfalls potenzielle Schmelztiegel für neue Krankheitserreger. Doch nicht nur die Märkte sind ein Risiko: “Die Corona-Ausbrüche in europäischen Nerzfarmen zeigen, dass auch Wildtierfarmen tickende Virus-Bomben sind. Von diesen gibt es in Südostasien immer noch hunderte”, warnte Scattolin.

In der Region werden laut der Analyse jedes Jahr Dutzende Millionen Wildtiere zu Nahrungszwecken oder zur Verwendung in der traditionellen Medizin gehandelt. Neben Wildschweinen und Hirschen sind das häufig Nagetiere und Fledermäuse, die als Reservoir für eine Vielzahl von pathogenen Erregern gelten. “Die Einstellung des illegalen und unregulierten Wildtierhandels ist daher ebenso wichtig wie die Durchsetzung von Hygiene- und Sicherheitspraktiken auf Wildtiermärkten und in Restaurants”, sagte Scattolin.

Regionale Netzwerke und nationale Behörden, die den Handel mit Wildtieren überwachen und geltendes Recht durchsetzen, sind jedoch stark unterfinanziert, so der WWF. Daher brauche es auch auf dieser Ebene mehr Unterstützung, um pandemische Risiken im Keim zu ersticken. Ebenfalls entscheidend sei, dass die Nachfrage nach Produkten des Hochrisiko-Wildtierhandels reduziert wird.

Ein zweites Umweltproblem ist die Entwaldung, die Virus-Sprünge aus dem Tierreich auf den Menschen befördert: Von 1990 bis 2010 wurde die Waldfläche Südostasiens von 268 Millionen Hektar auf 236 Millionen Hektar reduziert. “Wenn Lebensräume zerstört werden und natürliche Barrieren wegfallen, bringt das Arten in Kontakt zueinander, die vorher nicht im Kontakt waren. Werden dort neue Siedlungsräume geschaffen, entsteht eine neue, räumliche Nähe zum Menschen und seinen Nutztieren”, erläuterte Scattolin die Folgen der Entwaldung.

Beispiele aus vielen Weltregionen verdeutlichen dem WWF zufolge die Gefahr: Schweinefarmen und Obstbaumplantagen in Malaysia haben den Weg für die Übertragung des Nipah-Virus von Flughunden auf Menschen bereitet. Die Expansion von Reisfeldern und Schweinehaltung in Vietnam hat die Ausbreitung der Japanischen Enzephalitis beschleunigt. Auch andere Infektionskrankheiten werden von Entwaldung getrieben, wie eine brasilianische Studie bereits 2010 aufzeigte: Die Abholzung von vier Prozent eines Waldes ging mit einer fast 50-prozentigen Zunahme der Malariafälle einher. Der WWF forderte einen internationalen Aktionsplan, der sowohl den gefährlichen Wildtierhandel stoppt als auch unsere Natur und Artenvielfalt weltweit verbindlich schützt.

Von: apa

Kommentare

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16 Kommentare auf "Ein Jahr nach Wuhan: Laut WWF Hunderte Wildtiermärkte"


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Missx
Missx
Kinig
19 Tage 13 h

Bitte bedenken, dass es sich nicht um frei lebende Wildtiere sondern um Wildtiere zusammen gepfercht in Zuchtanlagen unter ekelhaften hygienischen Nedingungen handelt.
Auch Geflügel und Schweinefarmen könnten so eine Pandemie auslösen.

halihalo
halihalo
Tratscher
19 Tage 12 h

ich denke auch das diese Massentierhaltungen eine tickende Zeitbombe sind…man hört ja immer wieder von neuen Skandalen und Ausbrüchen von krankheiten bei Schweine- Geflügel-bei Lachszucht usw…Tiere die mit Antibiotika und anderen Medikamenten behandelt werden ,um den Ertrag und Profit zu steigern

Missx
Missx
Kinig
19 Tage 11 h

@halihalo
Ob wir wollen oder nicht, wir werden in Zukunft global und gemeinsam an solche Probleme heran gehen müssen.
Vielleicht hat die Pandemie ja auch etwas Gutes und fördert die internationale Zusammenarbeit in Sachen globale Ernährung.

halihalo
halihalo
Tratscher
19 Tage 11 h

@Missx
wir können nur hoffen !
ich habe den Glauben in die Politik langsam verloren ,so lange der Profit an erster Stelle steht wird sich wohl nicht viel ändern…wichtig ist das jeder für sich selbst seine Lebens – und Ernährungsweise hinterfragt und eventuell ändert

halihalo
halihalo
Tratscher
19 Tage 10 h

@Missx
globale Ernährung ….na ja ..ich finde regional ist wichtiger !

Missx
Missx
Kinig
19 Tage 9 h

@hali halo
Mit global meinte ich, die ganze Welt muss etwas tun.
Es ist genug Essen für alle da, nur ist die Ernährung neu zu überdenken. Ich wäre für den Sonntagsbraten.

Jiminy
Jiminy
Kinig
19 Tage 9 h

@Missx
leider wird der sapiens aus dieser Tragödie (so wie auch aus andere) einen schönen nichts lernen!

Privatmeinung
Privatmeinung
Tratscher
19 Tage 13 h

Wenn die Menschheit nicht bald mehr Respekt von Tier und Natur bekommt, werden wir es noch mit mehr solchen und ähnlichen Krankheiten zu tun bekommen.

Dagobert
Dagobert
Universalgelehrter
19 Tage 12 h

Und was unternimmt die EU dagegen?
Gar nichts, denn man will die Chinesen auf keinen Fall verärgern! Schließlich liegt ein neues Handelsabkommen fast Unterschriftsreif auf dem Tisch!

Mutti
Mutti
Universalgelehrter
19 Tage 13 h

Nor hoassts man griag nicht, wenn die Tiere afn Morkt liegen, Fliegen drau usw. Grausig… Ober die Umwelt rächt sich…

W_A_O
W_A_O
Neuling
19 Tage 13 h

Ich finde es ja immer höchst bizarr wenn wir Europäer uns über die Chinesen/Asiaten beschweren wie sie mit den Tieren umgehen und “Alles essen was ihnen auf den Teller gelangt”.
Und während wir solche Diskussionen führen essen wir billig-Schnitzel von zB. Tönnies wo mit Sicherheit die selben schlimmen Verhältnisse herrschen.
Egal welches Tier auf engstem Raum gehaltet wird, es ist immer (!!) eine kontaminierte Umgebung und es ist nur eine Frage der Zeit bis weitere Viren auf uns Menschen übergehen.
Aber mit dem Finger auf andere zu Zeigen ist immer leichter als Eigenverantwortung zu zeigen!

So ist das
So ist das
Universalgelehrter
19 Tage 13 h

Die Menschheit lernt nichts dazu, braucht es wohl eine weitere Katastrophe. 🤔

Minie
Minie
Tratscher
19 Tage 9 h

Was ist ein Tierleben denn heute noch wert? Das sehen wir doch wenn die Bauern mit den Lebensmittel-Riesen verhandeln! Immer nur billig, billig, billig… leider sind viele Endverbraucher nicht bereit für gute Qualität gutes Geld zu bezahlen. Danke, da verzichte ich lieber und esse mein gelegentliches Stück Fleisch ganz bewusst und zahle dafür gern ein bisschen mehr!

Sonnenstrahl2020
19 Tage 10 h

Und wie ist es mit unsere Nertzfarmen in Europa? Viele Farmen haben die Tiere schon entsorgen müssen und gesclossen weil die Covid infiziert waren.

Angi123
Angi123
Neuling
19 Tage 6 h

De Wildtiermärkte gibs wol long schun. Iatz kriagn holt wido die Tiere di Schuld, weil do Mensch Fehla gemocht hot. Erbärmlich

Jiminy
Jiminy
Kinig
19 Tage 5 h

wobei man immer noch untersuchen müsste, ob wie 2015 auf Rai3 berichtet, bei den Corona-Experimenten in Wuhan etwas schief gelaufen ist!

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