Prozess am Wiener Straflandesgericht

Einbrecher attackierte Wiener mit Flex: Drei Jahre Haft

Freitag, 03. August 2018 | 14:10 Uhr

Ein Profi-Einbrecher, der am 5. Juni 2018 in einem Keller in Wien-Floridsdorf auf frischer Tat erwischt wurde, ist am Freitag vom Landesgericht für Strafsachen rechtskräftig zu drei Jahren unbedingter Haft verurteilt worden. Der Kriminelle war mit einer eingeschalteten Flex auf einen 60-jährigen Wiener losgegangen, der ihn beim Aufschneiden eines Vorhängeschlosses erwischt hatte.

Der Zwischenfall spielte sich in einem Keller einer Wohnhausanlage in der Brünner Straße ab. Ein Mieter, der gerade von der Arbeit nach Hause gekommen war, hörte aus dem Keller Schleifgeräusche. Als er nachschauen ging, traute der 60-Jährige seinen Augen nicht. Just vor seinem Kellerabteil machte sich ein Unbekannter mit einem Winkelschleifer zu schaffen, um an die dort abgestellten und mit einem massiven Schloss abgesicherten Fahrräder zu gelangen. Der Wiener – von Beruf Schlosser – ging mit der Bemerkung “Was machst du da?” dazwischen, worauf der Einbrecher zum Angriff überging.

“Er hat die Flex eingeschalten und mir damit zwei oder drei Mal zum Gesicht hergehaut”, schilderte der 60-Jährige Einzelrichter Johannes Varga. Der Täter fügte dem Wiener eine tiefe drei Zentimeter lange Schnittwunde hinter dem linken Ohr, mehrere weitere Schnitte am Unterkiefer sowie an der rechten Hand zu. Wie Gerichtsmediziner Wolfgang Denk darlegte, wäre der Angriff geeignet gewesen, schwere, möglicherweise sogar lebensgefährliche Verletzungen zu bewirken, hätte sich der Schlosser zunächst nicht beherzt gewehrt und dann die Flucht ergriffen, weil der bewaffnete Eindringling partout nicht von ihm abließ. Der Einbrecher schlug dem 60-Jährigen auch noch den Winkelschneider auf den Kopf, was eine Schädelprellung zur Folge hatte.

Der Wiener schaffte es dennoch aus dem Keller, den er hinter sich verschloss. Die Polizei musste den Angreifer nur mehr abholen. Wie sich herausstellte, handelte es sich bei dem Täter um einen massiv vorbestraften Ungarn, der zuletzt in seiner Heimat eine Freiheitsstrafe von vier Jahren und zwei Monaten abgesessen hat. Auch in Österreich weist der 55-Jährige bereits drei einschlägige Vorstrafen auf. Unter anderem verbüßte er wegen gewerbsmäßigen schweren Einbruchdiebstahls zweieinhalb Jahre.

Dem Richter erzählte der Ungar eine absurde Geschichte. Er sei nicht zum Einbrechen nach Wien gekommen, sondern hätte hier sein in Budapest gestohlenes Fahrrad gesucht. Ein Bekannter, der bei der ungarischen Polizei arbeitet, hätte ihm nämlich den Tipp gegeben, dass das Fahrrad von einem schwarzen Jeep mit Wiener Kennzeichen außer Landes gebracht wurde. Der Bekannte hätte ihm überdies die Adresse des Besitzers des schwarzen Jeep gegeben. “Ich wollte mich vergewissern, ob sich dort im Keller mein Fahrrad befindet”, versuchte der 55-Jährige dem Richter weiszumachen.

Den Angriff mit der Flex leugnete der Angeklagte. Vielmehr sei der 60-Jährige auf ihn losgegangen. Er hätte sich nur gewehrt: “Ich habe Angst bekommen, weil er ein großer, kräftiger Mann ist.” Die Verletzungen des Wieners seien von seiner Uhr entstanden: “Die hat leider ein massives Gehäuse.”

Die Polizei hatte bei dem Berufskriminellen einen Rucksack mit zahlreichen Schlüsseln, Schraubenziehern, Dietrichen und weiteren Einbruchswerkzeugen sichergestellt. Dass der Richter diese konfiszierte, gefiel dem Ungarn gar nicht. Er sprach sich gegen diese Maßnahme aus. Er sei Elektriker und hätte in Wien schwarz gearbeitet, was ihm nach seiner Enthaftung nicht mehr möglich sei, wenn man ihm sein Werkzeug abnehme.

Von: apa

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