Falsche Müllentsorgung als Hauptproblem

Enorme Plastikmüll-Verschmutzung im Mittelmeer

Dienstag, 27. Oktober 2020 | 14:20 Uhr

Für die Plastikverschmutzung des Mittelmeers ist laut einer Studie vor allem die falsche Müllentsorgung in wenigen Staaten verantwortlich. Derzeit fließen laut Weltnaturschutzunion (IUCN) jährlich 230.000 Tonnen Plastik ins Mittelmeer, allein aus den 33 Staaten an seinen Küsten und entlang wichtiger Zuflüsse wie Nil, Po und Rhone. Das entspricht umgerechnet pro Tag dem Inhalt von mehr als 500 Frachtcontainern, wie die IUCN am Dienstag in Gland bei Genf mitteilte.

Plastikmüll macht dabei laut Studie 94 Prozent aus. Der größte Anteil kommt laut der Studie aus Ägypten (schätzungsweise rund 74.000 Tonnen pro Jahr), Italien (34.000 Tonnen) und der Türkei (24.000 Tonnen). Bezogen auf die Einwohnerzahl ist der Spitzenreiter allerdings Montenegro (etwa acht Kilogramm Plastikmüll pro Jahr und Kopf), gefolgt von Albanien, Bosnien und Herzegowina und Nordmazedonien. Mikroplastik – feinste Teilchen etwa von Reifenabrieb, aus Textilfasern oder Kosmetik – macht die anderen sechs Prozent aus.

Mittlerweile könnten sich mehr als eine Million Tonnen Plastik im Mittelmeer angesammelt haben, schätzen die Autoren. Etwas mehr als ein Drittel des Plastikmülls, der im Meer landet, stamme direkt aus Städten aus Küstennähe. Die restlichen 65 Prozent werden etwa von Flüssen ins Meer getragen.

Die Studienautoren untersuchten den sogenannten Plastikfußabdruck von insgesamt 33 Ländern, darunter 20 Küstenstaaten, aber auch Staaten etwa entlang des Nils. 80 Prozent des Plastiks lässt sich ihrer Schätzung zufolge auf Müll aus nur zehn Staaten zurückführen. Neben Ägypten, Italien und der Türkei seien das Albanien, Tunesien, Uganda, Nordmazedonien, Kenia und Bulgarien.

Plastikverschmutzung könne schwere Langzeitschäden für Ökosysteme an Land und im Wasser auslösen, betonte die Direktorin des IUCN-Programms für Meere und Polarregionen, Minna Epps. “Wie dieser Bericht klarmacht, reichen die derzeitigen und geplanten Maßnahmen nicht aus, um den Plastikzustrom zu reduzieren und diesen Einflüssen vorzubeugen.”

Die Experten warnten, dass sich die Müllmenge bis 2040 verdoppeln werde, falls keine entschiedenen Maßnahmen getroffen würden. Verbessere man etwa die Abfallwirtschaft in den 100 Städten, die am stärksten zur Müllmenge beitragen, könne man die Abfallmenge um ein Viertel senken.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "Enorme Plastikmüll-Verschmutzung im Mittelmeer"


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sophie
sophie
Superredner
1 Monat 2 Tage

In diesen Ländern täte mal Aufklärung gut, Hauptsächlich in Italien ist das kein Thema, man muss gar nicht so weit fahren ausser Südtirols Grenzen und schon liegt ünerall alles rum, und noch eins dazu, bei uns hier entlang des Olanger Stausees entledigen sich sämtliche Touristen und Einheimische ihren Müll, über die Rienz Einfluss in den See alles voll Plastik, Behältern usw

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@sophie
genau, die Touristen packen zuhause ihre Müllsäcke und wenn sie nach Südtirol kommen entsorgen sie dort ihren Müll. Vermutlich auch noch ihren Sperrmüll. Die ganzen Urlauberautos sind voll Müll.

Plodra
Plodra
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

Die illegale Müllentsorgung ist ein rentable Geschäft. Kontrollen????

peterle
peterle
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Nun, dass afrikanische Staaten wie Uganda ihren Plastikmüll im Mittelmeer entsorgen muss man nachweisen. Welcher Fluss von der Miite Afrikas mündet im Mittelmehr?

Jiminy
Jiminy
Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

das Problem sind sicher nicht Länder wie Uganda… das Problem sind WIR mit unserem Konsumwahn und andere schnell wachsende Länder wie Indien und viele andere!

halihalo
halihalo
Grünschnabel
1 Monat 2 Tage

So eine 🐷erei …auch bei uns sind viele Ignoranten

Gredner
Gredner
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

Eigenartige Studie, die Uganda und Kenia zum Mittelmeer zählt und ebenso Bosnien, Herzegowina, Nordmazedonien und Bulgarien dürften das Mittelmeer nur indirekt touchieren.

eisern
eisern
Tratscher
1 Monat 2 Tage

So lange es keinen spürbaren Pfand auf Plastikflaschen gibt ändert sich nichts. Ich fahre seit Jahren nach Kroatien und stelle immer mehr fest, das für zwei Lipa Pfand noch nicht mal die Flaschensammler die es früher gab aktiv werden. Geschweige denn die Touristen sie zurück bringen da es dort sehr schwierig ist.

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