Eines der von der Polizei veröffentlichten Fahndungsfotos

Entsetzen nach neuer Gewaltattacke in Berliner U-Bahn

Dienstag, 11. Juli 2017 | 17:39 Uhr

Kurz nach dem Prozess um den sogenannten Berliner U-Bahn-Treter erschüttert eine ähnliche Attacke die Stadt. Ein 38-Jähriger wurde in der Nacht auf den 11. Juni im U-Bahnhof Alexanderplatz brutal eine Treppe hinuntergestoßen und schwer verletzt. Auf den von der Polizei am Dienstag veröffentlichten Aufnahmen aus der Überwachungskamera ist der mutmaßliche Täter deutlich zu erkennen.

“Wir sind optimistisch, ihn zu fassen”, sagte eine Polizeisprecherin. Wenige Stunden nach der Veröffentlichung waren schon zwei Hinweise eingegangen. Auf den Videoaufnahmen ist zu sehen, wie das Opfer mehrere Stufen hinunterstürzt und unten zusammengekrümmt liegen bleibt. Der Täter steht weiter oben und sieht zu.

Dem Opfer wurde auf der Stiege von hinten gegen den Kopf geschlagen. “Durch die Wucht des Schlages stürzte der Angegriffene die gesamten Stufen der Zugangstreppe hinunter und stieß mehrfach mit dem Kopf gegen das Eisengeländer. Hierbei erlitt er eine schwere Kopfverletzung und zahlreiche Prellungen am ganzen Körper”, hieß es im Polizeibericht. Der Mann musste stationär in ein Krankenhaus aufgenommen werden.

Die Filmsequenz aus der Überwachungskamera, die die gesamte Tat zeigt, wurde von der Polizei nicht veröffentlicht. Der gesuchte Täter ist etwa 30 bis 40 Jahre alt, hat auf den Bildern kurze dunkle Haare und eine auffällig kräftige Statur. Warum der Mann in der Nacht gegen 1.45 Uhr zuschlug, sei bisher nicht bekannt. Es deute aber laut Polizei nichts darauf hin, dass sich Opfer und Täter kannten.

Der Fall sei im Ablauf und den Folgen durchaus mit dem Angriff des U-Bahn-Treters im Oktober 2016 vergleichbar, hieß es. Der Angreifer im U-Bahnhof Hermannstraße hatte damals eine junge Frau mit einem wuchtigen Tritt in den Rücken eine Betontreppe hinuntergetreten. Die 26-Jährige erlitt einen Armbruch und eine Platzwunde am Kopf. Beim Prozess schilderte sie, dass sie sich danach monatelang nicht in die Öffentlichkeit traute.

Der aus Bulgarien stammende Familienvater wurde zu zwei Jahren und elf Monaten Gefängnis verurteilt. Er ist vermindert schuldfähig, auch weil er zur Tatzeit Drogen intus hatte. Der Hilfsarbeiter war Wochen nach dem Angriff gefasst worden – erst nachdem die Polizei Bilder aus Überwachungskameras veröffentlicht hatte, kam Bewegung in den Fall.

Bei dem neuen Fall hofft die Polizei auf schnelle Aufklärung. Diesmal dauerte es bis zur Veröffentlichung der Fahndungsbilder nicht so lange. Erst wenn alle anderen Mittel der Aufklärung ausgeschöpft sind und die Polizei nicht weiterkommt, kann bei der Staatsanwaltschaft die Veröffentlichung von Videomaterial beantragt werden.

Von: APA/dpa