Schwere Schäden in Zagrebs Innenstadt

Erdbeben in Zagreb forderte ein Todesopfer

Montag, 23. März 2020 | 20:58 Uhr

Das Erdbeben, das am Sonntag die kroatische Hauptstadt Zagreb erschütterte, forderte ein Todesopfer. Ein 15-jähriges Mädchen, das bei dem Beben in der Familienwohnung schwer verletzt wurde, ist am Montagnachmittag gestorben, berichteten kroatische Medien. Das Mädchen hatte lebensgefährliche Kopfverletzungen erlitten und befand sich seit Sonntag im kritischen Zustand.

“Trotz aller ärztlichen Bemühungen ist das Mädchen ihren schweren Verletzungen erlegen”, sagte der Direktor der Zagreber Kinderklinik, Goran Roic. Bei dem Erdbeben wurden weitere 26 Menschen verletzt, 18 davon schwer, jedoch niemand lebensgefährlich.

Das Erdbeben richtete massive Schäden in Zagrebs Innenstadt an, wo viele Gebäuden über 100 Jahre alt sind. Mindestens 250 Objekte seien beschädigt worden, sagte der Leiter des Zivilschutzstabs, Innenminister Davor Bozinovic. Bauexperten sind weiterhin im Einsatz, um die beschädigten Gebäuden zu untersuchen. Bei den Aufräumarbeiten halfen am Montag 150 Soldaten, weitere 300 waren in Bereitschaft, hieß es.

Rund 60 Personen mussten die Nacht in einem Studentenwohnheim verbringen, das als Notunterkunft für jene Stadtbewohner zur Verfügung gestellt wurde, deren Wohnungen zu sehr beschädigt worden sind. In dem Studentencampus gibt es Platz für bis zu 1.700 Menschen. Dazu hat der Zivilschutz auf einem Platz im Zentrum der Stadt Zelte für 500 Personen aufgestellt.

Unterdessen verschärften die Behörden die Bewegungseinschränkungen weiter, um die Corona-Epidemie einzudämmen. Laut dem Innenminister wird am Montag eine neue Maßnahme verabschiedet, wonach es verboten sein wird, die Gemeinde seines Wohnsitzes zu verlassen. Ausnahmen werden für notwendige Transporte, Dienste und Versorgung, sowie u.a. für Journalisten gelten. “Die Zahl der Infizierten wächst, wir erwarten eine weitere Zunahme, das sind notwendige Maßnahmen”, sagte Bozinovic. Bis Montag gab es in Kroatien 306 bestätigte Coronavirus-Fälle, 52 mehr als am Tag zuvor.

Seit Sonntagfrüh hat die Erde nicht aufgehört zu beben. Nach den beiden stärksten Beben am Sonntagfrüh – die laut dem European-Mediterranean Seismological Centre (EMSC) eine Stärke von 5,3 bzw. 5.0 erreichten – ereigneten sich in Zagreb mehrere Dutzend Nachbeben mit niedrigerer Intensität. Am Montag um 11.12 Uhr war ein weiteres Beben zu spüren – laut EMSC hatte es eine Stärke von 3,7.

Österreich gehört unterdessen laut der EU-Kommission zu jenen Ländern, die Soforthilfe nach dem Erdbeben in Zagreb Sonntagfrüh leisten. Zelte, Klappbetten, Heizstrahler und Schlafsäcke seien von Österreich, Slowenien, Ungarn und Italien zur Verfügung gestellt worden und können nun rasch angeliefert werden, sagte ein Sprecher der EU-Behörde am Montag in Brüssel.

Kroatien hatte den EU-Zivilschutzmechanismus aktiviert. Der Mechanismus dient dazu, die verstärkte Zusammenarbeit unter den EU-Ländern im Fall von Katastrophen zu regeln. “Unsere Gedanken sind bei der kroatischen Bevölkerung und wir stehen ihnen bei”, so die offizielle Stellungnahme der EU-Kommission. Das europäischen Erdbeobachtungsprogramm Copernicus liefere zudem Karten der betroffenen Gebiete zur Schadensbeurteilung.

Von: apa