Laut Polizei trifft Uber möglicherweise keine Schuld

Ermittlungen nach tödlichem Unfall mit Uber-Roboterwagen

Dienstag, 20. März 2018 | 13:23 Uhr

Nach dem ersten tödlichen Unfall mit einem selbstfahrenden Auto laufen die Ermittlungen an. Ein Team der US-Verkehrsbehörde NHTSA traf in der Stadt Tempe in Arizona ein. Dort war am Sonntagabend eine Frau, die die Fahrbahn überquerte, von einem Roboterwagen von Uber auf einer Testfahrt erfasst worden und starb im Krankenhaus an ihren Verletzungen.

Nach Angaben der Polizei war das Fahrzeug autonom mit rund 61 Kilometern pro Stunde (38 Meilen pro Stunde) unterwegs und es gibt keine Hinweise darauf, dass es abbremste. Die erlaubte Geschwindigkeit auf dem Streckenabschnitt waren gut 56 Kilometer pro Stunde (35 Meilen pro Stunde). Die 49-jährige möglicherweise obdachlose Frau ging über die Fahrbahn außerhalb eines Fußgängerübergangs und schob nach Angaben der Polizei ein Fahrrad neben sich.

Polizeichefin Sylvia Moir sagte dem “San Francisco Chronicle”, das Video einer Kamera des Uber-Wagens zeige, dass die Frau “direkt aus dem Schatten auf die Fahrbahn getreten” sei. “Es ist klar, dass dieser Zusammenstoß in jedem Modus, ob autonom oder manuell, schwer zu verhindern gewesen wäre.” Zugleich sei der nächste Fußgängerübergang knapp 100 Meter entfernt gewesen.

Die NHTSA nahm Kontakt mit Uber, den lokalen Behörden und auch dem Autobauer Volvo auf, dessen Fahrzeuge für Roboterwagen des Fahrdienst-Vermittlers umgebaut werden. Die Crash-Experten der Untersuchungskommission NTSB nehmen sich ebenfalls des Falls an. Sie treten bei Flugzeugabstürzen, aber auch anderen bedeutenden Unfällen auf den Plan, aus denen möglicherweise für das gesamte Verkehrssystem relevante Erkenntnisse folgen können.

Uber teilte mit, das Unternehmen kooperiere mit den Ermittlern. “Eine unglaublich traurige Nachricht aus Arizona. Wir denken an die Familie des Opfers, während wir mit den örtlichen Behörden zusammenarbeiten, um zu verstehen, was passiert ist”, erklärte Uber-Chef Dara Khosrowshahi auf Twitter. Er stoppte vorläufig alle Testfahrten mit selbstfahrenden Autos. Der Fahrdienst-Vermittler testet seine Roboterwagen auch in San Francisco, Pittsburgh und Toronto.

Das Unternehmen ist eines von mehreren Dutzend Unternehmen, die eigene Systeme für autonom fahrende Autos entwickeln und auf öffentlichen Straßen in den USA testen. Zugleich war das Roboterwagen-Programm des Fahrzeug-Vermittlers von Anfang an von Problemen belastet. Gleich am ersten Testtag in San Francisco wurde ein Uber-Wagen dabei gefilmt, wie er über eine rote Ampel fuhr. Zudem weigerte sich Uber zunächst, die nötige Lizenz zum Testen von Roboterautos zu beantragen und wurde zeitweise von der Straße verbannt. In Tempe war ein Uber-Wagen bereits in eine Kollision verwickelt – die Schuld bekam aber der Mensch am Steuer des anderen Fahrzeugs.

Vor gut einem Jahr klagte die Google-Schwesterfirma Waymo zudem mit dem Vorwurf, bei Uber werde bei ihr gestohlene Roboterauto-Technologie verwendet. Die Klage wurde vor kurzem beigelegt, belastete aber das Uber-Programm. Bei dem Streit ging es speziell um die Technologie sogenannter Laser-Radare, mit denen die meisten selbstfahrenden Autos ihre Umgebung abtasten. Uber musste als Teil des Vergleichs sicherstellen, dass in den Fahrzeugen keine Waymo-Technologie zum Einsatz kommt.

Dass 90 Prozent der Unfälle auf Fehler von Menschen zurückgingen und die Technik autonomer Fahrzeuge sie verhindern werde, ist ein zentrales Argument der Entwickler von Roboterwagen. Zugleich bereitete sich die Branche darauf vor, dass es irgendwann auch einen Unfall mit Todesfolge mit selbstfahrenden Autos geben werde. Nach Angaben der NHTSA starben im Jahr 2016 mehr als 37.000 Menschen auf US-Straßen und die Zahl der Fußgänger-Tode stieg um neun Prozent an.

Der Unfall in Arizona wirft erneut Fragen über die Sicherheit der Technologie auf. Bei den Autofahrer-Organisationen sieht man in der Entwicklung aber weiterhin auch Vorteile – wobei der Schutz der Menschen natürlich höchste Priorität hat. ÖAMTC-Experte Friedrich Eppel sah Assistenzsysteme “grundsätzlich positiv, sofern sie auch die Sicherheit erhöhen”. Inwieweit dies auch auf komplett selbstfahrende Autos zutrifft ist allerdings – beim derzeitigen Stand der Technik – fraglich. Der Mensch sei zwar für einen überwiegenden Teil der Unfälle schuld, aber er löst durch seine einzigartige Lernfähigkeit auch 99 Prozent an gefährlichen Situation. “Eine Maschine lernt ganz anders”, meinte Eppel.

Der VCÖ wies darauf hin, dass ein Großteil der schweren Verkehrsunfälle letztlich die Folge menschlicher Fehler ist. Durch automatisiertes Fahren können Unfälle beispielsweise durch zu hohes Tempo, Alkohol oder Handy-Telefonieren am Steuer vermieden werden. Der VCÖ betonte, dass es klare Vorgaben und Rahmenbedingungen für automatisierte Fahrzeuge braucht. Beim ARBÖ sah man zwar ebenfalls Vorteile bei Assistenzsystemen, doch müsste letztlich immer der Fahrer die Letztverantwortung haben.

Von: APA/dpa