Witwe und Sohn von Corona-Toten klagen Republik Österreich auf rund 100.000 Euro

Erster Ischgl-Zivilprozess startet

Dienstag, 14. September 2021 | 05:05 Uhr

Am Freitag geht am Wiener Landesgericht für Zivilrechtssachen die erste mündliche Verhandlung einer Amtshaftungsklage gegen die Republik Österreich in der Causa Ischgl über die Bühne. Die Witwe und der Sohn eines 72-Jährigen, der nach einem Ischgl-Aufenthalt im März mit einer Coronainfektion verstorben war, fordern rund 100.000 Euro Schadenersatz. Der Verbraucherschutzverein (VSV), der die Klage eingebracht hatte, zeigte sich im Vorfeld bereit für Vergleichsverhandlungen.

Der zivilrechtliche Prozess am Freitag dürfte der Auftakt eines Prozessreigens werden: Sieben weitere Tagsatzungen im September und Oktober wurden bereits festgelegt. Neben jener Klage, die am Freitag verhandelt wird, liegen laut VSV 15 weitere bei Gericht. Außerdem wurden der Finanzprokuratur – sie vertritt die Republik – rund 40 Aufforderungsschreiben vorgelegt, 60 weitere Fälle warten auf die Deckungszusage der Rechtsschutzversicherungen.

Österreichische Rechtsschutzversicherungen würden aufgrund der “Pandemieklausel” die Deckung – aus Sicht des Vereins ungerechtfertigterweise – ablehnen, hieß es vom VSV. Daher würden die Klagen mit Rechtsschutzversicherungen derzeit auf Belgien, Niederlande, Großbritannien und die Schweiz ausgeweitet. VSV-Obmann Peter Kolba rechnete schlussendlich mit “bis zu 3.000” Ansprüchen, die an die Republik gestellt würden sowie mit Sammelklagen nach österreichischem Recht.

Der 72-Jährige, dessen Angehörige die Republik verklagen, soll sich während der Abreise aus dem Paznauntal im Bus angesteckt haben. Tausende Urlauber hatten am 13. März 2020 in teils chaotischen Zuständen das Tal verlassen. In dem Tiroler Wintersportort Ischgl war es zu einem größeren Ausbruch des Coronavirus SARS-CoV-2 gekommen. Die ersten Fälle wurden Anfang März 2020 bekannt, die Ansteckungen sollen vor allem in Apres-Ski-Lokalen passiert sein. Den Behörden war vorgeworfen worden, zu spät und nicht umfassend genug reagiert zu haben. Ein bereits präsentierter Expertenbericht sah kein Versagen, aber Fehleinschätzungen der Behörden. Druck aus der Tourismuswirtschaft auf Entscheidungsträger wurde nicht festgestellt.

Von: apa

Kommentare

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7 Kommentare auf "Erster Ischgl-Zivilprozess startet"


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Gscheida
Gscheida
Superredner
11 Tage 4 h

Na wenn des durchgeht, woas i a nimer! Do hot koaner Schuld!

tanzbaer
tanzbaer
Grünschnabel
11 Tage 5 h

Komisch… Österreich verklagen? ich glaube gelesen zu haben,dass das Virus in Wuhan(China) entkommen sein soll…warum also Österreich verklagen…da kenne sich noch einer aus….

Doolin
Doolin
Universalgelehrter
10 Tage 23 h

…den Chinesen muass man an Prozess unhängen…
😆

Leonor
Leonor
Superredner
11 Tage 5 h

Dann soll es auf der ganzen Welt eine Klage geben, wenn sie sowas stattgeben. Ok es ist schlimm, dass sie jemanden verloren haben. Auf der ganzen Welt sind Millionen Toten zu verklagen. Aber so einfach jemandem drauflos verklagen finde ich schon zu einfach.

Tigre.di.montana
11 Tage 2 h

Die österreichischen Behörden vor Ort hatten alles getan den Ausbruch zu vertuschen. Seltsam wenn man es hier anders sieht als im Rest der Welt.

DontbealooserbeaSchmuser
11 Tage 2 h

Es war schon Monate vor den Fällen in den Nachrichten zu hören, dass das Virus gefährlich ist und auch zu uns kommen kann.
Dir Herrschaften hätten problemlos auf ihren Urlaub verzichten können, die Klagen sind ein Witz.
Ansonsten verklage ich auch das Land, wenn ich am Berg vom Blitz getroffen werde.

Dolomiticus
Dolomiticus
Superredner
10 Tage 23 h

Was ist eigentlich aus der Anzeige des Cortineser Hoteliers gegen die Volksrepublik China wegen Verursachung der Pandemie geworden? Haben die überhaupt den Empfang der Gerichtszustellung bestätigt? 🙁

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