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Erstmals Atmosphäre um erdgroßen Planeten nachgewiesen

Freitag, 07. April 2017 | 14:41 Uhr

Wissenschafter haben erstmals eine Atmosphäre bei einem etwa erdgroßen Planeten außerhalb des Sonnensystems nachgewiesen. Die Entdeckung sei ein “wichtiger Schritt” bei der Suche nach außerirdischem Leben, schrieben die Forscher bei der Veröffentlichung der neuen Erkenntnisse im “Astronomical Journal”.

Nach Angaben des Heidelberger Max-Planck-Instituts für Astronomie (MPIA) wurde die Atmosphäre bei einer sogenannte Supererde mit besonders niedriger Masse nachgewiesen. Der 39 Lichtjahre entfernte Planet mit der Bezeichnung GJ 1132b besitzt demnach 1,6 Erdmassen und einen Radius von 1,4 Erdradien. Damit ist der bereits 2015 entdeckte Planet, der einen roten Zwergstern im südlichen Sternbild Segel des Schiffs umkreist, in puncto Größe und Masse unserem Heimatplaneten sehr ähnlich.

Für Leben in der uns bekannten Form ist es auf GJ 1132b allerdings zu heiß – die Temperatur auf seiner Oberfläche beträgt mehr als 250 Grad Celsius. Die nun nachgewiesene Existenz seiner Atmosphäre nährt jedoch bei den Wissenschaftern die Hoffnung, bald auch bei anderen erdähnlichen und lebensfreundlicheren Planeten entsprechende Entdeckungen zu machen.

Der Nachweis der Atmosphäre von GJ 1132b gelang den Forschern mit Instrumenten der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile. Dabei nutzten sie den Umstand, dass es sich bei dem Himmelskörper um einen sogenannten Transitplaneten handelt: Aus der Perspektive irdischer Beobachter zieht er alle 1,6 Tage direkt vor seinem Heimatstern vorbei und schattet dabei einen kleinen Teil von dessen Sternlicht ab.

Den Forschern gelang nun der Nachweis von winzigen Helligkeitsänderungen, die beim Vorbeiziehen des Planeten samt Atmosphäre vor seinem Heimatstern entstehen. Dazu beobachtete das Astronomenteam laut MPIA den Planeten gleichzeitig durch sieben verschiedene Filter.

Der Nachweis seiner Atmosphäre macht GJ 1132b nun zu einem lohnenden Ziel für weitere Untersuchungen – beispielsweise mit dem Weltraumteleskop Hubble, dem Very Large Telescope der ESO in Chile und dem James-Webb-Weltraumteleskop, das 2018 seinen Beobachtungsbetrieb aufnehmen soll.

Die aktuelle Strategie der Astronomen bei der Suche nach Leben auf fernen Planeten sieht vor, die chemische Zusammensetzung der Planetenatmosphäre zu bestimmen. Dabei wollen die Forscher laut MPIA nach Störungen des chemischen Gleichgewichts suchen, die sich nur durch die Existenz lebender Organismen erklären lassen. Im Falle unserer Erde wäre das Übermaß an Sauerstoff in unserer Atmosphäre eine solche Spur.

Von: APA/ag.