Allerdings einige "importierte" Fälle

Erstmals keine inländischen Corona-Neuinfektionen in China

Donnerstag, 19. März 2020 | 12:17 Uhr

Zum ersten Mal seit dem Ausbruch des neuartigen Coronavirus hat China landesweit keine lokalen Neuinfektionen mehr gemeldet. Stimmen diese Angaben, wäre das ein großer Erfolg, der darauf hindeuten könnte, dass die strengen Abschottungsmaßnahmen in der Volksrepublik funktioniert haben.

Inwieweit die offizielle Statistik die wahre Lage widerspiegelt und wie hoch die Dunkelziffer ist, ist jedoch unklar. So hatte China mehrfach mit Änderungen bei der Zählweise der Infektionen für Verwirrung bei internationalen Beobachtern gesorgt. Ein Epidemiologe, der die Plausibilität der chinesischen Angaben einschätzen kann, war zunächst nicht zu erreichen.

Die Glaubwürdigkeit der Behörden hatte auch durch massive Vertuschungsversuche gelitten. Für landesweite Bestürzung und Anteilnahme hatte so der Tod des Arztes Li Wenliang gesorgt, der früh vor dem Ausbruch einer neuartigen Lungenkrankheit gewarnt hatte, aber laut Berichten gezwungen wurde, diese “Gerüchte” nicht weiter zu verbreiten. Der 34-Jährige starb, weil er selbst an Covid-19 erkrankte. Zudem hatte das renommierte chinesische Wirtschaftsmagazin “Caixin” berichtet, dass Proben des Virus bereits im Dezember gezielt vernichtet worden seien. Obwohl anfangs also wertvolle Zeit verloren ging, loben Wissenschafter die später getroffenen Maßnahmen.

Chinas Führung hatte Ende Jänner damit begonnen, etwa 60 Millionen Menschen in der besonders schwer betroffen Provinz Hubei faktisch unter Zwangsquarantäne zu stellen. In der Millionenmetropole Wuhan, wo das Virus ursprünglich ausgebrochen war, dürfen die meisten Menschen schon seit Wochen nicht mehr auf die Straße. Auch im Rest des Landes wurde das öffentliche Leben stark eingeschränkt.

Auch wenn es laut den offiziellen Angaben keine lokalen Neuinfektionen mehr geben soll, stieg die Zahl der Infizierten, die aus dem Ausland zurück in die Volksrepublik kamen – was Ängste vor einer möglichen zweiten Ausbreitungswelle schürt. Wie die Pekinger Gesundheitskommission am Donnerstag mitteilte, wurden 34 neue “importiere Fälle” registriert.

Chinas Präsident Xi Jinping hatte am Mittwoch davor gewarnt, dass die Viruskontrolle und die wirtschaftliche Entwicklung vor dem Hintergrund des sich verschärfenden globalen Ausbruchs weiterhin eine “Herausforderung” bleibe. Bei einer Sitzung des Ständigen Ausschusses des Politbüros forderte der Staatschef die Menschen dazu auf, wachsam zu bleiben und “unermüdliche Anstrengungen” bei der Prävention und Bekämpfung der Epidemie zu unternehmen.

China beklagt täglich noch immer neue Todesfälle. Am Donnerstag kamen acht Tote hinzu, womit die Gesamtzahl der Opfer auf 3.245 Fälle stieg. Insgesamt wurden auf dem chinesischen Festland 80.928 Infizierte registriert, von denen sich mehr als 66.000 wieder erholt haben.

Südkorea verzeichnete am Donnerstag einen sprunghaften Anstieg an neuen Fällen. Die Zentren zur Krankheits- und Seuchenkontrolle (KCDC) melden 152 neue Fälle, womit die Gesamtzahl auf 8.565 steigt. Das Land hatte bis Mittwoch vier Tage in Folge weniger als 100 Neuinfektionen registriert.

Unterdessen häufen sich die Coronavirus-Fälle allmählich auch in Lateinamerika und der Karibik. Sowohl die Inselstaaten Jamaika und Kuba als auch das mittelamerikanische Costa Rica meldeten am Mittwoch jeweils einen ersten Todesfall infolge einer Covid-19-Erkrankung. Zudem bestätigte die Dominikanische Republik ein neues Todesopfer. Damit stieg die bisherige Bilanz der Todesfälle in dem Karibikstaat auf zwei. In ganz Lateinamerika hat es bisher mindestens 13 bestätigte Todesfälle in insgesamt acht Ländern gegeben.

Zum ersten Mal wurde auch ein US-Abgeordneter infiziert und zwar nach eigenen Angaben Mario Diaz-Balart. Der 58-jährige Kongressabgeordnete sagt, er habe am Samstagabend Fieber und Kopfschmerzen entwickelt und sei “vor kurzem” darüber informiert worden, dass er positiv getestet worden sei. Ihm ginge es bereits besser.

Da in den USA die Coronavirus-Fälle weiter steigen, setzte US-Präsident Donald Trump ein vom Kongress beschlossenes milliardenschweres Hilfspaket in Kraft, mit dem die Folgen der Epidemie abgefedert werden sollen. Trump unterschrieb das Gesetz am Mittwochabend. Die darin vorgesehenen Maßnahmen sollen rund 100 Milliarden US-Dollar (91,06 Mrd. Euro) kosten. Mit dem Hilfspaket wird unter anderem die in den USA nicht landesweit gesetzlich vorgeschriebene Lohnfortzahlung im Krankheitsfall ausgeweitet. Zudem werden die Kostenübernahme von Tests auf eine mögliche Ansteckung mit dem Coronavirus garantiert und Zahlungen für Arbeitslose und Lebensmittelhilfen ausgeweitet.

Australien und Neuseeland schlossen unterdessen ihre Grenzen. Das kündigten am Donnerstag der australische Premierminister Scott Morrison und die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern an. Ausgenommen von dem Einreiseverbot seien in beiden Ländern lediglich die eigenen Bürger, Menschen mit dauerhaftem Wohnsitz in ihren Ländern sowie deren enge Familienmitglieder.

In Argentinien werden zur Versorgung von mit dem Virus infizierten Patienten zehn neue Krankenhäuser gebaut. Acht Kliniken sollen in den Provinzen Buenos Aires, Chaco, Córdoba und Santa Fe errichtet werden, wie der Minister für öffentliches Bauwesen, Gabriel Katopodis, am Mittwoch sagte.

Von: APA/ag.