Die Erzdiözese nehme die Sache "sehr ernst", hieß es

Erzdiözese Wien mit neuem Missbrauchsvorwurf konfrontiert

Freitag, 04. Mai 2018 | 21:01 Uhr

Ein neuer Missbrauchsvorwurf beschäftigt die Erzdiözese Wien. Dabei geht es um eine Frau, die in den 1990er-Jahren nach einem mehrmonatigen Verhältnis mit einem Priester Zwillinge zur Welt gebracht hat, die dann zur Adoption freigegeben wurden. Nun gab die Frau an, der Geistliche sei damals übergriffig gewesen und die Freigabe ihrer Kinder sei nicht freiwillig geschehen.

Die Frau habe sich kürzlich mit den Vorwürfen an die Klasnic-Kommission gewandt, nun werde der gesamte Sachverhalt von der kirchlichen Ombudsstelle geprüft, berichtete die “Kathpress” am Freitag. Man nehme die Sache “sehr ernst”, wird die Erzdiözese zitiert.

Laut “Kathpress” ist der Kirche die Vorgeschichte bereits seit langem bekannt – wenn auch in einem anderen Licht: 1995 brachte die damals 18-jährige Frau Zwillinge zur Welt. Der Priester, mit dem sie noch als Minderjährige eine Beziehung hatte, wurde in seinen Funktionen belassen – unter der Bedingung, dass der Geistliche das Verhältnis nicht wieder aufleben lasse und seine Verantwortung gegenüber Mutter und Kindern wahrnehme. “Die Entscheidung fiel auch deshalb milde aus, weil den Umständen nach – die junge Frau hatte sich wiederholt heimlich aus eigener Initiative mit dem Priester getroffen – auf eine Freiwilligkeit der Beziehung geschlossen wurde, und damit auch keine Strafbarkeit nach staatlichem Recht gegeben war”, so die Erzdiözese. Der Priester habe die Auflagen auch erfüllt.

Die Frau stellt die Situation heute ganz anders dar, die Plattform Betroffener kirchlicher Gewalt erhebt zudem massive Vorwürfe. Demnach war die gebürtige Bulgarin damals ab dem 14. Lebensjahr in einem Schwesternkloster in Hollabrunn (NÖ) untergebracht gewesen. Dort sei der Geistliche schon bei der ersten Beichte übergriffig geworden und habe orale Befriedigung verlangt. Außerdem ist von frauenärztlichen Untersuchungen und möglichen Eizellenentnahmen die Rede.

Als die Frau dann schwanger wurde, sei sie von einer Nonne geschlagen worden, damit sie eine Fehlgeburt erleide, wird die Betroffene von der Plattform zitiert. Es sei zu einer Frühgeburt gekommen, die Zwillinge hätten aber überlebt. Kardinal Christoph Schönborn, der um Hilfe gebeten worden sei, habe angeblich gesagt, sie sei selbst schuld, da sie den Geistlichen verführt habe.

Ob es Konsequenzen für den Pfarrer, der inzwischen in Wien tätig ist, gibt, hänge vom Ergebnis der Untersuchung ab, zitierte die “Kathpress” den Pressesprecher der Erzdiözese Wien, Michael Prüller. Für den Priester spreche jedenfalls, dass es seither keine Vorwürfe im Zusammenhang mit Minderjährigen mehr gegeben habe. Man wisse heute, “dass bei Beziehungen mit Minderjährigen der Begriff der Freiwilligkeit sehr problematisch” sei.

Den Vorwurf der Frau, die Kirche habe sie zur Adoptionsfreigabe ihrer Kinder gezwungen, weißt die Erzdiözese entschieden zurück. Man sei hier nicht eingebunden gewesen, vielmehr habe die Frau u.a. auf Anraten des Jugendamts die Freigabe zugelassen.

Kardinal Christoph Schönborn versprach via “Kathpress”, alles daran zu setzen, “dass wir rasch und wirksam helfen”. Man habe bereits Kontakt mit der Betroffenen aufgenommen.

Die Erzdiözese Wien wies die schweren Vorwürfe klar zurück. Der betroffene Priester sei erst im April 1994 in die Erzdiözese Wien gekommen und könne erst danach im betroffenen Landesschulheim Dienst getan haben. Dies sei knapp vor dem 17. Geburtstag der Betroffenen gewesen, strafbare Handlungen hätten daher “zweifelsfrei nicht stattgefunden”.

Es gehe nicht darum, “die jedenfalls problematische Beziehung eines Priesters zu einer 17-Jährigen zu bagatellisieren, aber der suggerierte und nach österreichischem Recht strafbare Kindesmissbrauch durch den Priester hat zweifelsfrei nicht stattgefunden”, heißt es in einer Stellungnahme der Erzdiözese gegenüber der APA. Aufgrund der Zeitabfolge sei es “nachweislich falsch”, dass es bald nach dem Eintreffen des Mädchens im Jahr 1990 zu sexuellen Aggressionen durch den Priester gekommen sei – wie es die Plattform in ihrer Aussendung suggeriert habe, so die Erzdiözese.

Der Pressesprecher der Erzdiözese verweist in seiner Stellungnahme auch darauf, dass weder Jugendamt noch Bezirkshauptmannschaft eine Anzeige erstattet haben, “obwohl sie über alles informiert waren”. Auch das zeige, dass kein Verdacht auf eine strafbare Handlung vorgelegen habe.

Falsch sei unter anderem auch die Behauptung, dass Kardinal Christoph Schönborn der jungen Mutter nicht geholfen habe. Vielmehr habe er erwirkt, “dass der Priester seine Kinder anerkennt und seinen Unterhaltspflichten nachkommt, was für die junge Mutter sehr wichtig war”.

Von: apa

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