Mord an Barbara Rauch

Es war „psychologischer Terror“

Samstag, 09. Juli 2022 | 10:36 Uhr

Bozen/Eppan – Mit unzähligen Messerstichen hat Lukas Oberhauser am 9. März 2020 Barbara Rauch in Eppan getötet. In der Vergangenheit hatte er die 28-jährige Betreiberin eines Weinlokals gestalkt. Das Mitgefühl, das Barbara Rauch dem Täter gegenüber gezeigt hat, könnte ihr letztendlich zum Verhängnis geworden sein. Davon gehen die Richter aus.

Oberhauser ist in der ersten Instanz zu 26 Jahren Haft verurteilt worden. Drei Jahr soll er in einer geschlossenen Anstalt untergebracht werden. Nun liegt die Urteilsbegründung vor. Demnach war Oberhauser zum Tatzeitpunkt zwar zurechnungsfähig. Das Gericht erkannte aber an, dass der Angeklagte unter einer Persönlichkeitsstörung leidet, die seine Selbstkontrolle beeinträchtigt.

Den Richtern zufolge hatte der Täter eine wahre Fixierung auf Geschenke entwickelt. So dachte er, sich die Zuneigung und die Freundschaft von Barbara Rauch verdienen zu können. Auf diese Weise hielt er auch die Verbindung zu ihr aufrecht, die er auf „besessene Art pflegte“. Bei vielen Gelegenheiten ließ er laut Gericht allerdings auch sein „aggressives, perverses und flatterhaftes Gemüt“ mit einem tiefen Gefühl der Frustration durchsickern. Dieses Gefühl sei aufgrund seiner generell traurigen und unruhigen seelischen Verfassung entstanden.

In dieser Phase habe Barbara Rauch bemerkt, dass Lukas Oberhauser potentiell gefährlich werden könnte. Um sich vor diesem „psychologischen Terror“ zu schützen, brach sie die Gespräche auf WhatsApp, Instagram und Facebook ab. In ihrem Urteilsspruch bezeichneten die Richter Lukas Oberhauser als instabile Persönlichkeit, berichtet die italienische Tageszeitung Alto Adige.

Weil er Barbara Rauch nachstellte, war sie gezwungen, ihre tägliche Routine völlig neu zu gestalten. Gleichzeitig fürchtete sie um die eigene Unversehrtheit und um die ihrer Familie. Konkret wechselte sie ständig die Öffnungszeiten ihres Lokals. Außerdem beschritt niemals denselben Weg von ihrer Arbeit nach Hause. All das versetzte Barbara Rauch in einen dauerhaften Zustand der Angst.

Einem Gutachten zufolge trägt die Persönlichkeit des Angeklagten „narzisstische und obsessive Züge“. Den Richtern zufolge war Oberhauser Zurechnungsfähigkeit zum Tatzeitpunkt nicht eingeschränkt. In Anlehnung an ein Urteil des Kassationsgerichts können allerdings auch Persönlichkeitsstörungen als juristisch relevante Krankheit angesehen werden. Aus diesem Grund wurde eine teilweise Unzurechnungsfähigkeit als strafmildernder Faktor anerkannt.

Der Schadenersatz von 600.000 Euro, den der Angeklagte an die Hinterbliebenen entrichten muss, wurde zum Teil bereits von seinen Angehörigen bezahlt.

Von: mk

Bezirk: Überetsch/Unterland

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1 Kommentar auf "Es war „psychologischer Terror“"


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Mezcalito
Mezcalito
Superredner
29 Tage 13 h

“psychischer Terror” nicht “psychologischer Terror”

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