Tschechien hat eine der höchsten Infektionszahlen Europas

Europa mit Verschärfungen und Massentests gegen Coronavirus

Samstag, 07. November 2020 | 18:25 Uhr

Angesichts weiter steigender Corona-Zahlen haben mehrere europäische Länder ihre Schutzmaßnahmen gegen das Virus zum Teil drastisch verschärft. In Griechenland gilt seit Samstag ein dreiwöchiger Lockdown für das ganze Land mit einer nächtlichen Ausgangssperre. Polen verhängte weitere Einschränkungen. Litauen geht für zunächst drei Wochen in einen Teil-Lockdown. In Lettland gilt von Montag an der Corona-Notstand.

In Litauen erreichte die Zahl der Corona-Neuinfektionen am ersten Tag des Teillockdowns einen Höchststand. Die Gesundheitsbehörde in Vilnius vermeldete am Samstag 1972 positive Tests innerhalb von 24 Stunden in dem baltischen EU-Land. Bisher lag der Rekord bei 1656 neuen Fällen, verzeichnet Vortag. Angesichts der rasant steigenden Zahlen hat die litauische Regierung in Vilnius das gesamte Land seit Samstag für zunächst drei Wochen in einen Teillockdown geschickt.

In Italien wurde am Samstag der bisher höchste Tageswert an Neuinfektionen mit dem Coronavirus gemeldet. Laut Gesundheitsministerium gab es 39.811 neue Fälle binnen 24 Stunden. 425 Todesfälle wurden registriert, am Vortag waren es 446 gewesen. Insgesamt gab es seit Ausbruch der Pandemie 41.063 Corona-Tote, teilte das Gesundheitsministerium mit. Innerhalb von 24 Stunden wurden 231.673 Tests durchgeführt.

Die Zahl der bestätigten aktiven Fälle überschritt erstmals die 500.000-Schwelle, exakt auf 532.536. In Quarantäne befanden sich 504.793 Personen. Die Zahl der in Spitälern behandelten Covid-19-Patienten erhöhte sich gegenüber dem Vortag von 24.005 auf 25.109, teilte die italienische Behörde weiter mit. Auf den Intensivstationen lagen 2.634 Patienten

Mit dem Wochenende sind in Italien wegen der massiv steigenden Corona-Zahlen restriktive Maßnahmen in Kraft getreten. Seit Freitagabend ist eine nächtliche Ausgangssperre von 22.00 Uhr bis 5.00 Uhr sowie die Schließung von Einkaufszentren am Wochenende in Kraft. In vier Regionen – Lombardei, Piemont, Aostatal und Kalabrien – wurde ein “Lockdown light” mit Ausgangsverbot und Reisebeschränkungen verhängt. Geschäfte und Lokale mit Ausnahmen von Supermärkten, Apotheken, Zeitungskiosken und Trafiken müssen in diesen Regionen schließen. Die Regierung verabschiedete in der Nacht auf Samstag Stützungsmaßnahmen für die betroffenen Wirtschaftssektoren in Höhe von zwei Milliarden Euro.

In ganz Griechenland mussten am Samstag um 6.00 Uhr alle Geschäfte – außer Supermärkten, Apotheken und anderen lebenswichtigen Geschäften – schließen. Von 21.00 bis 5.00 Uhr gilt zudem eine nächtliche Ausgangssperre. Wer tagsüber einkaufen oder zum Arzt gehen will, muss die Behörden per SMS informieren. Überall gilt Maskenpflicht.

Auch in Polen sind seit Samstag angesichts der drastisch steigenden Zahl von Neuinfektionen weitere Einschränkungen des öffentlichen Lebens in Kraft. Kinos, Theater und Museen sind erneut geschlossen – ebenso wie Geschäfte in Einkaufszentren, mit Ausnahme von Lebensmittelläden und Apotheken. Alle Schulen stellen auf Fernunterricht um. Die Auflagen sollen bis zum 29. November gelten.

Dänemark erlässt aus Sorge vor einer Ausbreitung einer bei Nerzen aufgetretenen Mutation des Coronavirus weitreichende Beschränkungen in der Region Nordjütland. In den Kommunen Hjorring, Frederikshavn, Bronderslev, Jammerbugt, Thisted, Vesthimmerland und Læso mussten Restaurants, Bars und andere Lokale schließen. In Dänemark haben sich seit Juni mindestens 214 Menschen mit der ursprünglich bei Nerzen aufgetretenen Coronavirus-Variante infiziert. Landesweit wurde SARSs-CoV-2 bis Freitag in 216 Zuchtanlagen gefunden. Der als besorgniserregend eingestufte Cluster-5-Virustyp wurde bisher in fünf Anlagen und bei zwölf Menschen festgestellt. Die dänische Regierung hat angeordnet, die etwa 15 Millionen Nerze im Land zu töten.

Die Slowakei setzt indes ihre landesweiten Massentests fort. Nach dem Plan der Regierung in Bratislava soll ein großer Teil der 5,5 Millionen Einwohner an diesem Wochenende ein zweites Mal einem Antigen-Schnelltest unterzogen werden. Dazu aufgerufen sind alle Bewohner zwischen zehn und 65 Jahren. Nur jene Landesteile, die in der ersten Runde sehr wenige Infektionen aufwiesen, müssen nicht mehr mitmachen. Die Teilnahme an der beispiellosen Aktion in der Slowakei ist zwar freiwillig. Ab Montag fallen aber alle, die kein negatives Testergebnis vorweisen können, unter eine rigorose Ausgangssperre. Nicht einmal der Weg zur Arbeit ist ihnen erlaubt.

In einer ersten Runde am vergangenen Wochenende hatten sich mehr als 3,6 Millionen Menschen auf das Coronavirus testen lassen. Mehr als 38.000 positiv Getestete, die die Infektion sonst unentdeckt weiterverbreitet hätten, seien in Quarantäne geschickt worden, erklärte Regierungschef Igor Matovic. Er will nun Corona-Massentests regelmäßig durchführen lassen. Das wäre eine Alternative zu einem strengen Lockdown, zitierte ihn die Zeitung “Dennik N” am Samstag.

In Tschechien verzeichnete das Gesundheitsministerium am Samstag 11.549 Neuinfektionen mit dem Coronavirus binnen 24 Stunden. Insgesamt sind damit 403.497 bisher Ansteckungsfälle nachgewiesen. Das Land, in dem 10,7 Millionen Menschen leben, wies in den vergangenen beiden Wochen in Europa die meisten Todesfälle gemessen an der Einwohnerzahl auf. Es starben bisher 4.330 Menschen an oder mit dem Virus. Tschechien hat auch eine der höchsten Infektionsraten in Europa.

Litauen geht für zunächst drei Wochen in einen Teil-Lockdown. Gastronomische Betriebe dürfen bis zum 29. November nur noch außer Haus verkaufen, Freizeit-, Kultur-, Unterhaltungs- und Sportstätten müssen weitestgehend dichtmachen und Veranstaltungen und Versammlungen an öffentlichen Orten sind untersagt. Weiter gilt eine Maskenpflicht in fast allen öffentlichen Räumen.

Lettland ruft wegen der Ausbreitung des Coronavirus bereits zum zweiten Mal den Notstand aus. Die Regierung in Riga erklärte am Freitag, der Ausnahmezustand solle vom 9. November bis 6. Dezember gelten. Gastronomische Betriebe dürfen damit ab Montag nur noch außer Haus verkaufen, Freizeit-, Unterhaltungs- und Sportstätten müssen ihre Türen weitgehend schließen und Veranstaltungen und Versammlungen an öffentlichen Orten sind untersagt. Bei privaten Veranstaltungen dürfen sich nur noch bis zu zehn Personen versammeln.

In Ungarn starben binnen 24 Stunden mit 107 so viele Menschen an oder mit dem Coronavirus wie noch nie. Insgesamt wurden bis Samstagmittag 2.357 Todesfälle seit Ausbruch der Pandemie verzeichnet. Immer mehr Corona-Infizierte müssten im Krankenhaus behandelt werden, derzeit 5.612. 405 Patienten brauchen Beatmungsgeräte.

Im stark von der Corona-Pandemie betroffenen Belgien wurden knapp 1.000 Covid-19-Patienten seit Anfang Oktober wegen Überlastung einiger Krankenhäuser in andere Kliniken verlegt. Die meisten der 945 Betroffenen seien andernorts im Land untergekommen, 24 seien nach Deutschland gebracht worden, berichtete die Nachrichtenagentur Belga am Samstag. Mit der Maßnahme sollte Platz in Krankenhäusern geschaffen werden, die ihre Kapazitätsgrenzen erreicht haben.

Belgien ist in Relation zur Einwohnerzahl europaweit eines der am schwersten von der Corona-Krise betroffenen Länder. Seit Montag gelten deshalb verschärfte Einschränkungen. Unter anderem dürfen nur noch Geschäfte öffnen, die unbedingt notwendige Waren verkaufen. Bereits Mitte Oktober waren die Schließung von Lokalen, Restaurants und Cafes sowie eine nächtliche Ausgangssperre beschlossen worden. Zudem gilt seitdem die Regel, dass die Bürger außerhalb des eigenen Haushalts nur noch zu einer anderer Person engeren Kontakt pflegen dürfen.

Die Maßnahmen sollen nach Angaben der Regierung zunächst bis Mitte Dezember gelten. Die Notwendigkeit der Geschäftsschließungen wird allerdings am 1. Dezember noch einmal geprüft. In dem Land mit rund 11,5 Millionen Einwohnern gibt es bisher rund 488.000 bestätigte Corona-Fälle, mehr als 12.000 Menschen starben.

Aus Deutschland wurden 23.399 Neuinfektionen gemeldet. Damit belief sich die Gesamtzahl auf mittlerweile 642.488 Fälle. Den Daten zufolgen starben weitere 130 Menschen an oder mit dem Virus, insgesamt 11.226. Am Freitag waren erstmals mehr als 20.000 Neuinfektionen an einem Tag verzeichnet worden.

Indien registrierte 50.356 Corona-Neuinfektionen. Damit wuchs die Gesamtzahl der Ansteckungen binnen 24 Stunden auf 8,46 Millionen, wie das Gesundheitsministerium mitteilte. Die Zahl der Todesfälle erhöhte sich um 577 auf 125.562. Indien weist nach den USA weltweit die zweitmeisten bestätigten Ansteckungen auf, verzeichnet aber seit September einen Abwärtstrend bei den Neuinfektionen.

Unterdessen verzeichneten die USA nach aktualisierten Daten mit mindestens 129.606 Corona-Neuinfektionen den dritten Tag in Folge einen Rekordwert. Damit kletterte die Gesamtzahl der Ansteckungen auf 9,78 Millionen, wie eine Erhebung auf Basis offizieller Daten ergab. Die Zahl der Todesfälle nach einer Infektion erhöhte sich um mindestens 1.219 auf 236.250. Wie rasant das Virus sich landesweit ausbreitet, zeigt, dass allein 20 der 50 Bundesstaaten einen neuen Höchstwert meldeten. Die USA sind das am stärksten von der Pandemie betroffene Land weltweit.

Von: APA/dpa/ag.

Kommentare

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2 Kommentare auf "Europa mit Verschärfungen und Massentests gegen Coronavirus"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Mezcalito
Mezcalito
Superredner
16 Tage 3 h

Massentests sind der grösste Blödsinn. Momentaufnahme, mehr nicht.

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Superredner
16 Tage 10 h

So, mir reicht´s.
Ich trete eine Geologie-Exkursion zum Schicksalsberg in Gondor an. Laut BAfmW (Bundesamt für magische Wesen) coronafrei und
“Der etwa 1300 m hohe Schicksalsberg,
Heimat einer bekannten Ringschmiede, ist über seine Nordseite gut zu
erklimmen. Allerdings gehört der Schicksalsberg zu den Vulkanen vom Typ gemischte effusive und
ejektive Tätigkeit, was eine Vor-Ort-Beobachtung gelegentlich schwierig macht.
Jedoch möchte die zuständige Regierung von Gondor Wissenschaftler einladen, den Schicksalberg zu
vermessen und Beobachtungsgeräte zu installieren, um künftige Eruptionen besser
vorhersagen zu können.
Achtung! Es besteht ein absolutes Verbot handwerklicher Tätigkeiten am
Schicksalsberg, insbesondere das Schmieden von Ringen wird streng geahndet.”
https://bundesamt-magische-wesen.de/keine-reisewarnung-fuer-mittelerde-gondor-ist-coronafrei/

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