Der Angeklagte bestritt die Vorwürfe vehement

Familienvater vom Missbrauchsvorwurf freigesprochen

Dienstag, 22. Mai 2018 | 14:31 Uhr

Ein sechsfacher Familienvater ist am frühen Dienstagnachmittag vom Vorwurf, seine älteste Tochter ab ihrem fünften Lebensjahr missbraucht zu haben, freigesprochen worden. Das nicht rechtskräftige Urteil erfolgte im Zweifel. Das Kind habe sich in seiner Einvernahme wiederholt widersprochen, sagte Richterin Elisabeth Reich in ihrer Urteilsbegründung.

Das Mädchen gab an, bei Besuchen bei ihrem Vater in der Nacht von diesem aus dem Stockbett gehoben und ins Badezimmer getragen worden zu sein. Dort soll es zu den Übergriffen gekommen sein. Der bisher unbescholtene 34-Jährige bestritt die Vorwürfe des schweren sexuellen Missbrauchs von Unmündigen und des Missbrauchs eines Autoritätsverhältnisses vehement. Er gab an, dass das Mädchen diese Behauptungen “aus Eifersucht” aufgestellt habe, weil er sich von der Kindesmutter getrennt und eine neue Familie gegründet habe.

Als sich der Arbeiter 2008 von der Mutter seiner beiden ältesten Kinder scheiden ließ, zog er vorübergehend zu seiner Mutter. Ein Jahr lang habe er seine Tochter und seinen Sohn daraufhin nicht gesehen. “Ich hab Abstand gesucht”, meinte der 34-Jährige zur Schöffensenatsvorsitzenden Reich. Erst ab 2009 gab es regelmäßige Wochenendbesuche der Kinder bei ihrem Vater. Da hätte es nie zu Übergriffen kommen können, ohne dass der kleine Bruder etwas mitbekommen habe. Auch im Badezimmer sei es nicht zu den inkriminierten Tathandlungen gekommen. “Ich habe die Kinder nicht gebadet”, sagte der Angeklagte. “Drei Tage nicht?”, fragte Richterin Reich. “Nein, sie wurden erst wieder gewaschen, wenn sie zu Hause waren. Wenn sie sich dreckig gemacht haben, hab’ ich sie mit einem Waschlappen abgewischt.”

Dass die Kinder – vor allem das Mädchen – ungewaschen nach dem Wochenendbesuch beim Vater nach Hause kamen, bestätigte auch die Kindesmutter. “Ich hab sie immer gleich unter die Dusche gestellt”, sagte die 30-Jährige. Sie habe auch geglaubt, dass ihre Tochter ein gutes Verhältnis zu ihrem Vater hatte. Probleme gab es, als das Mädchen zwölf Jahre alt wurde. “Ich hab’ gedacht, das ist die Pubertät”, meinte sie.

Nachdem der Vater mit der neuen Frau Kinder bekam, hätte sich die älteste Tochter verändert. “Bei jedem Kind war etwas”, sagte die Stiefmutter. Nach der Geburt des ersten Kindes hätte das Mädchen behauptet, sie bekäme kein Essen mehr, beim zweiten meinte sie, dass gar nichts mehr gemeinsam unternommen werde, und beim dritten Geschwisterchen beklagte sie sich, dass sie von der Stiefmutter geschlagen werde. “Und beim vierten Kind?”, fragte Richterin Reich. “Beim letzten Kind kam das jetzt”, sagte die 28-Jährige und meinte den Vorwurf des Missbrauchs.

Dabei hätte das Mädchen seit knapp vier Jahren den Wunsch geäußert, beim Vater leben zu wollen. Der Grund war, dass die neue Lebensgefährtin der Mutter so grausam sei, meinte die Stiefmutter. “Sie ist gern zu uns gekommen.”

Ende vergangenen Jahres bemerkte die Mutter, dass sich das Mädchen an den Armen ritzte. Sie sprach ihren Ex-Mann an, dass er mit dem Kind reden sollte, sagte er vor Gericht. “Ich war sicherlich nicht sehr einfühlsam bei dem Gespräch. Ich hab’ gesagt, dass das nur dumme Leute tun. Und wenn sie nicht damit aufhört, lass ich sie in die Geschlossene einweisen.” Das hätte das Kind nur “witzig gefunden”.

Anfang 2018 berichtete die mittlerweile 13-Jährige erstmals von dem angeblichen Missbrauch, zunächst schrieb sie einen Brief, wenig später vertraute sie sich zuerst ihrer Tante und dann ihrer Mutter an. “Ich hab’ von den Gerüchten gehört. Ich hab’ dann das Kind nicht mehr geholt, ich wollte Abstand”, sagte der Beschuldigte, der im März in Haft genommen wurde. Er habe geglaubt, er habe ein gutes Verhältnis zu seiner Tochter. Als er von den Anschuldigungen hörte – “was glauben Sie, wie fühlt man sich als Vater?”, fragte er die Richterin.

Von: apa

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