Amitraz-Spuren

Fipronil: Weiterer Giftstoff in Desinfektionsmittel entdeckt

Freitag, 18. August 2017 | 16:05 Uhr

Im Skandal um mit Fipronil verseuchte Hühnereier ist einem Bericht zufolge von belgischen Behörden ein weiterer gefährlicher Wirkstoff in der Desinfektionslösung Dega 16 gefunden worden. Es handle sich um das Pestizid Amitraz, berichtete das Magazin “Der Spiegel” am Freitag unter Berufung auf einen vertraulichen Lagebericht des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL).

Die Behörden stießen demnach bei der Untersuchung von sichergestellten Kanistern mit dem Desinfektionsmittel Dega 16 auf Amitraz-Spuren. Den Fund meldeten die Belgier dem “Spiegel” zufolge bereits im Juli über das europäische Lebensmittel-Schnellwarnsystem an die übrigen EU-Staaten.

Amitraz ist ein Gift, das zum Beispiel bei Hunden gegen Insekten und Milben eingesetzt wird. Als Pflanzenschutzmittel ist es seit 2008 EU-weit nicht mehr zugelassen, bei Menschen kann Amitraz zu Sprachstörungen, niedrigem Blutdruck und Desorientierung führen. Ob und inwieweit das Gift in die Eier gelangte, werde derzeit offenbar noch geprüft, berichtet der “Spiegel”.

Die belgische Lebensmittelaufsicht bestätigte laut “Spiegel” Amitraz-Funde in zwei Proben der Desinfektionslösung. Für Konsumenten habe jedoch “zu keinem Moment eine Gefährdung” bestanden, sagte ein Sprecher der Aufsichtsbehörde dem “Spiegel”.

Nach Angaben des BVL nehme die niederländische Verbraucherschutzbehörde NVWA entsprechende Untersuchungen vor, habe aber “bis jetzt nichts gefunden”, berichtete das Magazin weiter. Die NVWA ließ eine Anfrage bis Redaktionsschluss unbeantwortet. In Deutschland gab es offenbar noch keine größere Überprüfung auf Amitraz.

In den Niederlanden sitzen zwei Chefs eines Stallreinigungsbetriebs in Untersuchungshaft, der Dega 16 in vielen Hühnerställen versprühte.

Der Skandal hat seinen Ursprung in Belgien und den Niederlanden. Die belgische Firma Poultry-Vision lieferte ein mit der Chemikalie Fipronil gepanschtes Desinfektionsmittel an die niederländische Reinigungsfirma Chickfriend, die es anschließend offenbar in den Ställen von Legehennen einsetzte.

Bis Freitag wurden in 18 EU-Ländern sowie in Nicht-EU-Staaten wie der Schweiz, dem Libanon und Hongkong Fipronil-Funde in Eiern und Ei-Produkten bekannt. Nun soll das Thema auch beim EU-Agrarministertreffen am 5. September eine Rolle spielen. Funde in Südkorea sollen ohne Bezug zu den Fällen in Europa sein.

Unter den betroffenen EU-Staaten befindet sich auch Österreich. Die estnische Ratspräsidentschaft dürfte die Tagesordnung für die Beratungen der Agrarminister am 5. September entsprechend geändert.

Von: APA/ag.