Der chinesische Forscher He Jiankui stellte sich den Fragen

Forscher verteidigt Gen-Experimente an Babys

Mittwoch, 28. November 2018 | 12:57 Uhr

Angesichts scharfer weltweiter Kritik hat der chinesische Forscher He Jiankui seine Arbeit verteidigt, die zur Geburt der weltweit ersten genetisch veränderten Babys geführt haben soll. Die Wissenschaft müsse mehr tun, um Menschen mit Krankheiten zu helfen, sagt He am Mittwoch auf einem Genomforscher-Kongress in Hongkong, bei dem er sich den Fragen aufgebrachter internationaler Experten stellte.

He zufolge trägt eine weitere Frau ein Kind mit Änderungen am Erbgut aus. Im Rahmen seiner Forschung sei eine weitere Freiwillige mit einem genetisch veränderten Baby schwanger, so der Genetiker. Seine Studie habe ursprünglich acht Paare umfasst, von denen eines aber ausgestiegen sei. Voraussetzung für die Teilnahme sei gewesen, dass der Vater HIV-positiv und die Mutter HIV-negativ getestet seien. Der DNA-Eingriff soll nach Angaben Hes die Kinder resistent gegen Aids machen.

Nach der weltweiten Empörung über die Experimente setzte He seine Experimente aus. Die klinischen Versuche seien “aufgrund der aktuellen Situation” gestoppt worden, sagte He. Dennoch verteidigte er seine Arbeit gegen die geäußerte Kritik. “Dieser Fall erfüllt mich mit Stolz, mit ganz besonderem Stolz”, sagte er auf der Konferenz.

He, Professor an einer Universität in Shenzhen, sagte, er habe die Studie einem Wissenschaftsjournal zur Prüfung vorgelegt. Seine Universität habe davon keine Kenntnis gehabt. Weitere Angaben machte der Forscher nicht. Seine Arbeit sei eigenfinanziert gewesen.

Der chinesische Wissenschafter hat laut in dieser Woche auf YouTube veröffentlichten Videos die als Genschere bekannte Technik Crispr/Cas angewandt, um das Erbgut der in diesem Monat geborenen Zwillings-Mädchen zu verändern. Die Methode ermöglicht es Wissenschaftern, DNA gezielt zu schneiden und zu verändern. Gene können eingefügt, entfernt oder ausgeschaltet werden. Die Forschung zielt darauf ab, genetische Veranlagungen für Krankheiten einmal ausschalten zu können. Allerdings bestehen auch ethische Bedenken gegen die Methode.

He gab in den veröffentlichten Videos an, die Zwillinge mit den Namen Lulu und Nana seien “so gesund wie jedes andere Baby”. Die beiden Neugeborenen sollen bis zum 18. Lebensjahr überwacht werden. He betonte weiter, seine Ergebnisse könnten für Millionen Menschen mit angeborenen Erkrankungen genutzt werden.

Nach Bekanntwerden der Geburt der Babys haben mehr als 100 Wissenschafter den Einsatz der Genschere an menschlichen Embryonen scharf kritisiert. “Die Büchse der Pandora wurde geöffnet”, hieß es in einem am Dienstag veröffentlichten Brief, den vor allem Wissenschafter aus China unterzeichnet hatten. Der Einsatz am menschlichen Erbgut sei gefährlich und nicht zu begründen. Auch die chinesische Regierung verurteilte das Vorgehen.

Von: APA/dpa

Kommentare

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16 Kommentare auf "Forscher verteidigt Gen-Experimente an Babys"


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denkbar
denkbar
Kinig
16 Tage 1 h

Solche Versuche sind absolut skurpellos, zumal die Risiken des Eingriffs nicht abschätzbar sind und damit gesunde Kinder und deren Nachkommen einem unnötigen Risiko ausgesetzt werden. Man bedenke, alle Nachkommen sind von der Veränderung betroffen, auch betroffen wenn sie daneben geht.
Ich bezweifle, dass die Eltern dieser Babys verstanden haben auf was sie sich einlassen.

idenk
idenk
Tratscher
16 Tage 24 Min

Verstehe deine Argumente/Bedenken ☝️
Abwarten, die Zeit wird uns belehren 🤔
Find an und für sich, die Gedanken und die Möglichkeiten dahinter nicht schlecht.
Das wäre ein Quanten Sprung in Medizin und Forschung, für alle dann hoffentlich ☝️
Die Frage stellt sich dann natürlich, wie und für was der Mensch das noch benutzen wird…..🤔

ma che
ma che
Tratscher
16 Tage 18 Min

Also hätten die Eltern lieber ein HIV infiziertes Baby zur Welt bringen sollen?
Nur kurz zur Erinnerung: der Vater ist HIV Positiv!

Sag mal
Sag mal
Kinig
15 Tage 23 h

@ma che mit der Erkrankung hätt ich kein Kind mehr gezeugt.Wenn Gentechnik sinnvoll eingesetzt würde…Aber der Mensch muss mit Allem schindluder treiben und Wird es missbrauchen .

denkbar
denkbar
Kinig
15 Tage 22 h

@ma che . Das sind GESUNDE Embryonen, nicht HIV-Infizierte. Es ging ihm nicht darum Kranke Embryonen zu heilen, sondern sie sozusagen impfen, damit sie HIV nie bekommen können.

Pacha
Pacha
Grünschnabel
15 Tage 22 h

@denkbar…..sich bei diesem Thema zu empören finde ich schon eigenartig, wenn man bedenkt was Montags im Regionalkrankenhaus passiert

denkbar
denkbar
Kinig
15 Tage 22 h

@ma che . Wenn ein Elternteil HIV-Infiziert ist, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die Kinder es nicht sind und falls doch, kann man heute das schon recht gut behandeln. Was das Experiment bringt, weiß man allerdings nicht und deshalb ist es aus ethischer Sicht abzulehnen. Experimente deren Risiken nicht bekannt sind, sollten nicht an Menschen gemacht werden, darin ist sich auch die überwiegende Mehrheit der Wissenschaftler einig. Man muss nämlich immer weiterdenken wo das hinführt, wenn man so etwas ohne bedenken zulässt. Was ist der nächste Schritt dann.

m69
m69
Kinig
15 Tage 21 h

@denkbar 

LOL! 😉

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
16 Tage 1 h
Man muss zugestehen, dass er nicht ganz unrecht hat. Menschliche Körper sind mittlerweile so komplex, dass sie mit der Entwicklung kleinerer Organismen auf natürliche Art und Weise nicht Schritt halten können. Neben unzähligen neuen Krankheiten und resistenten Viren und Bakterien machen uns immer öfter Gendefekte zu schaffen. Früher traten sie nur vereinzelt auf, solche Menschen starben einfach, heute leben sie dank moderner Medizin, haben aber oft einen langen Leidensweg vor sich. EDS-Kinder, die nichts schlucken können, keine Zähne, kaum Muskeln und lohse Gelenke haben, haben kein einfaches Leben. Wenn solche Problemen eines Tages dank Gentechnik beseitigt werden können, hab ich… Weiterlesen »
Clemmy
Clemmy
Grünschnabel
16 Tage 23 Min
Schwieriges Thema, wenn man die Moral sprechen lässt. Ich stimme dir aber vollkommen zu. Wenn wir nicht möchten, dass Gendefekte weitervererbt werden, dann gibt es nicht so viele Wege die zu diesem Ziel führen… Entweder verbietet man Paaren die einen Gendefekt aufweisen und diesen weitervererben würden, Kinder in die Welt zu setzen (auch hier wieder die moralische Frage ob das zulässig wäre) oder man experimentiert auf Kosten von anderen Menschen, wie es hier der Fall war. Ich glaube, dass diese Art von Eingriffen große Chancen für die Menschheit bieten, aber auch hier gibt es wieder die mögliche unschöne Kehrseite. Es… Weiterlesen »
ma che
ma che
Tratscher
16 Tage 12 Min

Im Mittelalter war es verpönt Menschen aufzuschneiden. Heute nennt man das Chirurgie und wir sehen es als selbstverständlich an, denn es rettet täglich tausende von Menschenleben.

Das hier ist der nächste Schritt der Medizin: Mit dieser Methode könnte man Krankheiten komplett veschwinden lassen: Diabetes, Krebs usw.

Ja klar, irgendwo muss mal jemand als Testperson herhalten, das ist bei jedem Eingriff oder Medikament auch so.

Martha
Martha
Tratscher
16 Tage 48 Min

ein Traummann wäre die Sache !!!!

idenk
idenk
Tratscher
16 Tage 1 h

Hmmm bin sehr gespannt, wo und wie weit sich, diese Art der Forschung, weiter entwickeln lässt und uns neue Türen, Möglichkeiten eröffnen…..🤔

schreibt...
schreibt...
Tratscher
15 Tage 21 h

Man ist soweit, nun eine Superrasse zu züchten.

Neumi
Neumi
Universalgelehrter
15 Tage 14 h

Man muss schon fragen, was so schlimm daran wäre, wenn die Menschheit “super”, also besser als bisher würde. Momentan sind wir nur normal.

Und nein, man ist noch lange nicht so weit, es ist erst ein kleiner Teil der Gene erforscht und noch viel weniger können gezielt verändert werden.

oha
oha
Grünschnabel
15 Tage 21 h

es werden ja keine Superhelden oder Monster geschaffen.. es wird einfach Menschen mit chronische Krankheiten geholfen.. dass die Massenherstellung von Waffen unethisch ist wird kaum diskutiert

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