Das Verbot tritt am Freitag in Kraft

Frankreich verbietet mehrere Brustimplantate wegen Krebs

Donnerstag, 04. April 2019 | 15:50 Uhr

Frankreich hat mehrere Modelle von Brustimplantaten verboten, weil diese im Verdacht stehen, eine seltene Form von Krebs zu begünstigen. Betroffen sind nach Angaben der nationalen Gesundheitsbehörde ANSM die Produkte von sechs Herstellern, ihre Implantate dürfen nicht mehr angeboten werden. Das Verbot tritt am Freitag in Kraft.

Die verbotenen Prothesen machen nach den Worten von ANSM-Vertreterin Christelle Ratignier-Carbonneil derzeit knapp 30 Prozent der gesamten in Frankreich vermarkteten Brustimplantate aus. Dabei gehe es um Implantate mit einer “texturierten, rauen” Oberfläche. Eine Empfehlung an Trägerinnen der betroffenen Produkte, ihre Implantate entfernen zu lassen, sprach die Behörde nicht aus.

Mit dem Verbot zieht die Gesundheitsbehörde die Konsequenz aus einer “bedeutenden Zunahme” der Fälle von anaplastischem großzelligen Lymphom (ALCL) im Zusammenhang mit Brustimplantaten seit dem Jahr 2011. Seit diesem Jahr seien unter den rund 500.000 Trägerinnen von Brustimplantaten in Frankreich 56 Fälle dieser seltenen, aber aggressiven Krebsform registriert worden, erklärte die Behörde. Quasi alle betroffenen Frauen trugen Prothesen mit einer rauen Oberfläche. Drei der Betroffenen starben inzwischen.

Das Verbot bezieht sich auf Implantate des US-Unternehmens Allergan unter dem Handelsnamen Biocell sowie um Produkte der Hersteller Arion, Sebbin, Nagor, Eurosilicone und Polytech.

Der Gründer des durch einen Skandal um minderwertige Brustimplantate bekannt gewordenen Unternehmens PIP, Jean-Claude Mas, starb indes im Alter von 79 Jahren. Mas sei nach den Worten seiner Lebensgefährtin Donnerstagfrüh in einem Krankenhaus gestorben, sagte sein Anwalt Yves Haddad in Frankreich. PIP hatte über Jahre Hunderttausende minderwertige Brustimplantate vertrieben, die mit billigem Industrie-Silikon statt mit Spezial-Silikon gefüllt waren. Diese Polster reißen leichter und können Entzündungen auslösen. Weltweit wurden schätzungsweise rund 300.000 Frauen Implantate der Firma Poly Implant Prothese (PIP) eingesetzt. In Österreich vertritt der Verein für Konsumenteninformation (VKI) rund 70 Betroffene.

Von: APA/ag.