Er ist gebürtiger Südtiroler

Früherer SOS-Kinderdorf-Präsident Kutin feiert 75. Geburtstag

Montag, 03. Oktober 2016 | 13:15 Uhr

Der frühere SOS-Kinderdorf-Präsident Helmut Kutin feiert morgen, Dienstag, seinen 75. Geburtstag. Getrübt ist sein halbrundes Jubiläum durch die jüngste Evakuierung des Kinderdorfes in Damaskus. Entsprechende Medienberichte bestätigte Kutin in einem Interview mit dem “Kurier” (Montagsausgabe). Kurz nach der Evakuierung hätten Granaten im Kinderdorf eingeschlagen, jetzt sei es vom Militär besetzt.

“So etwas trifft mich noch immer sehr hart”, zeigte sich Kutin betroffen. In seiner 49-jährigen Tätigkeit für SOS Kinderdorf sei das zuvor fünfmal vorgekommen. Die Situation in Syrien erinnere ihn an Ruanda, wo es in den 1990er-Jahren ebenfalls ein so “hemmungsloses Dahinschlachten nach Volkszugehörigkeiten oder Religion” gegeben habe. “Und es trifft immer die Ärmsten im Land”, beklagte der gebürtige Südtiroler: “Die können nicht weg.”

Syriens Präsidenten Baschar al Assad habe er früher als einen “offenen, feinen Menschen und Arzt” kennengelernt, der “bescheiden im Auftreten” gewesen sei. “Ich weiß nicht, was ihn verändert hat, seine Brüder spielen da sicher eine Rolle. Und wer eine gewisse Linie überschreitet, kann nicht mehr aufgeben. Dafür ist Assad viel zu weit gegangen”, meinte Kutin zum “Kurier”.

Er habe schon viel zu oft erlebt, wie das Wort Frieden missbraucht wurde. “Propaganda, großartige Aussagen, im Endeffekt nichts dahinter. Statt Schritt für Schritt jeden Tag ein bisschen Licht in die Welt zu bringen”, erklärte Kutin und ergänzte: “Man rettet die Welt nur im Kleinen. Wenn es uns gelingt, in unseren Kinderdörfern selber Frieden zu haben, haben wir schon Gewaltiges erreicht”.

Helmut Kutin wurde am 4. Oktober 1941 als jüngstes von fünf Kindern einer Rechtsanwalts-Familie in Bozen geboren. Seine Mutter und die älteste Schwester starben, als er noch klein war. Seinem Vater wurde aufgrund der politischen Situation die Staatsbürgerschaft weggenommen, die Familie wurde in den Wirren des Zweiten Weltkrieges auseinandergerissen. 1953 kam der zwölfjährige Helmut in das erste SOS-Kinderdorf nach Imst. “Ich war glücklich, ein ganzes Haus für meine Geschwister und mich, eingebettet in ein Dorf für viele Kinder, mein Zuhause zu nennen”, meinte der Jubilar über seinen ersten Tag in dieser weltweit ersten Einrichtung. Von Beginn an habe er die SOS-Kinderdorf-Familie als eine gute Familie erlebt. “Wir waren Schicksalsgenossen und haben zusammengehalten.”

1967 begann Kutin im Rahmen von SOS-Kinderdorf International seine Pionierarbeit in Asien. Er baute in Vietnam das erste – damals weltweit größte – SOS-Kinderdorf und sorgte im Anschluss für eine rasche Verbreitung der Idee in Südostasien. Er übernahm die Leitung des SOS-Kinderdorfs in Saigon, dem heutigen Ho-Chi-Minh-Stadt, musste Vietnam aber ein Jahr nach Kriegsende, 1976, verlassen. Aufgrund seiner außerordentlichen Leistungen wurde Kutin 1971 zum Asien-Repräsentanten von SOS-Kinderdorf International ernannt. Innerhalb weniger Jahre hatte er in Asien über 50 SOS-Kinderdörfer und weitere 50 Sozialeinrichtungen errichtet.

Hermann Gmeiner, der SOS-Kinderdorf vor 62 Jahren gegründet hatte, schlug Kutin noch zu Lebzeiten als seinen Nachfolger vor. Kutin übergab das SOS-Kinderdorf-Präsidentenamt im Jahr 2012 an den Inder Siddhartha Kaul.

Von: apa

Bezirk: Bozen