Angespannte Lage in den Krankenhäusern

Für Komplexitätsforscher Klimek ist “nichts” an Omikron gut

Mittwoch, 22. Dezember 2021 | 17:00 Uhr

Für den an dem “Policy Brief” des Covid-Prognosekonsortiums beteiligten Komplexitätsforscher Peter Klimek sind in Bezug auf Omikron immer noch viele Fragen offen. Man habe bei der Prognose für Anfang 2022 angenommen, dass die neue Variante einen zwei- bis dreifach erhöhten Wachstumsvorteil hat. “Nichts davon ist gut”, so Klimek im Gespräch mit der APA, aber es hätten davor auch noch deutlich schlimmere Szenarien kursiert.

Die Reproduktionszahl der Delta-Variante in Österreich liege aktuell bei 0,75 bis 0,8. Das heißt, dass ein Infizierter im Schnitt knapp weniger als eine weitere Person ansteckt. Unter der “optimistischeren Annahme” zu Omikron mit ungefähr verdoppelter effektiver Reproduktionszahl gegenüber der Delta-Variante sei damit zu rechnen, dass jedenfalls in Richtung Ende Jänner bis Anfang Februar die bisher höchsten Werte an Neuinfektionen pro Tag in Österreich von um die 15.000 wieder erreicht werden. Unter pessimistischen Annahmen “kann das auch schon Anfang Jänner der Fall sein”.

Auch bei der Frage des Schutzes vor einem schweren Krankheitsverlauf gehen die Szenarien noch auseinander. Vieles komme auf die Altersverteilung unter den Infizierten an. Wenn auch in Österreich die Omikron-Infizierten zu Beginn der neuen Welle, wie in Großbritannien beobachtet, eher jung sind und die neue Variante sich bei Infektion als gleich gefährlich entpuppen wie bei der Delta-Variante, würde die 33-Prozent-Grenze bei der Intensivstationenbelegung erst bei rund 20.000 Neuinfektionen pro Tag über einen längeren Zeitraum erreicht.

Dass sich unter diesen Annahmen quasi mehr Fälle ausgehen, ohne dass die Intensivstationen gleich so unter Bedrängnis geraten, wie in der vierten Welle gesehen, liege daran, dass seither mehr Menschen entweder durch Impfung oder durchgemachte Krankheit schon mit den Virus zu tun hatten, erklärte Klimek. “Das Ganze sieht aber anders aus, wenn sich das dann mehr in die älteren Altersgruppen hinein verschiebt. Dann könnte sein, dass wir nicht um die 20.000 Neuinfektionen am Tag aushalten, sondern mitunter nur 10.000”.

Da aber die Berechnungen zeigen würden, dass man mitunter schon relativ rasch im Jänner bei 15.000 Infektionen täglich landen könnte, sei klar, dass es hier nicht viel Spielraum gibt, so der Forscher vom Complexity Science Hub Vienna (CSH) und der Medizinischen Universität Wien. Nicht vergessen dürfe man auch die weiter angespannte Lage in den Krankenhäusern.

Bleibe es bei den optimistischeren Annahmen einer Reproduktionszahl von Omikron eher bei 1,5, könne man die Verbreitung mit Eindämmungsmaßnahmen auch noch effektiv drücken. Erweist sich die neue Variante als noch ansteckender, werde es entsprechend schwieriger überhaupt noch dagegen anzukommen. Wichtig sei, dass Menschen, die bereits die Boosterimpfung erhalten haben, laut aktuellen Daten, zu 70 bis 75 Prozent vor einem symptomatischen Verlauf geschützt sind. Klimek: “Das ist ein sehr hoher Schutz.”

Unter einer weniger pessimistischen Annahme helfe es jedenfalls, Maßnahmen zur Eindämmung zu setzen und gleichzeitig möglichst viele Menschen zum dritten Stich zu bewegen. Dann könnte die Bevölkerung vermutlich besser mit Omikron umgehen. Die Herausforderung werde daher sein, sich genau anzusehen, in welchem Szenario man sich in den nächsten Wochen befindet. Hier brauche es umso mehr vorausschauende Planung beim Pandemiemanagement.

Viele Menschen, die bereits geimpft sind oder eine Erkrankung durchgemacht haben, werden nun mit Omikron ein weiteres Mal mit dem Erreger konfrontiert. “Es könne sein, dass das jetzt der Übergang in die Endemie ist. Der findet jetzt ein bisschen anders statt, als man sich das noch vor ein paar Wochen und Monaten erwartet hätte”, sagte Klimek. Wie dieser Weg allerdings aussieht, müsse man sich von Woche zu Woche genau ansehen, und vor allem die Situation in den Spitälern immer genau im Auge behalten.

Von: apa

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