Nachbarländer protestieren gegen Vorhaben Tokios

Fukushima-Wasser soll ins Meer geleitet werden

Dienstag, 13. April 2021 | 14:52 Uhr

Japan will trotz Protesten aus China und Südkorea mehr als eine Million Tonnen kontaminiertes Wasser aus dem zerstörten Atomkraftwerk Fukushima ins Meer leiten. Die Arbeiten dazu würden in etwa zwei Jahren beginnen und Jahrzehnte dauern, teilte die Regierung in Tokio am Dienstag mit. Vor dem Ablassen werde das Wasser zur Entfernung schädlicher Stoffe gefiltert und verdünnt. Ähnlich behandeltes Wasser werde routinemäßig von Atomkraftwerken in aller Welt abgelassen.

China nannte das Vorhaben “extrem unverantwortlich”. Es gefährde die Gesundheit der Bevölkerung in Japans Nachbarländern. Das am Meer gelegene Atomkraftwerk war im März 2011 durch ein Erdbeben mit anschließendem Tsunami zerstört worden. Dabei war auch Wasser in die Anlagen eingedrungen. Es war das schwerste Reaktor-Unglück seit Tschernobyl 1986. Auf dem Gelände sind inzwischen 1,3 Millionen Tonnen verseuchtes Wasser gelagert. Der Kraftwerks-Betreiber Tepco hat erklärt, dass ab 2022 keine Lagerkapazitäten mehr vorhanden seien.

Vor dem Einleiten ins Meer sollen aus dem gelagerten Wasser nach Angaben von Tepco schädliche Isotope herausgefiltert werden. Einzig Tritium, ein radioaktiver Stoff, der sich nur schwer vom Wasser trennen lässt, sei dann noch darin enthalten. Das Wasser soll anschließend verdünnt werden, bis der Tritium-Anteil unter einer von den Behörden festgelegten Schwelle ist und ins Meer geleitet werden kann. Andere Kraftwerke auf der Welt pumpen regelmäßig Wasser mit einem geringen Tritium-Gehalt ins Meer.

China forderte Japan zu mehr Konsultationen über das Vorhaben auf. Es widerspreche den vitalen Interessen der Menschen in den Nachbarländern. Südkorea äußerte sich ähnlich. “Diese Entscheidung der japanischen Regierung kann nicht akzeptiert werden”, sagte der Minister für die Koordinierung der Regierungspolitik, Koo Yun Cheol, in Seoul. Koo warf Tokio vor, einseitig entschieden zu haben, ohne sich vorher ausreichend mit den Nachbarländern zu beraten. Die Freisetzung von verstrahltem Wasser bedrohe die Sicherheit dieser Länder und die Meeresumwelt. Das Außenministerium habe den japanischen Botschafter in Seoul, Koichi Aiboshi, einbestellt, um Südkoreas Bedauern wegen der Entscheidung zu äußern und dagegen Protest einzulegen, berichtete die nationale Nachrichtenagentur Yonhap.

Viel Kritik kam auch aus Österreich, für Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) zeigt das geplante Vorgehen in Japan auf, dass Atomkraft “eine extrem gefährliche und teure Technologie mit unvorhersehbaren Langzeitfolgen” bleibt. Es gebe nur eine sichere und nachhaltige Option, wie wir zukünftig Energie produzieren: Zu 100 Prozent mit Erneuerbaren aus Wind, Wasser, Sonne und Biomasse.” “Die Schäden werden somit einfach auf die lokale Bevölkerung umgewälzt”, kommentiert Martin Litschauer, Anti-Atomenergie Sprecher der Grünen, die Pläne der japanischen Regierung. “Die Investition in eine sichere Lagerung an Land ist wohl das Minimum an Kompensation für die Folgen der Katastrophe.” Auch Experten wiesen darauf hin, dass radioaktiv verseuchtes Wasser auf dem Gelände zwar behandelt werden, aber das Filtersystem ALPS das Isotop Tritium nicht herausfiltern kann. Die Regierung und auch der Betreiber argumentieren, Tritium sei in geringen Mengen nicht schädlich für die menschliche Gesundheit.

Die Umweltorganisation Global 2000 nannte das Vorgehen der japanischen Entscheidungsträger “verantwortungslos”, Greenpeace Österreich wandte sich in einer Aussendung ebenfalls gegen das Vorgehen. Kazue Suzuki, Klimawandel- und Energieexperte bei Greenpeace Japan, berief sich auf die Gegnerschaft der Öffentlichkeit gegen eine derartige Lösung: “Wenn die japanische Regierung beschließt, radioaktives Wasser in den Ozean einzuleiten, waren die öffentlichen Anhörungen und die Einbindung von Fischereigruppen in den Entscheidungsprozess am Ende nicht mehr als reine Formalität.”

Fischerei-Gewerkschaften in Fukushima fordern seit Jahren, auf das Ablassen des Wassers ins Meer zu verzichten, auch weil dies “katastrophale Auswirkungen” für die Branche haben würde. Die US-Regierung teilte indes mit, Japan habe in der Frage mit der Internationalen Atomenergiebehörde zusammengearbeitet und seine Entscheidung transparent gestaltet. Es sehe so aus, als ob ein Ansatz gewählt worden sei, der den weltweit anerkannten Standards für nukleare Sicherheit entspreche.

Japans Ministerpräsident Yoshihide Suga erklärte, das Vorhaben sei unvermeidlich, um das Kraftwerk außer Betrieb zu setzen und das Gebiet Fukushima wieder aufzubauen. Der Regierung lag sehr daran, auf den Filterungs- und Verdünnungsprozess vor der Einleitung hinzuweisen. In einer Email an Medien hatte es am Montag geheißen, man möge den Begriff “kontaminiert” in der Berichterstattung nicht verwenden, da er irreführend sei.

Von: APA/Reuters/dpa

Kommentare

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29 Kommentare auf "Fukushima-Wasser soll ins Meer geleitet werden"


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Echt iaz
Echt iaz
Superredner
1 Monat 2 Tage

War net genau des epas für die Grünen und Tierschützer ollor Art??? Wenn irgendwo a Bam ogschnietn wert lafn olle Sturm obor ba solche wichtigen Themen hert man kon Wort. Isch schun interessant

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 2 Tage

Wie kommst du darauf, dass die still sind? Was glaubst du denn, wer am meisten dagegen protestiert?

https://www.greenpeace.de/themen/energiewende/atomkraft/katastrophaler-wasserschaden

https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/ungluecke/japan-wird-fukushima-abwasser-in-pazifik-ablassen-17290562.html

Seit der ersten Ankündugung wird protestiert, nur bringt’s nichts.

quilombo
quilombo
Tratscher
1 Monat 2 Tage

könnte es sein, daß nur du kein Wort gehört hat?

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Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Echt iaz…Hauptsache Etwas gepostet 🙈. Es gibt auch in Japan sehr engagierte “Grüne” und Umweltschützer. Diese haben nach Hinweisen von Wissenschaftlern schon zu Beginn des Sammelns von kontaminiertem Kühlwasser massiv dafür demonstriert und gefordert, sich auf ein System des “Verdampfens” technisch vorzubereiten. Denn es war absehbar, dass die Kapazitäten zur “Lagerung” dieser Giftbrühe zu Ende gehen werden.

Echt iaz
Echt iaz
Superredner
1 Monat 1 Tag

@Offline hups bin do in an grünen af die Füße getretn?

Gievkeks
Gievkeks
Tratscher
1 Monat 1 Tag
@Neumi: Macht es dich nicht stutzig, dass in keinem dieser Berichte erwähnt wird um wieviel Radioaktivität es da überhaupt geht? Die FAZ berichtet wenigstens: “Das verbrauchte Kühlwasser, das durch Alps-Filteranlagen gereinigt wird, enthält nach wie vor Tritium, das sich nur sehr schwer von Wasser trennen lässt. Global sei es üblich, dass mit Tritium belastetes Wasser kontrolliert in den natürlichen Wasserkreislauf abgegeben werde, argumentieren die japanische Regierung und Tepco.” Tatsache ist, dass während dem normalen Betrieb der meisten AKW mehr Tritium ins Meer geleitet wird als hier geplant ist. Reduziert man die Konzentration vom Tritium durch Verdünnung um die Hälfte, würde… Weiterlesen »
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Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Echt iaz..ja, ich bin für unsere Umwelt. Und das ist allemal besser, als wie du unwissend.

Echt iaz
Echt iaz
Superredner
1 Monat 1 Tag

@Offline oje sem erübrigt sich jede weitere Diskussion

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Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Echt iaz..das ist mir bei einem zunehmenden Hang zum Egoismus und zur Selbstgefälligkeit sonnenklar 🌻. Dass von Solchen weder auf die Umwelt noch auf den Natur- und Tierschutz Wert gelegt wird, kann man hier regelmäßig nachlesen.

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 1 Tag

@ Giev Nein, warum solltees das?

Es ging nur darum, ob Umweltschützer protestieren.

Die Menge an radioaktivem Material hat mit der Frage nichts zu tun.

Echt iaz
Echt iaz
Superredner
1 Monat 19 h

@Offline es grünen moant es seit bessor wia dor rest dor Welt, obor iaz erklär mir amol wia du zur Orbat kimsch, odor mit welcher Energie du deine Wohnung heitzn tuasch. Vielleicht kimp ba dor Ontwort jo ausor das decht koan Heiligenschein hosch. Geat amol die wirklichn Probleme wia Massentierholtung un bevor es jeman verurteilt weil er mitn Auto zur orbat fohrt. Obor sem miasat es mit die groaßn Konzerne streitn und zum sem fahln holt die🥚

Faktenchecker
1 Monat 2 Tage

Wir könnten den Kalterer See damit auffüllen. Keine Algen mehr.

elvira
elvira
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

genau und nor geasch du drin schwimmen und dir prennts dein schniedl weck

Soundgeist
Soundgeist
Grünschnabel
1 Monat 20 h

So funktioniert Radioaktivität net

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 2 Tage

Und AKW Betreiber wollen die EU-Zuschüsse für “sauberen” grün leuchtenden Strom haben …

giovanocci
giovanocci
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Bin kein umweltfreak, aber ob das schon gut ist??

Das ist der Preis von billigem Strom…

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 2 Tage

Tatsächlich kosten heute neu zu bauende Atomkraftwerke (Baukosten, Betriebskosten, Lebensdauer, Müllagerung und vor allem auch die Abbaukosten) heute mehr als noch vor 10 Jahren.
Im Gegenzug dazu sind die Kosten für Windkraftwerke extrem gesunken.

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Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Neumi..👍 die aber leider auch Niemand in Hör- und Sichtweite haben will. Selbst bei Offshore Windparks wehren sich die Leute gegen die unterirdisch zu verlegenden Trassen. Nach dem Motto : “Heiliger St. Florian, verschon(e) mein Haus, zünd(e) Andre an”…..

Neumi
Neumi
Kinig
1 Monat 1 Tag

@ Offline Google mal, was die Alternative zur CO-Pipeline von Bayer in NRW ist, die durch ein Volksbegehren verhindert wurde … *facepalm* 😀

elvira
elvira
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

de länder sein inser untergong

Gievkeks
Gievkeks
Tratscher
1 Monat 2 Tage

@elvira:
Es geht im Artikel um gefiltertes Wasser mit 2.2g Tritium, sonst nichts.
Zum Vergleich.. die aktiven französischen AKWs leiten jährlich 40g davon ins Meer.

Wenn man das Wasser mit derselben Menge verdünnt, würde es den deutschen Trinkwasserrichtlinien entsprechen.

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Universalgelehrter
1 Monat 1 Tag

@Gievkeks..du glaubst also noch immer, was Tepco, die Betreiberfirma von Fukushima, so alles veröffentlicht 🙈🙉🙊

Gievkeks
Gievkeks
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@Offline

Ich richte meine Meinung nach den Informationen, die ich zur Verfügung habe.

Da dieser Artikel nur Stimmungsmache betreibt und es vermeidet überhaupt irgendwelche relevanten Informationen zu erwähnen, muss ich davon ausgehen, dass Sie schlichtweg keine Argumente haben.

Alle ernsthaften Wissenschaftsmagazine kommen übrigens zum Schluss, dass das Wasser eben nicht gefährlich ist.

Gievkeks
Gievkeks
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@Offline:

Hast du denn irgendwelche relevanten Informationen dazu beizutragen?

Lass mich raten, Hausverstand?

Pacha
Pacha
Superredner
1 Monat 2 Tage

Naja, irgendwann muss man halt ran und die ganze Sauerei wegmachen. Das Wasser zu dekontaminiern und verdünnen macht Sinn und ist wohl auch die einzige vernünftige Lösung, denn irgendwann sickert das ganze halt ins Grundwasser, was bei weitem viel schlimmer wäre! Dass die Chinesen, als die Umweltsünder Nr.1 dabei auf Umweltschutz machen, schlägt dem Fass den Boden aus.

Offline
Offline
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@Pacha…fast exklusiv für dich ( und noch ein paar weitere Geographieexperten 🙈) : Fukushima liegt in JAPAN !!! Und der allergrößte Anteil des kontaminierten Wassers wird in (Edel) Stahlbehältern gelagert. Es geht jedoch der Platz aus, neue aufzustellen.

Missx
Missx
Kinig
1 Monat 1 Tag

@Pacha
Ja, das mit den Chinesen hast du gut beobachtet. Hab mir das auch so gedacht, als ich das gelesen habe.

Doolin
Doolin
Superredner
1 Monat 2 Tage

…sette Fackelotti…
🐷

Faktenchecker
1 Monat 2 Tage

“Klimasünder Japan eröffnet den G20-Gipfel

In Osaka präsentiert sich Japan vor der Weltgemeinschaft als
Klimaretter. Doch Experten halten die Umweltpläne des Gastgebers für
„höchst unzureichend“.

https://www.handelsblatt.com/politik/international/umweltschutz-klimasuender-japan-eroeffnet-den-g20-gipfel/24503644.html

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