Schüler protestieren für strengere Waffengesetze

“Genug ist genug”: Schulstreiks in USA wegen Waffengewalt

Freitag, 20. April 2018 | 18:48 Uhr

An vielen High Schools in den USA kam es am Freitag zu einem ganztägigen Streik gegen Waffengewalt. Landesweit waren unter dem Motto “Genug ist genug” rund 2.500 Veranstaltungen angemeldet, um für härtere Gesetze einzutreten. Um 10.00 Uhr verließen vielerorts Mädchen und Buben ihre Klassenräume und das Schulgelände. Eine Studie ergab, dass Schießereien an US-Schulen rasant zugenommen haben.

Das alles geschah neun Wochen nach dem Schulmassaker von Parkland, bei dem 17 Menschen starben. Außerdem jährte sich am Freitag das Massaker an der Columbine High School im US-Bundesstaat Colorado zum 19. Mal. Im Jahr 1999 hatten zwei Teenager zwölf Mitschüler und einen Lehrer erschossen.

In der Hauptstadt Washington sagte Hiam Bailas auf dem Weg zum Protest vor dem Weißen Haus: “Mir ist ein Verbot halbautomatischer Waffen am wichtigsten. Es muss etwas geschehen. Ich bin 18 und kann eine Waffe kaufen. Das ist nicht okay.” In New York sagte Arielle Geismar (16), Mitgründerin von “New York says enough” (“New York sagt, es reicht”), zu CNN: “Wir wollen, dass durchgreifende Gesetzesänderungen beschlossen werden.”

Der Streik ist Teil einer schon mehrere Wochen andauernden Kette von Protesten in den USA. In Florida hatte am 14. Februar ein 19-Jähriger 14 Schüler und drei Erwachsene erschossen. Daraufhin entstand ein breites Bündnis protestierender junger Menschen.

Die Schüler werfen der Politik vor, dass sie auch nach Parkland trotz vieler Versprechen keine durchgreifenden Änderungen der Gesetzgebung durchgesetzt hat. Jedes Jahr sterben in den USA viele Tausend Menschen durch Waffengewalt. Schulen werden wiederholt Ziel von Attentaten.

Auch an der Marjory Stoneman Douglas High School, dem Ort des jüngsten Massakers, protestierten viele Schüler. Sie malten ein großes Transparent mit der Aufschrift “Nie wieder”. Ihre Lehrer, denen ein Verlassen des Gelände nicht gestattet war, reihten sich orangefarben gekleidet – der Farbe des Protests – auf. Sie trugen Schilder wie “Unsere Leben hängen von vernünftigen Waffengesetzen ab!”

“Klar hat mich das politisiert”, sagte die 16 Jahre alte Caroline in Washington zu den Ereignissen von Parkland. “Ich gehe jetzt viel mehr auf die Straße.” Die meisten Schüler müssen sich nach dem Streik am Freitag auf disziplinarische Maßnahmen einstellen.

Die Ausstände gehen auf die 16 Jahre alte Initiatorin Lane Murdock aus Connecticut zurück. Sie startete nach dem Attentat von Parkland eine Online-Petition auf der Plattform change.org, die von deutlich mehr als 250.000 Menschen unterzeichnet wurde. Murdock sagte zu den wiederholten Attentaten auf Schulen: “Wir sollten entsetzt sein. Wir sind es nicht mehr. Es ist Teil der amerikanischen Kultur.”

Die Ausstände sollten mit 13 Sekunden der Stille beginnen, je einer für alle Getöteten an der Columbine High School. Dazu kam eine Minute der Stille als genereller Protest gegen Waffengewalt. In Littleton gab es an der Columbine High School selbst keinen Streik. Seit dem Massaker bleibt die Schule am Jahrestag des Attentats geschlossen.

Ausgerechnet am Tag der Proteste wurde aus Florida von einem neuen Zwischenfall berichtet. Nach Angaben lokaler Medien schoss in der Stadt Ocala ein Schüler an der Forest High School durch eine geschlossene Tür. Er verletzte einen Mitschüler am Knöchel und wurde auf der Flucht festgenommen. Im gesamten Bezirk Marion County wurden die Schulausstände danach verboten.

Schießereien an US-Schulen haben einer Studie zufolge in den vergangenen zwei Jahrzehnten rasant zugenommen. In den vergangenen 18 Jahren seien dabei mehr Menschen als im gesamten 20. Jahrhundert getötet worden, heißt es in der am Donnerstag im “Journal of Child and Family Studies” veröffentlichten Untersuchung.

In die Statistik aufgenommen wurden dabei Schießereien, bei denen mindestens ein Schütze absichtlich mindestens vier Menschen getötet oder verletzt hat. Untersucht wurden nur entsprechende Taten an Schulen für Kinder und Jugendliche im Alter von fünf bis 18 Jahren seit 1940. Schießereien von Banden oder an Universitäten wurden nicht berücksichtigt.

Von: APA/dpa

Kommentare

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8 Kommentare auf "“Genug ist genug”: Schulstreiks in USA wegen Waffengewalt"


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denkbar
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Kinig
1 Monat 2 Tage

Sehr gut, wenn die jungen Leute sich wehren und gegen die Waffenlobby erheben. Man kann eh nichts tun, sollte nämlich nie eine Option sein.
Und dem Präsidenten ist ja nichts besseres eingefallen, als die Waffenlobby zu stärken, indem er angedacht hat, die Lehrer mit Waffen ausgzutatten.

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
1 Monat 2 Tage

Die idee mit dem Lehrer bewaffnen stammt nicht von Trump. Es wird schon seit Jahren darüber diskutiert.

In Banken, an Flughäfen, in Einkaufzentre, usw gibt es bewaffnetes Sicherheitspersonal, sogar bei uns hier! Scheint aber niemanden zu stören…

denkbar
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Kinig
1 Monat 2 Tage

@6079_Smith_W .Er hat das aber öffentlich kundgetan und das heißt er unterstützt diese Idee, von wem immer sie stammt.

denkbar
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Kinig
1 Monat 2 Tage

6079_Smith_W – Das ist wohl was anderes wenn es in Banken usw. am Eingang einen Sicherheitsbeamten gibt.
Wer die Lehrtätigkeit kennt weißt, wie unmöglich ist, wenn jeder Lehrer mit einer Waffe in der Klasse sitzt. Das löst das Problem nicht, das ist ganz an anderer Stelle zu lösen.

Hans_H
Hans_H
Tratscher
1 Monat 2 Tage

Erkennt man da etwa eine leichte Trumpphobie? 😉

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
1 Monat 2 Tage
@denkbar Es muss nicht jeder Lehrer sein, ausserdem ist auch nicht jeder dafür geeignet. Aber es gibt in den USA sehr viele Lehrer die früher bei den Streitkräften gedient haben, somit hätte man mal eine gute Anfangsbasis. Was wäre wenn ein Verrückter bei uns hier (z.B einer von denen die glauben sie befolgen den Willen Gottes und würden womöglich auch noch ins Paradies kommen) mit einem Messer in einen Kindergarten oder eine Schule gehen würde ? Wie lange würde es dauern bis die Polizei eintrifft ? Und in der Zwischenzeit ? Aber was solls ? Ist ja nur Angstmacherei meinerseits… Weiterlesen »
Mikeman
Mikeman
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@ 6079_Smith_W
und teilweise über die Ausbildung dieses Personal an Flughäfen lieber nicht reden …😀

6079_Smith_W
6079_Smith_W
Superredner
1 Monat 2 Tage

Also ich hab neulich bei der Personenkontrolle am Flughafen meinen Parker-Kugelschreiber (grossteils Metall) in der Hosentasche vergessen, hat den Metalldetektor nicht gestört…

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