Südkoreas Regierung trägt laut Gericht Schuld am Fährunglück

Gericht macht Südkorea für “Sewol”-Unglück verantwortlich

Donnerstag, 19. Juli 2018 | 13:01 Uhr

Ein Gericht hat geurteilt, dass die südkoreanische Regierung den Opfern des “Sewol”-Fährunglücks vor vier Jahren eine Entschädigung zahlen muss. Den Angehörigen von jedem ertrunkenen Passagier wurden von dem Gericht in Seoul 200 Millionen Won (rund 150.000 Euro) Entschädigung sowie zusätzliche 40 Millionen Won für jeden Elternteil zugesprochen.

Laut einem Bericht der BBC, in dem Ermittler zitiert werden, war die Fähre in einem schlechten Zustand, überladen und zu schnell unterwegs. Deshalb wurde nicht nur die Reederei, sondern auch der Staat dafür verantwortlich gemacht, urteilte das Gericht.

Die “Sewol” war im April 2014 vor der Südwestküste Südkoreas gekentert. 304 der 476 Menschen an Bord kamen ums Leben, unter ihnen 250 Schüler. Das Unglück hatte in Südkorea große Empörung hervorgerufen. Der Kapitän wurde zu lebenslanger Haft verurteilt, weitere führende Besatzungsmitglieder erhielten ebenfalls langjährige Gefängnisstrafen.

Der Kapitän eines Schiffs der Küstenwache wurde zu vier Jahren Haft verurteilt, weil er die Passagiere nicht gewarnt hatte. Ministerpräsident Chung Hong Won trat nach dem Fährunglück zurück. Auch die damalige Präsidentin Park Geun Hye wurde wegen ihrer zögerlichen Reaktion kritisiert.

Der Kapitän und seine Besatzung waren die ersten, die das Schiff verließen, als es sich langsam mit Wasser füllte. Das Gericht machte den Fährbetreiber im gleichen Maße für das Unglück haftbar und veranlasste eine geteilte Übernahme der Entschädigungszahlungen.

Die Regierung hatte den Familien der Schüler zuvor Entschädigungen in Höhe von jeweils 470 Millionen Won angeboten. Die Angehörigen eines Teils der Opfer hatten dies jedoch abgelehnt und waren vor Gericht gezogen. Sie hatten eine Milliarde Won Entschädigung für jedes Todesopfer gefordert sowie eine Erklärung, dass der Staat haftbar sei.

Von: APA/ag.

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