Altbischof Weber wurde 93 Jahre alt

“Geschätzter Oberhirte”: Grazer Altbischof Weber tot

Samstag, 23. Mai 2020 | 22:03 Uhr

Die Diözese Graz-Seckau, die österreichische Kirche und die steirische Politik trauern um Altbischof Johann Weber. Weber, ehemaliger Vorsitzender der Bischofskonferenz, ist in der Nacht auf Samstag im 94. Lebensjahr in Graz verstorben. Weber hatte sich seit Mittwoch auf der Intensivstation des LKH Graz befunden. Bundespräsident Alexander Van der Bellen nannte ihn einen “geschätzten Oberhirten”.

Zum Gedenken an den Altbischof, der als 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau von 1969 bis 2001 im Amt war, läuteten am Samstag von 12.00 bis 12.15 Uhr viele Kirchenglocken in der ganzen Steiermark. Die Katholische Kirche bat um ein “Gebet für Bischof Johann”. Am Mittwoch war bekannt geworden, dass Weber sich auf der Intensivstation des LKH Graz befand. Sein Zustand hatte sich kurzfristig stabilisiert, man war sogar optimistisch bezüglich einer Besserung gewesen, wie es am Freitag auf APA-Anfrage hieß. In der Nacht auf Samstag starb der beliebte Altbischof jedoch. Weber hatte erst im April seinen 93. Geburtstag gefeiert.

Der beliebte “Volksbischof” hatte zuletzt in einem Alten- und Pflegeheim in Graz gelebt. Informationen zu Begräbnis und Requiem will die Diözese Graz-Seckau in Kürze bekanntgeben. Weber hatte nach seiner Emeritierung als Seelsorger im Pfarrverband Graz-St. Leonhard, Graz-Ragnitz und Graz-Kroisbach gearbeitet. Gewohnt hatte er im Alten- und Pflegeheim der Dienerinnen Christi in Graz-Andritz, jenem Bezirk, in dem er auch geboren worden war.

Diözesanbischof Wilhelm Krautwaschl, Nach-Nachfolger von Weber, sagte laut Kathpress, die Nachricht vom Tode Webers habe ihn “schwer getroffen, auch wenn wir uns ob seines hohen Alters und seines eigenen, offenen Umganges mit dem Tod seelisch vorbereiten konnten. Seine Herzlichkeit, seine Offenheit und sein tiefer Glaube waren über Jahrzehnte das Rückgrat unserer Diözese.”

Kardinal Christoph Schönborn sagte, “es war ein Glück für die Kirche in Österreich, dass Bischof Weber ab 1995 an ihrer Spitze stand”. Weber habe in der schweren Zeit nach der Causa Groer und dem Kirchenvolksbegehren die Kirche sehr gut geleitet, so Schönborn laut Kathpress.

Laut ÖVP-LH Hermann Schützenhöfer habe “Bischof Johann in den Herzen der Steirerinnen und Steirer einen ganz besonderen Platz. Sein aufbrechender, offener Geist, verpflichtet dem Zweiten Vatikanischen Konzil, prägte als Bischof der kleinen Leut’ Generationen von Steirerinnen und Steirern.” SPÖ-LHStv. Anton Lang sagte zum Ableben Webers: “Als steirischer Oberhirte stellte er stets das Verbindende vor das Trennende. Er wollte stets ein Bischof für alle Steirerinnen und Steirer sein.”

Auch der Vatikan hat den verstorbenen steirischen Altbischof Johann Weber gewürdigt. Weber sei ein “eifriger Hirte” gewesen, der “den ihm anvertrauten Gläubigen uneingeschränkt in einer beispielhaften Nähe und in einem Geist der Demut und Sympathie stets nahestand”, schrieb der vatikanische Nuntius in Österreich, Pedro Lopez Quintana, am Samstag laut Kathpress.

Betroffen reagierte der Salzburger Erzbischof Franz Lackner, ein gebürtiger Steirer, auf die Nachricht: “Ein gutes Stück Kirchen- wie Glaubensgeschichte hat in Bischof Johannes Weber einen ehrlichen wie begeisterten Zeugen verloren. Nun ist er, wie er gestern einigen Weggefährten angekündigt hatte, heimgegangen. Lieber Bischof Johann, ein herzliches Vergelt ́s Gott!”

Für den Kärntner Diözesanbischof Josef Marketz hatte Weber “als Bischof, Theologe und Mensch die Kirche und Gesellschaft in Österreich jahrzehntelang mitgeprägt und Maßstäbe gesetzt, die uns auch heute noch als Vorbild dienen können. Er war ein Bischof der Herzen, ein Leutebischof”, so Marketz laut Kathpress.

Die Nachricht vom Ableben Webers bewegte auch die steirische Evangelische Kirche. Weber habe mit seiner Offenheit und Dialogbereitschaft entscheidend beigetragen, die Basis für das vorbildliche ökumenische Klima in der Steiermark zu legen, hieß es.

Weber wurde am 26. April 1927 in Graz-St. Veit als eines von sechs Kindern eines Gendarmerie-Inspektors geboren. 1937/38 war er ins Bischöfliche Knabenseminar eingetreten, das die Nazis nach dem “Anschluss” umgehend schlossen. Danach besuchte er das Akademische Gymnasium, 1943 wurde er im Alter von 16 Jahren als Luftwaffenhelfer eingesetzt, dann zur Wehrmacht eingezogen. 1945 absolvierte er die Matura und begann an der Grazer Karl-Franzens-Universität ein Studium, zuerst zwei Semester Germanistik und Geschichte, dann vier Jahre Theologie. Am 2. Juli 1950 wurde Weber zum Priester geweiht.

Als junger Kaplan hatte er für die katholische Kirche schwierige, weil “rote” Gebiete zu betreuen – die obersteirische Stahlstadt Kapfenberg und den weststeirischen Braunkohlen- und Eisenbahnerort Köflach. Von 1962 bis 1969 war Weber Stadtpfarrer in Graz-St. Andrä. Am 10. Juni 1969 ernannte Papst Paul VI. Weber zum 56. Bischof der Diözese Graz-Seckau. Weber stand in der Folge für die Öffnung der Kirche, ganz im Sinne des Zweiten Vatikanischen Konzils, das der Wiener Erzbischof Franz König mitgeprägt hatte.

In seiner Amtszeit als Vorsitzender der Bischofskonferenz musste sich Weber mit einer der schwersten Krisen der österreichischen Kirche nach dem Krieg auseinandersetzen: den Anfang 1995 aufgekommenen Vorwürfen gegen den früheren Wiener Erzbischof Hans Hermann Groer wegen sexuellen Missbrauchs von Jugendlichen. Im April 1995 übernahm Weber von Groer den Vorsitz der Bischofskonferenz. In einer gemeinsamen Erklärung der Bischöfe Weber, Christoph Schönborn, Georg Eder und Egon Kapellari wurde Ende Februar 1998 bekanntgegeben, dass sie zur “moralischen Gewissheit” gelangt seien, dass die Vorwürfe gegen Groer “im Wesentlichen” zuträfen. In Webers Amtszeit fielen aber auch das Kirchenvolksbegehren und als dessen Folge der Beginn des “Dialogs für Österreich”, 1981 der große Steirische Katholikentag und am 13. September 1983 der Besuch von Papst Johannes Paul II. in Mariazell.

Im 73. Lebensjahr, ein Jahr vor dem offiziellen Termin, bat er den Vatikan, sich zurückziehen zu dürfen. Ein Grund dürfte seine Gesundheit gewesen sein, ein anderer war wohl, dass Weber in vielen seiner Bemühungen, etwa in der Causa Groer, von Rom nicht wirklich unterstützt worden war.

Von: apa

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