Dieter Degowski kommt nach fast 30 Jahren frei

Gladbecker Geiselnehmer Degowski aus Haft entlassen

Freitag, 16. Februar 2018 | 18:00 Uhr

Der zu lebenslanger Haft verurteilte Gladbecker Geiselgangster Dieter Degowski ist am Donnerstag in Deutschland aus der Haft entlassen worden. Dies bestätigte die Leiterin der Justizvollzugsanstalt Werl, Maria Look, am Freitag. Demnach hat offenbar die Staatsanwaltschaft keine Beschwerde gegen einen Gerichtsbeschluss einlegt, wonach Degowski nach fast 30 Jahren Haft auf freien Fuß kommen sollte.

Degowski hatte bei der Geiselnahme von Gladbeck im August 1988 mit seinem weiterhin inhaftierten Komplizen Hans-Jürgen Rösner eine Bank in der Ruhrgebietsstadt überfallen und mehrere Geiseln genommen. Im Verlauf ihrer dreitägigen Flucht erschossen die Täter zwei Geiseln, ein Polizist kam während des Einsatzes durch einen Verkehrsunfall ums Leben. Das Gladbecker Geiseldrama ging als eines der spektakulärsten Schwerverbrechen in die deutsche Kriminalgeschichte ein.

Wegen des Verbrechens wurden Degowski und Rösner 1991 vom Landgericht Essen zu lebenslanger Haft verurteilt. Später stellten Gerichte bei beiden Tätern eine besondere Schwere der Schuld fest, was eine vorzeitige Haftentlassung nach 15 Jahren ausschloss. Dabei wurde für den in Werl inhaftierten Degowski eine Mindesthaftdauer von 24 Jahren festgelegt.

Rösner, bei dem zusätzlich Sicherungsverwahrung angeordnet wurde, sitzt weiterhin im Gefängnis. Auch er strebt eine vorzeitige Entlassung an. Voraussetzung ist eine Therapie.

Zur Vorbereitung der Entscheidung für eine Freilassung Degowskis hatte das zuständige Gericht unter anderem das Gutachten eines renommierten Sachverständigen eingeholt, der eine positive Prognose erstellt hatte. Demnach ist der 61-Jährige “nachgereift, psychisch stabil” und ohne Alkohol- und sonstige Suchtprobleme, hatte Peter Biesenbach, der Justizminister des Bundeslandes Nordrhein-Westfalen im November erklärt. Degowski habe alle Lockerungen der Justizvollzugsanstalt Werl beanstandungsfrei absolviert – insgesamt 38 unbegleitete sowie zwölf Langzeitausgänge. Auch die Staatsanwaltschaft hatte keinerlei Einwände erhoben.

Degowskis Anwältin Lisa Grüter hatte bereits im vergangenen Oktober mit Blick auf die nahende Entlassung ihres Mandanten mitgeteilt, dass er künftig nicht mehr Degowski heißen werde. Mit einem neuen Namen wolle er “dieses Stigma” loswerden, dass “er sich mit Degowski vorstellen muss, dem Namen, der so viele Erinnerungen weckt”, erläuterte Grüter. Zudem sei er dankbar dafür, “dass er von der Gesellschaft noch eine Chance bekommt”.

Von: APA/dpa