Gehören solche Bilder bald der Vergangenheit an?

Globale Erwärmung lässt Arktiseis bald verschwinden

Dienstag, 25. April 2017 | 13:15 Uhr

Wenn die Treibhausgasemissionen nicht rasch reduziert werden, ist die Arktis im Sommer bald eisfrei, warnten Forscher am Dienstag bei der Generalversammlung der European Geosciences Union in Wien. Die globale Erwärmung müsse auf 1,5 Grad Celsius beschränkt werden, um das Eis dort zu retten, erklärten sie. Am anderen Ende der Welt wiederum ziehen Föhnwinde das Schelfeis in Mitleidenschaft.

“Die Arktis erwärmt sich doppelt so stark als der globale Durchschnitt, was die Eisdecke dünn gemacht und zum Schrumpfen gebracht hat”, sagte Julienne Stroeve von der University of Colorado (USA). Der Verlust des arktischen See-Eises sei einer der dramatischsten Auswirkungen des Klimawandels. Vor allem seit Anfang 2016 seien im hohen Norden ständig Negativ-Rekorde zu beobachten, so die Forscherin.

Nur wenn die Klimaziele von der UN-Klimakonferenz in Paris 2015 umgesetzt werden, dass die globale Erwärmung maximal 1,5 Grad erreicht, bleiben die arktischen Meere höchstwahrscheinlich eisbedeckt, erklärte James Screen von der University of Exeter (Großbritannien). Berechnungen hätten ergeben, dass es dann in den Sommern nur mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu hunderttausend verschwindet. Bei einer Erderwärmung von zwei Grad Celsius hat das Eis ungefähr eine Fifty-fifty-Chance, im Sommer zu bestehen. Bei drei Grad und mehr müsse man mit einer eisfreien Arktis während der warmen Jahreszeit rechnen, so Screen. Das könnte sogar schon in den kommenden zehn bis 20 Jahren passieren.

Ein anderes Forscherteam hat herausgefunden, dass Föhnwinde maßgeblich am Verlust von Schelfeis in der Antarktis beteiligt sind. Sie schmelzen dessen Oberfläche, das dabei entstehende Wasser dringt in Gletscherspalten ein und vergrößert diese, erklärte Jenny Turton von der University of Leeds (Großbritannien). Im Frühling und Sommer wehen diese warmen Winde dort an zwei von drei Tagen, berichtete sie.

Ebenfalls bei der Generalversammlung der European Geosciences Union berichteten Forscher, dass schlechtes bis nicht vorhandenes Müll-Management in vielen Schwellenländern der Hauptgrund dafür ist, dass immer mehr Plastik in den Gewässern landet. Zudem setzt der dort verunreinigte Boden gefährliche Stoffe frei, die dann in die Nahrungskette der ansässigen Bevölkerung gelangen, erklärten sie.

Forscher um Christian Schmidt vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Leipzig (Deutschland) haben untersucht, woher der Plastikmüll kommt, der über die Flusseinzugsgebiete in die Meere gelangt. Demnach stammen 90 Prozent aus zehn Flüssen, von denen die meisten durch Schwellenländer Asiens fließen. Diese Länder zeichnen sich wiederum durch eine große Bevölkerungsdichte, schnelles Wirtschaftswachstum und unzureichendes Müll-Management aus, erklärte Schmidt.

Indes warnten Klimaforscher in einer Studie im Auftrag des Arktischen Rats vor Billionen-Kosten durch die schmelzende Arktis. Das Abschmelzen der Eisflächen könnte nach Einschätzung von Klimaexperten bis Ende dieses Jahrhunderts wirtschaftliche Schäden in Höhe von bis zu 90 Billionen Dollar (82.964,60 Mrd. Euro) nach sich ziehen. Vorteile der Erwärmung, die sich etwa aus neuen Schifffahrtsrouten und leichterem Zugang zu Öl- und Gaslagern ergäben, könnten dies nicht ausgleichen, heißt es in der am Dienstag vorgelegten Studie von 90 Wissenschaftern.

Schon jetzt schmelze der Permafrost unter Straßen und Gebäuden von Sibirien bis Alaska, heißt es in der Studie. Zu den sichtbaren Folgen gehörten Erdrutsche am russischen Erdgasfeld Bowanenkowo sowie die Überschwemmung der Straßen zu den Ölfeldern im Norden Alaskas. “Die Arktis erwärmt sich schneller als jede andere Region der Erde”, warnen die Wissenschafter. Mit dem Rückgang von Schnee und Eis, die bisher einen großen Teil des Sonnenlichts reflektierten, werde immer mehr dunklere Erde und Meerwasser freigelegt. Dort wiederum werde die Wärme der Sonnenstrahlen besser aufgenommen.

Der Prozess gehe schneller vonstatten, als man dies bei der letzten Studie 2011 noch eingeschätzt habe, sagte Forschungsgruppenleiter Lars-Otto Reiersen. Vor allem der Mensch sei für den steigenden Ausstoß von klimaschädlichen Treibhausgasen verantwortlich. Deshalb müssten unbedingt Gegenmaßnahmen umgesetzt werden, wie sie im Pariser Klimaabkommen vereinbart seien.

Die Außenminister der acht Mitgliedsstaaten des Arktischen Rats- die USA, Russland, Kanada, Schweden, Dänemark, Norwegen, Finnland und Island – sollen sich am 11. Mai in Fairbanks in Alaska treffen.

Von: APA/ag.