64 Menschen starben im Einkaufszentrum

Gouverneur nach Brandkatastrophe in Sibirien zurückgetreten

Montag, 02. April 2018 | 09:08 Uhr

Der Gouverneur der russischen Region Kemerowo ist eine Woche nach der Brandkatastrophe in einem Einkaufszentrum zurückgetreten. Das Unglück mit 64 Toten sei eine “solch schwere Bürde”, dass er sein Amt nicht länger ausüben könne, erklärte der seit 21 Jahren amtierende Gouverneur Aman Tulejew am Sonntag.

In den Tagen zuvor hatten Demonstranten in der sibirischen Industriestadt Kemerowo seinen Rücktritt gefordert. Präsident Wladimir Putin nahm Tulejews Rücktrittsgesuch an, wie der Kreml mitteilte. Tulejews bisheriger Stellvertreter Sergej Ziwiljow soll das Amt kommissarisch übernehmen. Der 73-jährige Tulejew erklärte, sein Rücktritt sei die “einzig richtige Entscheidung” nach der Brandkatastrophe.

Bei dem Brand in der Stadt Kemerewo waren am vorangegangenen Sonntag 64 Menschen ums Leben gekommen, 41 von ihnen waren Kinder. Gouverneur Tulejew hatte viele Bürger mit seinem Verhalten gegen sich aufgebracht: Sie legten ihm zur Last, den Unglücksort in den ersten Tagen nicht besucht und nicht mit Hinterbliebenen und Überlebenden gesprochen zu haben.

Für zusätzliche Empörung sorgten Versäumnisse von Behörden und Sicherheitspersonal: Hinterbliebene warfen Feuerwehr und Polizei vor, den Brand nicht energisch genug bekämpft zu haben – offenbar auch, weil ihnen Ausrüstung dafür fehlte. In dem Einkaufszentrum waren zudem Sicherheitsbestimmungen missachtet worden, der Feueralarm funktionierte nicht.

In der vergangenen Woche forderten aufgebrachte Demonstranten in Kemerowo dann die Rücktritte von Gouverneur Tulajew und – eine Seltenheit in Russland – von Präsident Putin. Tulajew entschuldigte sich bei Putin für die Demonstration.

Der Präsident sprach am vergangenen Dienstag bei einem Besuch in der sibirischen Stadt von “krimineller Nachlässigkeit und Schlamperei”. Eine Entlassung des Gouverneurs lehnte er zunächst aber ab.

Tulejew war bereits seit 1997 Gouverneur und damit einer der am längsten amtierenden Top-Politiker in Russland. Zunächst hatte er den Ruf eines volksnahen Politikers erworben, der die wirtschaftlich angeschlagene Bergbau-Region nach den Streiks der 1990er-Jahre wieder zur Ruhe brachte. Kritiker porträtierten ihn in den vergangenen Jahren dann aber als Symbol für die schlimmen Auswüchse unbeschränkter Macht in Putins Russland.

Von: APA/ag.

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