Hamburgs Erzbischof Heße bietet seinen Rückzug an

Hamburgs Erzbischof bietet in Missbrauchsaffäre Rücktritt an

Donnerstag, 18. März 2021 | 17:37 Uhr

Der Hamburger Erzbischof Stefan Heße hat Papst Franziskus seinen sofortigen Amtsverzicht angeboten. Er ziehe damit die Konsequenz aus dem Ergebnis des am Donnerstag vorgestellten Gutachtens zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Köln, sagte Heße in Hamburg. Er habe sich nie an Vertuschungen beteiligt, werde aber seinen Teil der Verantwortung für das Geschehen tragen.

In dem Gutachten sind Hinweise auf 202 Beschuldigte festgestellt worden. Bereits unmittelbar nach der Präsentation des Papiers am Donnerstag zog der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki personelle Konsequenzen und entband seinen Weihbischof Dominikus Schwaderlapp und den Leiter des Erzbischöflichen Gerichts, Offizial Günter Assenmacher, wegen Pflichtverletzungen mit sofortiger Wirkung vorläufig von ihren Ämtern.

Der Kardinal sprach von “Vertuschung” in der deutschen Diözese. Während Schwaderlapp in acht Fällen konkrete Pflichtverletzungen begangen haben soll, soll Assenmacher in zwei Fällen eine unzutreffende Rechtsauskunft abgegeben haben. Woelki selbst wurde in dem Gutachten entlastet. Eigentlich wollte der Kardinal erst am kommenden Dienstag Konsequenzen aus dem Gutachten des Strafrechtlers Björn Gercke ziehen.

Kardinal Woelki sagte, in Köln hätten sich “höchste Verantwortungsträger”, darunter mit den Kardinälen Joachim Meisner und Joseph Höffner seine beiden Vorgänger, schuldig gemacht. “Sie haben nicht sanktioniert, sondern verzögert oder den Schutz der Betroffenen nicht beachtet.” Es spreche Bände, dass Laien in Köln bei Missbrauchsvorwürfen immer schnell und konsequent bestraft worden seien, Priester aber nicht – “das berührt mich und beschämt mich auch zutiefst”. Beide früheren Erzbischöfe von Köln sind bereits verstorben.

Gercke hatte zusammen mit seinem Team in den vergangenen Monaten die Kirchenakten von 1975 bis 2018 ausgewertet. Herausgekommen ist ein 800 Seiten starker Bericht, in dem erstmals ungeschwärzt auch die Namen von Verantwortlichen genannt werden.

Erzbischof Heße wirt Gercke elf Pflichtverletzungen im Zusammenhang mit der Aufarbeitung von Missbrauchsvorwürfen in Köln vor. Heße war vor seiner Berufung nach Hamburg Personalchef und Generalvikar in Köln. Die meisten Pflichtverletzungen stellte Gercke bei seinen Untersuchungen bei dem 2017 verstorbenen Kardinal Meisner fest.

Die Opfer waren demnach mehrheitlich Burschen. Bei 63 Prozent der Beschuldigten handle es sich um Kleriker. In knapp 32 Prozent der Fälle habe es sich um sexuellen Missbrauch gehandelt, in gut 15 Prozent um schweren sexuellen Missbrauch. Die anderen Fälle stuft Gercke unter anderem als Grenzverletzungen und sonstige sexuelle Verfehlungen ein.

Ein erstes Gutachten einer Münchner Kanzlei war vom Kölner Kardinal unter Verschluss gehalten worden, wofür er rechtliche Bedenken anführte. Dieses Verhalten Woelkis hatte eine Vertrauenskrise in der Erzdiözese ausgelöst. Der Erzbischof hat jüngst allerdings bereits vor Vorstellung des Gercke-Gutachtens angekündigt, aus den Ergebnissen umgehend Konsequenzen ziehen zu wollen. Das Erzbistum Köln ist mit rund 1,9 Millionen Katholiken die größte Diözese im deutschsprachigen Raum.

Von: APA/AFP/dpa

Kommentare

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12 Kommentare auf "Hamburgs Erzbischof bietet in Missbrauchsaffäre Rücktritt an"


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Gscheida
Gscheida
Superredner
24 Tage 22 h

Schafft endlich das Zölibat ab! 
Wir schreiben das Jahr 2021!

Faktenchecker
24 Tage 17 h

Und dann dürfen die mit Kindern? Mach mal Dein Hirn an.

kleinerMann
kleinerMann
Universalgelehrter
24 Tage 22 h

Urbi et orbi . . solche Bistümer gehören aufgelassen und keiner der Beschuldigten darf je wieder in Kontakt mit Kindern kommen ! Es lebe die Kirche – amen !

Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
24 Tage 21 h

Der Organisation gehört der Geldhahn abgedreht. Deren Mit”glieder” dürfen nicht in die Nähe von Kindern kommen.

eisern
eisern
Tratscher
24 Tage 22 h

Ich weiß echt keine Antwort auf die Frage meiner Tochter warum sie noch Kirchensteuer zahlen soll. Zum Glück ist Glauben nicht gleich Kirche.

Gustl64
Gustl64
Tratscher
24 Tage 20 h

Was hat der Zölibat mit Kindesmissbrauch zu tun? Eine solche abartige Sexualität kann auch bei verheiratetn Männern und Frauen vorkommen. Entweder man ist so oder man ist es nicht. Wenn schon müsste man die Priestetamtskandidaten vor ihrer Weihe auf Herz und Nieren prüfen!

Trina1
Trina1
Universalgelehrter
24 Tage 13 h

Gustl da stimme ich dir zu !

Offline
Offline
Universalgelehrter
24 Tage 19 h

Die (ganz) Oberen der katholischen (Amts) Kirche spielen wie gehabt ihr “Lieblingsspiel” Schach und opfern ein paar♟♟

wellen
wellen
Universalgelehrter
24 Tage 14 h

Die katholische Kirche nimmt zunehmend die Eigenschaften einer Sekte an. Nicht mehr ernst zu nehmen

Andreas1234567
Andreas1234567
Universalgelehrter
24 Tage 14 h
Hallo zum Abend, was der Menschheit ihre Pandemie ist der Kirche ihr Kirchensteuerschwund. Da kommt dann hektische Betriebsamkeit auf.. Bitte aber das allgemeine Eindreschen auf “die Kirche” zu unterlassen, vielen Menschen bietet Kirche Halt und Orientierung, oft schon nur wenn sie still in der Kirchenbank Zwiesprache und Fürbitte halten. Ich bin mir sicher die kleinen Kirchenleute vom Dorfpfarrer abwärts haben in überwältigender Mehrheit Respekt verdient, ich mag es nicht als Tagesgeschäft haben Sterbenden ihre Hand zu halten, an die Pforte von Häusern zu klopfen um Familien mitzuteilen Sohn/Tochter kommt nach Unfall/Verbrechen nicht mehr heim. Dafür braucht es Schneid.. Selbst habe… Weiterlesen »
jack
jack
Universalgelehrter
24 Tage 13 h

abschaffen sofort.
und priester als beruf für jedermann(frau)

Onkel Pepe
Onkel Pepe
Neuling
24 Tage 17 h

jo jo, do Woelki🤔

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