Die Lage auf der Insel Rhodos hat sich am Mittwoch leicht entspannt

Heftige Brände toben in weiten Teilen Südeuropas

Mittwoch, 26. Juli 2023 | 18:37 Uhr

Während die Waldbrände in Griechenland am Mittwoch allmählich unter Kontrolle gebracht werden konnten, hat sich die Lage in weiten Teilen Südeuropas weiter verschärft. Auf der französischen Insel Korsika wurden über 200 Hektar Land zerstört. Auch in Kroatien und Portugal brachen Feuer aus. Doch vor allem Italien ist schwer betroffen. In Sizilien starben drei Menschen, ein weiteres Todesopfer wurde aus Kalabrien gemeldet.

Österreicher hielten sich am Mittwoch in keiner der betroffenen Regionen auf, erklärte das Außenministerium am Nachmittag auf APA-Anfrage. Der Krisenstab sei nun jedoch auch auf Italien, Kroatien, Portugal und die Türkei ausgeweitet worden, hieß es. Das Ministerium verwies am Mittwoch auch erneut auf die Reiseregistrierung und rief Urlauber auf diesen Service zu nutzen. “Beispielsweise sind aktuell nur 46 österreichische Urlauberinnen und Urlauber in Kroatien beim Außenministerium reiseregistriert”, sagte eine Sprecherin mit Verweis auf Zahlen aus Kroatien. “Der kroatische Tourismusverband schätzt hingegen, dass sich derzeit rund 68.000 Touristen aus Österreich im Land aufhalten.” In ganz Italien seien nur knapp 270 österreichische Reisende registriert, hieß es weiter.

In Sizilien sind die Behörden bereits den dritten Tag in Folge im Löscheinsatz. Besonders betroffen sind das Umland von Palermo. Dort wurden am Mittwoch zwei Leichen in einer Hütte in Cinsi unweit des Flughafens gefunden. Dabei handelt es sich um ein älteres Ehepaar. Zudem starb am Dienstag eine ältere Frau in Palermo, weil ein Rettungswagen nicht zu ihr fahren konnte. Die Feuerwehr war am Mittwoch nach eigenen Angaben mit über 3.000 Feuerwehrleuten und Löschflugzeugen im Einsatz.

Ebenfalls betroffen sind Apulien sowie Kalabrien, auch dort wurde ein Todesopfer gemeldet. Die italienische Regierung will bei einer am Ministerratssitzung am Mittwochnachmittag den Ausnahmezustand verhängen. Zudem plant die Regierung härtere Strafen für Brandstifter. Der italienische Zivilschutz geht davon aus, dass ein Großteil der Brände durch fahrlässiges oder vorsätzliches Verhalten ausgelöst wurde.

Davon wird auch auf der französischen Insel Korsika ausgegangen. Dort wurden 200 Hektar Land vernichtet das Kloster Corbara im Norden der Insel geräumt. Der Präsident des korsischen Exekutivrats, Gilles Simeoni, schrieb auf Twitter, zwei Feuer seien durch Brandstiftung entstanden. Französischen Medienberichten zufolge hatte es zunächst zwei Brände unweit voneinander gegeben, die sich später zu einem Feuer entwickelt hätten.

In Portugal wurden bei einem Waldbrand nahe des Ferienorts Sintra acht Einsatzkräfte leicht verletzt. Das Feuer sei am Dienstagabend ausgebrochen, teilte der Katastrophenschutz am Mittwoch mit. Mehrere Anrainerinnen und Anrainer und 800 Tiere wurden demnach vorsorglich in Sicherheit gebracht und die Autobahn für einige Stunden gesperrt. In der Nacht gelang es Feuerwehrleuten, den Brand weitgehend unter Kontrolle zu bringen. Schäden an Gebäuden gab es keine.

In Kroatien kämpften etwa 130 Feuerwehrleute gegen einen Waldbrand in der Nähe der Küstenstadt Dubrovnik. Die Flammen seien bis auf etwa zwölf Kilometer an die historische Innenstadt Dubrovniks herangekommen. Nach Medienberichten wurden durch die Brände Explosionen von Landminen ausgelöst, die sich seit dem Bürgerkrieg nach dem Zerfall Jugoslawiens im Boden befanden.

In Griechenland konnten die Brände am Mittwoch in allen Landesteilen unter Kontrolle gebracht werden. Wegen der Hitze bleibe die Brandgefahr jedoch extrem hoch, warnten der Zivilschutz und das Wetteramt. “Die Gefahr ist noch nicht vorbei”, sagte ein Sprecher der Feuerwehr im Staatsradio. Seit dem 12. Juli waren in ganz Griechenland rund 500 Wald- und Buschbrände ausgebrochen, wie er hinzufügte. Das meteorologische Amt warnte am Mittwoch vor Temperaturen von bis zu 46 Grad. Die Waldbrandgefahr bleibe extrem hoch.

In den vergangenen Stunden war es der griechischen Feuerwehr und Tausenden Helfern gelungen, das beliebte Feriendorf Gennadi im Südosten der Insel Rhodos zu retten. Auf Rhodos waren am Mittwoch etwa 270 Feuerwehrleute, drei Hubschrauber und zwei Flugzeuge im Einsatz. Dort brennt es mittlerweile den neunten Tag in Folge, rund 20.000 Menschen wurden seit dem Wochenende evakuiert – darunter 100 Österreicher. Verzweifelte Mitarbeiter von betroffenen Hotels und Restaurants warfen den Behörden Versagen vor.

Auf Korfu im Nordwesten des Landes gebe es nur noch zerstreute Brandherde. Auch auf der Insel Euböa entspannte sich die Lage. Nach Angaben der griechischen Regierung kämpfte die Regierung in den vergangenen zwölf Tagen gegen 600 größere Brände im ganzen Land.

Das EU-Erdbeobachtungsprogramm Copernicus teilte am Mittwoch mit, dass die Rauch-Emissionen durch die Waldbrände in Griechenland die höchsten in diesem Zeitraum seit 21 Jahren seien. Es schätzte die Kohlenstoff-Emissionen zwischen dem 1. und 25. Juli auf insgesamt rund eine Megatonne. Das sei fast doppelt so viel wie im Rekordjahr 2007.

Von: APA/dpa/AFP