Das Urteil ist rechtskräftig

Hepatitis-C-kranke Frau biss Polizisten: Haftstrafe

Montag, 10. April 2017 | 16:05 Uhr

Eine 31-jährige Salzburgerin, die an der ansteckenden Krankheit Hepatitis-C leidet und am 20. Februar nach einem versuchten Ladendiebstahl einem Polizisten in die Hand gebissen hat, ist am Montag am Landesgericht Salzburg zu 15 Monaten teilbedingter Haft verurteilt worden. Der unbedingte Strafanteil beträgt fünf Monate. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

Ob der 28-jährige Beamte tatsächlich infiziert worden ist, ist bis heute unklar. Es würden bereits zwei Laboruntersuchungen vorliegen, die alle negativ seien, doch erst nach dem dritten Test am 24. Mai gebe es Gewissheit, sagte der betroffene Polizist am Montag zu Strafrichter Christian Hochhauser.

Eine Reihe von Delikten warf Staatsanwalt Tomas Schützenhofer der Angeklagten vor: Die Palette reicht von vorsätzlicher Gefährdung von Menschen durch übertragbare Krankheiten über versuchtem Diebstahl und versuchter Nötigung bis zum Widerstand gegen die Staatsgewalt. Die Obdachlose wollte aus einer “Billa”-Filiale in der Stadt Salzburg einen Eierlikör stehlen. Ein Mitarbeiter lief ihr vor das Geschäft nach. Ein benachbarter Trafikant, der die Szene mit seinem Handy filmte, handelte sich von der aufgebrachten Frau zwei Ohrfeigen und einen Fußtritt ein. Er blieb unverletzt.

Die Salzburgerin wehrte sich auch gegen ihre “Verbringung” mit dem Streifenwagen zur Einvernahme in die Polizeiinspektion Maxglan. Sie stieß Drohungen gegen den Polizisten und seine Kollegin aus und kratzte und biss dem 28-Jährigen in den Handrücken. Der Verdächtigen mussten Hand- und Fußfesseln angelegt werden. Sie habe geschrien, “ihr werdet euch noch anschauen, was ihr davon habt, ich habe Hepatitis C”, schilderten die zwei Beamten im Zeugenstand.

Doch die Frau konnte sich an ein Beißen nicht erinnern. “Wenn jemand zu Schaden gekommen ist, dann tut es mir leid. Ich war in einer Ausnahmesituation. Ich wollte nicht verhaftet werden”, erklärte sie dem Richter. Ihre Verteidigerin verwies auf eine “drogenindizierte Psychose”, an der die Obdachlose leide. Laut neuro-psychiatrischem Gutachten war die 31-Jährige zur Tatzeit eingeschränkt zurechnungsfähig.

Dem Urteil zufolge muss die Angeklagte dem Polizisten 500 Euro Teilschmerzengeld zahlen. Die Strafdrohung reichte bis zu drei Jahren Haft. Die Frau ist bereits sechsmal vor Gericht gestanden. Die Bewährungshilfe wurde weiterhin auf fünf Jahre angeordnet. Die Salzburgerin wolle sich in einer Therapieeinrichtung stationär behandeln lassen, sagte die Bewährungshelferin.

Von: apa

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