Seit 11. Jänner wurden 50 Personen wegen Masern-Verdachts behandelt

Heuer bisher rund 50 Masernbehandlungen am LKH Graz

Mittwoch, 30. Januar 2019 | 17:07 Uhr

Nach einem Masernfall am 11. Jänner in der Grazer Kinderklinik-Ambulanz haben die Ärzte bisher rund 50 Patienten wegen des Virus behandelt. Die Sanitätsdirektion zählte bis Mittwochmittag 14 gemeldete, davon zwölf bestätigte Erkrankungen – darunter auch Säuglinge, die stationär in der Kinderklinik versorgt wurden.

In der oststeirischen Volksschule Anger haben 26 ungeimpfte Kinder Schulverbot bekommen, nachdem ein Schüler erkrankt war. Die bisher vom LKH Graz entlassenen Kinder waren einer Therapie mit Immunglobulinen unterzogen worden. Diese soll einen Ausbruch zu 83 Prozent verhindern. Die Zahl der Patienten, die in der Kinderklinik großteils vorsorglich mit dieser “passiven Impfung” behandelt werden, variiere täglich. Nachdem von 28 Säuglingen, die am Montag und Dienstag wegen Masernverdachts therapiert wurden, bis Mittwoch wieder 27 entlassen wurden, kamen fünf neue Verdachtsfälle dazu, schilderte Klinikvorstand Ernst Eber beim Pressegespräch. Sie wurden am Mittwoch in die Klinik geholt. Der Kinderklinikvorstand schilderte, dass allein 22 der Säuglinge in einer Kinderarztpraxis im Raum Hartberg die mögliche Ansteckung erfahren haben.

Unklar sei laut Eber immer noch, wo sich der 15-Jährige angesteckt hatte, der am 11. Jänner in die Kinderklinik-Ambulanz kam. Die Spur führe zu einem Skiurlaub nach Salzburg, aber das sei nicht sicher. Der Jugendliche war jedenfalls nicht geimpft – ebenso sein Vater.

Wie viele Fälle nun noch kommen könnten, sei laut dem Mediziner schwierig hochzurechnen, weil oft der Zufall entscheide. Um weitere Ansteckungen weitgehend ausschließen zu können, sei eine Herdenimmunität von 95 Prozent nötig, diese gibt es derzeit aber in der Steiermark nicht. “Es wäre ein großes Glück, wenn das nun das Ende wäre, aber wir rechnen nicht damit”, sagte er. Laut Werner Zenz, Experte für Infektionskrankheiten in der Pädiatrie, liegt die Durchimpfungsrate für die erste Impfung in der Steiermark derzeit bei 89 Prozent, für die zweite Impfung bei 79 Prozent.

Zenz betonte, dass die Masern als “hoch ansteckende Krankheit” gelten. Die Ursache liegt in besonders kleinen Tröpfchen, die von infizierten Menschen etwa beim Husten in den Raum ausgestoßen werden und dort wegen ihrer kleinen Größe in der Luft bleiben. Im Schnitt stecke ein Patient zwölf bis 18 andere Personen an. Schon ein Luftzug reiche, um die Tröpfen durch den Gang in andere Bereiche zu transportieren. Laut Statistik stirbt jeder tausendste Patient an Masern. Bei 80.000 Neugeborenen pro Jahr würde das bei einer Impfrate von null Prozent 80 Tote pro Jahr bedeuten, veranschaulichte der Mediziner.

Der Experte erklärte, dass eine Impfung aus Solidaritätsgründen erfolgen sollte, denn sie schütze auch andere, wie etwa Säuglinge oder immunschwache Menschen, die nicht geimpft werden könnten. Er meinte, dass Masern bei einer hohen Durchimpfungsrate ausgerottet werden könnten und dann vielleicht tatsächlich keine Impfungen dagegen mehr nötig seien. 95 Prozent seien dafür nötig. Eine Maßnahme, um das zu erreichen, könnte das australische Modell sein: Dort werden Unterstützungsleistungen gekürzt, wenn Kinder nicht geimpft sind. Die Politik sei nun gefragt.

Zenz räumte mit Impfmythen auf: “Die Masern sollen ja angeblich nach dem Ausbruch der Krankheit günstige Effekte haben, etwa Schutz vor Asthma und eine bessere Entwicklung. Das alles wurde wissenschaftlich mehrfach widerlegt. Die Impfung führt auch nicht zu Autismus, wie oft behauptet. Im Gegenteil: Die Masernerkrankung führt bis zu drei Jahre danach zu einem schwächeren Immunsystem und kann dadurch leichter zu Todesfällen durch andere Krankheiten führen.”

Die Maßnahme der BH Weiz für Anger hält Klinikvorstand Eber für sinnvoll: “Das Kind hat mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit alle anderen nicht geimpften Mitschüler angesteckt.” Dass sehr viele Kontakte von Infizierten überprüft werden müssten, unterstreiche eine Zahl: Eine einzige Patientin mit Masern, die am LKH behandelt wird, habe bereits 51 Kontakte. Es reiche bereits, wenn diese im selben Raum waren. Von diesen 51 waren zehn noch kein Jahr alt.

Marianne Wassermann-Neuhold von der steirischen Landessanitätsdirektion schilderte am Mittwoch im APA-Gespräch, dass bei ihr 14 gemeldete Masern-Fälle auflägen. Von diesen seien mittlerweile zwölf bestätigt. Bei zweien – ein Fall war erst am Dienstag bekannt geworden – waren Mittwochmittag noch die Ergebnisse der Untersuchungen ausständig. Unter den bestätigten Fällen sind drei erst im Jahr 2018 geborene Babys, bei denen eine Impfung vorher nicht möglich war. Bei den anderen Masern-Infektionen handelt es sich um Kinder, die eigentlich schon geimpft sein sollten. Außerdem hat sich auch eine 34-jährige Mutter angesteckt.

Von: apa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Heuer bisher rund 50 Masernbehandlungen am LKH Graz"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
denkbar
denkbar
Kinig
19 Tage 14 h

Je weniger geimpft, umso mehr Kinderkrankheiten. Eine einfache Logik

Dublin
Dublin
Kinig
18 Tage 23 h

…passt den notorischen Impfgegnern aber nicht…
😢

super
super
Grünschnabel
19 Tage 14 h

Eltern sein heißt auch Verantwortung übernehmen. Deshalb impft eure Kinder(wenn möglich), oder übernehmt die Verantwortung für den Ausbruch von Masern bei euren Kindern oder deren Mitschüler/innen.

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