Frankreich und Großbritannien vor Temperatur-Rekorden

Hitzerekorde in mehreren europäischen Ländern erwartet

Montag, 18. Juli 2022 | 15:28 Uhr

Mit dem Hoch “Jürgen” kommt die Hitzewelle, die in Südeuropa seit Tagen für Rekordwerte und Brände sorgt, auch nach Österreich zurück. Mit bis zu 37 Grad, die bis Mitte der Woche angesagt werden, wird sich die Trockenheit in einigen Regionen des Landes verschärfen. Noch sei die Lage dank des feuchten Juni nicht dramatisch, aber die Waldbrandgefahr werde in den kommenden Tagen ansteigen, sagte Mortimer Müller vom Institut für Waldbau der Universität für Bodenkultur am Montag.

Relativ gesehen sei die Brandgefahr im Flachland Ostösterreichs am höchsten, da dort aber nur wenig Waldflächen zu finden sind, bedeute das eher eine hohe Flurbrandgefahr. “Der Alpenostrand in Niederösterreich mit seinen Schwarzkiefernbeständen ist derzeit am meisten durch Waldbrände gefährdet”, sagte der BOKU-Experte gegenüber der APA. Der Neusiedler See hat bereits Montag den tiefsten Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen 1965 erreicht.

Inmitten der extremen Hitzewelle mit zahlreichen Waldbränden in Südeuropa ist ein spanischer Feuerwehrmann bei einem Einsatz gestorben, in der Nähe der Ortschaft Escober de Tábara in der Provinz Zamora sei zudem ein 69-jähriger Schäfer tot aufgefunden worden, teilten die örtlichen Behörden am Montag mit. Spanien leidet seit einer Woche unter einer massiven Hitzewelle mit Temperaturen von bis zu 44 Grad, am Montag waren noch 22 Feuer aktiv, wie der Zivilschutz mitteilte. Besonders betroffen waren die Regionen Extremadura im Westen, Galicien im Nordwesten, Kastilien und León im Zentrum sowie Katalonien im Nordosten des Landes.

In Frankreich und Großbritannien sind für Montag Rekordtemperaturen vorausgesagt. In Frankreich gilt am Montag für 15 von 101 Départements die rote Warnstufe für Hitzewelle. Betroffen ist vor allem die Atlantikküste, erstmals auch die Bretagne. Es könnte einer der heißesten Tage in der Geschichte des Landes werden. In der Hälfte Frankreichs werden Höchsttemperaturen zwischen 38 und 40 Grad erwartet.

Die seit Tagen wütenden Waldbrände sind noch immer nicht gelöscht. Südlich von Bordeaux am Bassin d’Arcachon sind bereits 15.000 Hektar abgebrannt, vor allem Pinienwälder. Im Ort Teste-de-Buch gelangte das Feuer bis zum Atlantikstrand. Wegen der anhaltenden Waldbrände an der südfranzösischen Atlantikküste mussten nach Angaben der Präfektur für die Gironde etwa 8.000 Menschen ihre Häuser verlassen. Bei Landiras wurden zunächst 3.500 Menschen in Sicherheit gebracht, am Montagnachmittag begann dann die Räumung weiterer Gemeinden. Bereits zuvor waren wegen der seit Dienstag wütenden Brände in dem Gebiet mehr als 16.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Die beiden Feuer südlich von Bordeaux griffen am Montag weiter um sich.

Britische Meteorologen rechnen am Montag mit Temperaturen über 40 Grad. Dies würde den bisherigen Rekord von 38,7 Grad 2019 deutlich übertreffen. “Uns stehen schwierige 48 Stunden bevor”, sagte Staatssekretär Kit Malthouse dem Nachrichtensender BBC. Angesichts der Hitze hat die Regierung in London die nationale Notlage ausgerufen. Diese Warnstufe wird nach Angaben des britischen Wetteramtes nur dann angekündet, wenn Krankheiten und Todesfälle auch bei gesunden Menschen und nicht nur bei Risikogruppen auftreten. Premierminister Boris Johnson schwänzte eine Krisensitzung zu dem Thema, sein Stellvertreter Dominic Raab rief dazu auf, den Sonnenschein zu “genießen”.

In der Nähe von Madrid war am Sonntag ein 50 Jahre alter Mann auf offener Straße an einem Hitzschlag gestorben. Seine Körpertemperatur war auf 40 Grad gestiegen. Am Vortag war bereits ein Angestellter der Straßenmeisterei an einem Hitzschlag gestorben.

Neben immer wieder aufflammenden Waldbränden macht Italien auch der ausbleibende Regen zu schaffen. Auf Sizilien und Sardinien hoben die Behörden die Waldbrand-Warnstufen in manchen Teilen der Inseln erneut an. Auf Sizilien gilt örtlich bereits die höchste Stufe drei. Schwere Brände tobten am Montag im friaulischen Karstgebiet in den Provinzen von Görz (Gorizia) und Triest. 350 Hektar Wald wurden zwischen Italien und Slowenien zerstört. Am Freitag war in einem bewaldeten Randgebiet in der Badeortschaft Bibione bei Venedig ein großes Feuer ausgebrochen, das inzwischen gelöscht ist.

Auch die griechische Feuerwehr schätzt das Risiko für Waldbrände in vielen Landesteilen weiterhin als “sehr hoch” ein. Am Montag seien vor allem die Region Attika mit der Hauptstadt Athen sowie die Inseln Euböa, Kreta, Lesbos und Samos und der Nordosten der Halbinsel Peloponnes betroffen. Schwierigkeiten bereiten vor allem die teils starken Winde, die in der Ägäis wehen – sie können ein fast ersticktes Feuer im Nu wieder anheizen und vorantreiben. In Portugal kämpften am Sonntagabend unterdessen insgesamt rund eintausend Einsatzkräfte gegen 16 aktive Waldbrände. Nach Angaben der Naturschutzbehörde ICNF vernichteten die Flammen in Portugal in einer guten Woche rund 30.000 Hektar Wald.

In beiden Ländern der iberischen Halbinsel gab es in Erwartung sinkender Temperaturen Grund zur Hoffnung. In Portugal wollte die Regierung deshalb den zum Montag auslaufenden “Estado de contingência”, den dritthöchsten Notstand, nach einer Woche vorerst nicht verlängern. “In den kommenden Tagen wird ein Temperaturrückgang zwischen zwei und acht Grad erwartet”, erklärte Innenminister José Luis Carneiro. In Spanien werde die Hitzewelle, die praktisch das gesamte Land seit neun Tagen überrollt, zwischen Montag und Dienstag zu Ende gehen, teilte der nationale Wetterdienst Aemet mit.

Von: APA/dpa/AFP/Reuters

Kommentare

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10 Kommentare auf "Hitzerekorde in mehreren europäischen Ländern erwartet"


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falschauer
26 Tage 20 h

was heuer im vergleich zu anderen jahren völlig abweicht, sind die ausbleibenden gewitter, welche sich bei so einer hitze und schwüle zusammengebraut haben….irgendetwas ist in der atmosphäre aus dem gleichgewicht geraten, der letzte ausgiebige niederschlag liegt bereits monate zurück, trockenheit, wasserknappheit und ernteausfälle sollten uns schon zu denken geben, man sollte eigentlich darauf agieren um nachher nicht reagieren zu müssen

Pacha
Pacha
Universalgelehrter
26 Tage 16 h

@falschauer…… im Jahre 2003 hatten wir einen ähnlichen Sommer mit sehr hohen Temperaturen und lang anhaltender Trockenheit, daran wirst du dich wohl noch erinnern können. Der einzige Unterschied ist, daß man damals einen kühlen Kopf bewahrte und sich niemand auf die Fahrbahn klebte.
Übrigens habe ich erst kürzlich eine alte Weinbauernweisheit gelesen: “im Juli muß vor Hitze braten, was im September soll geraten”. Also auf einen guten Jahrgang 🍷, obwohl der Jahrgang 2004 dann doch der Bessere wahr. 😅

falschauer
26 Tage 15 h
@Pacha hast du meinen beitrag nicht gelesen, es hat vor monaten das letzte mal geregnet, gebirgsbäche trocknen aus, fischteiche müssen ausgefischt werden, nicht einmal deine theorie was den wein anbelangt stimmt, zu warme temperaturen haben einen hohen zuckergehalt der trauben zur folge, sodass die weine wie in den letzten jahren einen viel zu hohen alkoholgehalt haben und FÜR MICH untrinkbar sind, ihnen fehlt die trinkigkeit, die mineralität, die finesse….ich finde die verharmlosung des klimawandels nicht in ordnung, aber jeder soll darüber denken wie er meint, ist nur komisch, dass es im großen und ganzen diesselben sind welche auch corona belächelt… Weiterlesen »
falschauer
26 Tage 14 h

@Pacha

falschauer
26 Tage 5 h

@Pacha

pacha du hast offensichtlich mit der realität ein problem, das was ich mit meinen eigenen augen sehe hat nichts mit panikmache zu tun, du bist doch ein intelligenter mensch enttäusche mich doch nicht, dieses foto habe ich am letzten samstag gemacht, dieser gebirgsbach führte alle jahre jede menge wasser, nun ist er völlig ausgetrocknet uns solche trockene flussläufe gibt es in südtirol hunderte, bilden wir uns das alles nur ein?

OH
OH
Superredner
26 Tage 21 h

Wann wird’s Mal wieder richtig Sommer, ein Sommer wie er früher einmal war ……… . 😂

falschauer
26 Tage 20 h

dieses lied von rudi carrell hat wenig bis gar nichts mit dem jetzigen wetterlage zu tun, denn in den siebziger jahren hat es im norden der alpen im sommer meistens geregnet, auf jeden fall war es wesentlich kühler als heute, aus diesem grund ist dieses lied 1975 veröffentlicht worden….wer sich heute mehr sommer wünscht den kann ich beruhigen, denn es wird zusehends wärmer und trockener werden, so dass der nächste hit sicherlich “wann wird es wieder richtig winter” heißen wird

saltner
saltner
Grünschnabel
26 Tage 23 h

Über 90% der Woldbrände sein onscheinend menschengmocht –
lei 4% sein natürlichen Ursprungs, dio boia. 🐒

falschauer
26 Tage 20 h

gott hat damit überhaupt nichts zu tun, “boaro che non sei altro”

meinungs.freiheit
meinungs.freiheit
Superredner
26 Tage 23 h

Südeuropa braucht Investitionen im Bereich Strategie, Löschwasser, Technik und Aufforstung um in Zukunft gerüstet zu sein.

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