Hochwasser in St. Veit an der Glan

Hochwassersituation entspannt sich langsam

Dienstag, 19. November 2019 | 18:28 Uhr

Nach den heftigen Unwettern der vergangenen Tage hat sich die Hochwassersituation in Kärnten, Osttirol, der Steiermark und Salzburg am Dienstag leicht entspannt, die erwarteten weiteren Niederschläge sollten keine wesentlichen Pegelanstiege mehr bringen. In Osttirol waren am späten Dienstagnachmittag noch 350 Haushalte ohne Strom.

In Kärnten gab es vor allem im Bezirk Spittal/Drau weiter zahlreiche Straßensperren. Besonders stark betroffen war weiterhin das Mölltal, wo auch zahlreiche Schulen geschlossen blieben. Die Lawinengefahr war laut dem Lawinenwarndienst sehr hoch. Von der Außenwelt abgeschnitten war Mallnitz, das nur aus der Luft versorgt werden konnte. In den Bezirken Hermagor und St. Veit/Glan war Aufräumen angesagt, die Schäden durch Überflutungen und Vermurungen sind vorerst nicht abschätzbar. In Gurk wurde im Ortsteil Sandboden am Vormittag die Evakuierung der Häuser aufgehoben, nachdem der Pegel der Gurk zurückgegangen war.

Mit weiteren Hochwassern rechnet der hydrografische Dienst nicht, zumindest nicht bei den großen Flüssen des Landes. “Die Niederschlagsfront, die seit Dienstagnacht über Kärnten hinweg zieht, sollten zu keiner wesentlichen Erhöhung der derzeitigen Spitzenabflüsse bzw. der Wasserstände führen”, sagte Johannes Moser von der Hydrografie. Laut Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik war in Oberkärnten mit 20 bis 50 Liter Niederschlag pro Quadratmeter zu rechnen. Die Schneefallgrenze lag nachts bei 1.300 Meter, im Tagesverlauf stieg sie deutlich an. Probleme mit hohen Grundwasserständen, hohen Seewasserständen und Hangrutschungen bleiben aufrecht. Vor allem Faaker See, Millstätter See und Pressegger See bei Hermagor bleiben laut Prognosen in den kommenden Tagen besonders hoch.

Im Mölltal waren Pioniere des Bundesheeres im Einsatz, um die Bundesstraße wieder freizubekommen. Der Zivilschutzalarm in Obervellach im Bezirk Spittal an der Drau wurde aufgehoben. Wie der Landespressedienst mitteilte, werden deshalb Schulen und Kindergärten in der Gemeinde am Mittwoch wieder arbeiten. Damit war der Zivilschutzalarm am Dienstagabend noch in drei Kärntner Gemeinden aufrecht, nämlich in Reißeck, Berg im Drautal und Feld am See. Für Flattach galt weiterhin eine Zivilschutzwarnung. Die Volksschulen in Lind im Drautal, Berg im Drautal, Stall, Heiligenblut und Flattach bleiben auch am Mittwoch noch geschlossen.

Die Drau-Stauseen wurden unterdessen am Dienstag nach und nach wieder aufgestaut. Wie der Kraftwerksbetreiber Verbund in einer Aussendung mitteilte, war es gelungen, die gesamte Hochwasserspitze in den Stauseen aufzufangen. Vor den ersten Niederschlägen am Wochenende wurde etwa der Pegel im 24 Kilometer langen Völkermarkter Stausee um 4,5 Meter abgesenkt.

“Der Völkermarkter Stausee füllte sich in der Funktion als Sicherheitspuffer für Lavamünd innerhalb von zwei Tagen wieder bis auf 1,6 Meter unter Normalniveau auf”, hieß es vom Verbund. Gerade in Lavamünd, das immer wieder von schweren Hochwassern getroffen wurde, herrschte große Sorge wegen der massiven Regenmengen. In der Nacht auf Sonntag hatte die Drau bis zu 1.700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde geführt, es wurde aber stets weniger als 1.350 Kubikmeter pro Sekunde in Richtung Lavamünd und Slowenien weitergegeben. Zeitweise wurden mehr als 500.000 Liter Wasser pro Sekunde im Stausee zurückgehalten.

Da der Pegel der Drau an allen Messstellen wieder deutlich unter die Warngrenzen gefallen ist, wurde am Dienstag mit dem langsamen Wiederaufstau der großen Stauseen bei den Kraftwerken Rosegg, Feistritz im Rosental und Edling bei Völkermarkt begonnen. Dieser Vorgang sollte bis Donnerstag abgeschlossen sein.

Die Kärntner Landesregierung will unterdessen für die Opfer der aktuellen Unwetterkatastrophe ein Soforthilfepaket schnüren. Landesrat Daniel Fellner (SPÖ) kündigte am Dienstag vor Journalisten an, dass für akute Schäden an privaten Gebäuden 1.000 bis 5.000 Euro möglichst unbürokratisch an die Betroffenen ausgezahlt werden. Der Topf soll mit insgesamt 500.000 Euro befüllt werden.

In Osttirol wurde auch am Dienstag intensiv an den Folgen des Unwetters gearbeitet. Am späten Nachmittag waren in Osttirol noch 350 Haushalte ohne Strom, teilte die Tinetz auf APA-Anfrage mit. Während viele Täler wieder ans Netz gingen, blieben das Tauerntal und Teile des Lesachtales vorerst wohl noch ohne Stromversorgung.

Indes blieben in Osttirol nach wie vor viele Straßen gesperrt. So etwa die Felbertauernstraße von Matrei bis Mittersill, die Sankt Veiter Straße, die Villgratentalstraße oder die Defereggentalstraße ab Huben.

In der Nacht auf Mittwoch dürften laut ZAMG in Osttirol Schneefall und Schneeregen allmählich aufhören. Am Mittwoch sollte es weitgehend trockend blieben.

Das Land Tirol stellte am Dienstag nach der Regierungssitzung eine erste Kosteneinschätzung an: Das Unwetter soll einen Schaden von zehn Millionen Euro verursacht haben. Vor allem im Forstbereich verzeichne man “massive Schäden”, hieß es. Das Land stellt nun Mittel aus dem Katastrophenfonds zur Verfügung, die sowohl für die Aufräumarbeiten als auch für die Behebung privater Schäden eingesetzt werden sollen.

“Massive Schäden” verzeichne man vor allem im Forstbereich, berichtete Landeshauptmannstellvertreter Josef Geisler (ÖVP). Rund 150.000 Kubikmeter Schadholz habe das Unwetter gefordert. Weil der Boden noch nicht gefroren war, seien zahlreiche Bäume unter der Schneelast umgeknickt. Zudem gestalten sich die Einzelentnahmen dieser Bäume schwierig.

Auch in der Steiermark entspannte sich die Lage am Dienstag. Jene 50 Bewohner, die in Predlitz im Bezirk Murau am Wochenende ihre Häuser verlassen mussten, durften wieder zurück. Nun heißt es aufräumen: Verklausungen müssen beseitigt werden, damit bei weiterem Niederschlag die Wassermassen wieder frei abfließen können. Einzelne Straßen blieben weiterhin gesperrt. In Graz wurden Sperren der Murpromenade teilweise wieder aufgehoben.

Im südlichen Teil Salzburgs waren am Dienstag die Aufräumarbeiten voll im Gang. Die massivsten Schäden dürfte es neben dem Gasteinertal im benachbarten Großarltal gegeben haben, sagte der Pongauer Katastrophenreferent Norbert Paßrucker im APA-Gespräch. Bad Gastein war auch am Dienstag weder auf der Straße noch per Bahn erreichbar, Paßrucker zeigte sich aber zuversichtlich, dass die Straßenverbindung im Lauf des Nachmittags wieder geöffnet werden kann. Neben Bad Gastein war am Dienstag auch die Gemeinde Hüttschlag im Großarltal weiterhin nicht erreichbar.

Von: apa

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