Hurrikan "Matthew" zog Spur der Verwüstung

Hurrikan “Matthew”: Fluten in den USA, Staatstrauer in Haiti

Sonntag, 09. Oktober 2016 | 16:50 Uhr

Nach seinem verheerenden Zug durch Haiti und die Südostküste der USA entlang hat sich Hurrikan “Matthew” weiter abgeschwächt. Er wurde am Sonntag zu einem Wirbelsturm heruntergestuft. Laut dem US-Hurrikan-Zentrum NHC bewegte sich “Matthew” zuletzt weiter Richtung Atlantik. Der Bundesstaat North Carolina wurde von Überschwemmungen geplagt. Haiti rief eine Staatstrauer für die Hunderten Opfer aus.

Der Sturm richtete am Wochenende in Florida, Georgia und South Carolina schwere Schäden durch Regen und Überschwemmungen an, die befürchtete Katastrophe war aber ausgeblieben. Bäume knickten um, Straßen waren unpassierbar. Mehr als zwei Millionen Haushalte waren zeitweise ohne Strom.

Am Samstag traf der Hurrikan in South Carolina erstmals direkt auf Land. Besonders schlimm erwischte es die traditionsreiche Stadt Charleston, die auch ein beliebtes Touristenziel ist. Hier hatten sich viele Straßen schon in Flüsse verwandelt, bevor “Matthew” an der Stadt vorbeischrammte. In Florida, wo der Sturm noch am Freitag gewütet hatte, begannen unterdessen schon die Aufräumarbeiten.

Mindestens elf Menschen starben, davon jeweils drei in Georgia und South Carolina sowie fünf in Florida, wie die “New York Times” unter Berufung auf Behördenangaben berichtete. Insgesamt waren in den vier betroffenen Bundesstaaten mehr als zwei Millionen Menschen aufgerufen worden, sich in Sicherheit zu bringen – die umfassendste Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm “Sandy” Ende 2012.

Die Zerstörungen durch Hurrikan “Matthew” in den USA dürften die Versicherungsbranche nach Schätzung von Experten eine Milliardensumme kosten. Der auf Risikoanalysen spezialisierte Versicherungsdienstleister CoreLogic beziffert die versicherten Schäden an Wohn- und Gewerbegebäuden auf etwa vier bis sechs Milliarden US-Dollar (3,6 bis 5,4 Mrd. Euro). Damit fällt die Schadensumme trotz starker Verwüstungen voraussichtlich deutlich geringer aus als bei anderen Wirbelstürmen seit der Jahrtausendwende.

In Haiti stellte sich die Lage wesentlich dramatischer dar. Dort kamen Hunderte Menschen ums Leben. Die haitianische Regierung ordnete eine dreitägige Staatstrauer bis Dienstag an. Diskotheken und andere Etablissements sollten geschlossen bleiben, die Flaggen auf halbmast gesetzt werden. Papst Franziskus sprach den Menschen im Katastrophengebiet sein Mitgefühl aus.

Zuvor hatte der Zivilschutz mitgeteilt, in dem schweren Wirbelsturm seien 336 Menschen ums Leben gekommen. Vier Menschen wurden demnach noch vermisst und 211 weitere verletzt. Mehr als 60.000 Menschen suchten Schutz in Notunterkünften. In verschiedenen Medien war zuletzt von rund 900 Todesopfern die Rede gewesen. Rettungskräfte vor Ort sagten, sie rechneten damit, dass die Zahl der Toten noch steigen werde.

Hurrikan “Matthew” hatte den Südwesten Haitis am Dienstag mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Häuser wurden zerstört, Bäume knickten um, Straßen wurden überschwemmt. Aus Angst vor Plünderungen hatten wohl zahlreiche Menschen ihre Häuser nicht verlassen. Die besonders stark betroffene Region im Südwesten wurde vom Rest des Landes abgeschnitten.

“Mehr als 1.800 Häuser wurden überflutet, Hunderte komplett zerstört”, sagte der Kommandant der UNO-Blauhelmmission Minustah, General Ajax Porto Pinheiro, nach einem Rundflug über das Gebiet. “Kokospalmen wurden entwurzelt, Bananenplantagen zerstört – es ist auch eine Umweltkatastrophe.” In der ländlichen Region leben die meisten Menschen von der Landwirtschaft.

Internationale Organisationen und die haitianischen Behörden schafften Hilfsgüter in die Region. Die US-Marineinfanterie flog am Samstag Lebensmittel des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen in die Städte Jeremie und Les Cayes. Blauhelmsoldaten versuchten, die Straßen in das Katastrophengebiet wieder freizumachen.

Nach Angaben der UNO brauchen mindestens 350.000 Menschen Hilfe. Die US-Entwicklungshilfeagentur USAID wollte über 480 Tonnen Hilfsgüter nach Haiti fliegen – darunter 40.000 Decken und 20.000 Hygiene-Sets. Kuba, Kolumbien und Venezuela schickten Material und Ärzteteams in das Katastrophengebiet. Ein Experte der Caritas Österreich brach am Sonntag nach Haiti auf, um dort lokale Kollegen zu unterstützen.

Von: APA/dpa