Hurrikan "Matthew" forderte zahlreiche Opfer

Hurrikan “Nicole” dreht von Bermuda-Inseln ab

Freitag, 14. Oktober 2016 | 06:46 Uhr

Der Hurrikan “Nicole” hat die Bermuda-Inseln weitgehend verschont. Der Wirbelsturm der Kategorie 2 drehte ab und entfernte sich von dem britischen Überseegebiet im Atlantik. Das Zentrum von “Nicole” lag am Donnerstagabend (Ortszeit) 285 Kilometer nordöstlich von Bermuda und bewegte sich mit einer Geschwindigkeit von gut 30 Kilometern pro Stunde Richtung Nordosten.

Die Ausläufer von “Nicole” richteten vereinzelte Schäden in Bermuda an. Mauern stürzten ein, Dächer wurden abgedeckt, Straßen und Häuser überflutet, wie die Zeitung “Royal Gazette” berichtete. Auf der Hauptinsel fiel teilweise der Strom aus. Geschäfte, Büros und Schulen sollten bis Freitag geschlossen bleiben. Airlines sagten ihre Flüge nach Bermuda ab, der Bus- und Fährverkehr wurde eingestellt.

In Haiti stieg eine Woche nach dem schweren Hurrikan “Matthew” die Zahl der Toten auf 546. 128 Menschen wurden noch vermisst, weitere 439 verletzt, wie der Zivilschutz am Donnerstagabend (Ortszeit) mitteilte. In verschiedenen Medien war von deutlich höheren Opferzahlen die Rede. Rettungskräfte sagten der Deutschen Presse-Agentur, die Zahl der Toten werde voraussichtlich noch steigen.

“Matthew” hatte Haiti am Dienstag vergangener Woche mit Windgeschwindigkeiten von 230 Kilometern pro Stunde getroffen. Zahlreiche Häuser wurden zerstört, Straßen und Felder überflutet. Nach Angaben der Vereinten Nationen brauchen 1,4 Millionen Menschen in dem bitterarmen Karibikstaat dringend Hilfe. Rettungskräfte warnten vor Cholera-Gefahr im Katastrophengebiet.

Die Verteilung der Hilfsgüter lief zunächst nur langsam an. In der Stadt Jeremie ist fast jedes Haus zerstört, die Menschen haben nichts zu essen. “Die Hilfsgüter erreichen uns nach und nach, aber die Verteilung ist eine riesige logistische Herausforderung”, sagte Holly Frew von der Hilfsorganisation Care.

Die US-Hilfsagentur USAID flog 480 Tonnen Hilfsgüter in die Region, aus Frankreich trafen zwei Transportflugzeuge mit Rettungskräften und Material in Haiti ein. Aufgrund der starken Beschädigung der Infrastruktur in der besonders stark betroffenen Region im Südwesten gelangten Lebensmittel, Wasser und Hygieneartikel allerdings nur langsam zu den Menschen.

“Es gibt hier Dörfer, die lassen sich nur per Helikopter oder Boot erreichen”, sagte Alexander Mauz vom Arbeiter-Samariter-Bund am Mittwoch nach einem Besuch im Süden. “Die Menschen sind verzweifelt. Sie haben ihre Häuser und ihre Ernte verloren. Auch eine Woche nach dem Sturm ist bei ihnen noch keine Hilfe angekommen.”

Der Hurrikan hat die Lebensgrundlage vieler Menschen zerstört. “In den am stärksten betroffenen Regionen leben die Menschen vor allem von der Landwirtschaft. Tausende haben ihre Existenzgrundlage verloren, weil 80 Prozent der Tiere und Pflanzungen vernichtet wurden”, sagte die Chefin der UN-Blauhelmmission Minustah, Sandra Honore. Nach der schnellen Nothilfe wollen internationale Hilfsorganisationen Saatgut verteilen.

Angesichts der aktuellen Lage in dem Karibikstaat setzten die USA die Abschiebung illegal eingereister Haitianer vorerst aus. An der grundsätzlichen Haltung der Vereinigten Staaten habe sich allerdings nichts geändert, sagte Heimatschutzminister Jeh Johnson. Ende September hatten die USA damit begonnen, Haitianer ohne Papiere in ihre Heimat abzuschieben.

In Haiti wächst unterdessen die Angst vor Cholera. 510 Infektionen wurden bereits registriert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schickte eine Million Impfdosen gegen Cholera in das Katastrophengebiet. Allerdings müssten noch weitere Schritte gegen die Ausbreitung der Seuche unternommen werden, teilte die WHO mit. “Das Wichtigste ist, die Menschen mit sauberem Trinkwasser zu versorgen und die Abwasserentsorgung zu verbessern”, sagte WHO-Cholera-Experte Dominique Legros.

Bei einer Cholera-Epidemie nach dem schweren Erdbeben 2010 waren mehr als 8500 Menschen an der Seuche gestorben. Wahrscheinlich hatten nepalesische UN-Blauhelmsoldaten die Krankheit nach Haiti eingeschleppt.

Von: APA/dpa

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