Extremwetter sorgt für Ernteeinbrüche im Süden Afrikas

Im südlichen Afrika droht eine Hungerkatastrophe

Freitag, 17. Januar 2020 | 17:12 Uhr

Verwitterte Felder, versiegende Bäche, schrumpfende Vorräte: Im südlichen Afrika schrillen die Alarmglocken. “Diese Hungerkrise hat ein Ausmaß, das wir noch nie zuvor gesehen haben – und der Augenschein zeigt, dass es noch schlimmer wird”, warnte Lola Castro, die Regionaldirektorin des UN-Welternährungsprogramms. Rund 45 Millionen Menschen dürften auf Nahrungshilfe angewiesen sein.

Im Vorjahr haben Dürre, Wirbelsturmschäden Fluten, Schädlingsbefall, Missmanagement und auch Krisen nach Angaben der Vereinten Nationen eine der schlimmsten Hungerkatastrophen seit 35 Jahren heraufbeschworen. Und sie droht sich noch zu verschärfen. Der Klimawandel gilt als eine wichtige Ursache. Denn in der Region steigen die Temperaturen laut UN doppelt so schnell wie im Rest der Welt. Geld für Anpassungen an den Temperaturanstieg haben viele Staaten aber nicht. Die Folge: Die Region ächzt unter den Folgen des Extremwetters, das bereits bestehende Notlagen weiter verstärkt.

Damit rücken die Entwicklungsziele für das Jahr 2030, auf die sich vor gut fünf Jahren die UN-Mitgliedsstaaten geeinigt haben, in weite Ferne. Denn ein stagnierendes Wirtschafts- und explodierendes Bevölkerungswachstum machen ein Ende von Hunger und Armut sowie die Perspektive einer Schul- und Gesundheitsversorgung für alle in der Region fraglich.

Allein im Krisenstaat Simbabwe ist etwa die Hälfte der Bevölkerung von einer Hungersnot bedroht. In dem Land mit der weltweit zweithöchsten Inflationsrate fällt bis zu 19 Stunden am Tag der Strom aus, Wasser ist ebenso knapp wie das Hauptnahrungsmittel Mais. “So, wie die Dinge stehen, werden wir Ende Februar keine Nahrung mehr vorhalten, was mit dem Höhepunkt der Hungersaison zusammenfällt, wenn die Not am größten ist”, erklärte der Welternährungsprogramms-Mitarbeiter (WFP) Niels Balzer.

Für diesen Fall befürchtet die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) die Flucht Hunderttausender Simbabwer in die Nachbarländer. “Das ist eine stille Krise, eine tickende Zeitbombe”, warnte diese Woche HRW-Regionaldirektor Dewa Mavhinga. Geflüchtete könnten etwa im benachbarten Südafrika den Druck auf dem Arbeitsmarkt erhöhen.

Dort rutscht die offizielle Arbeitslosenquote gerade Richtung 30 Prozent, jeder zweite Jugendliche ist arbeitslos. Arme Ausländer im Überlebenskampf werden daher bei der Suche nach Jobs oft als lästige Konkurrenten um die wenigen Jobs in dem Kap-Staat gesehen. Die Folge waren in der Vergangenheit wiederholt gewalttätige Übergriffe gegen Ausländer, bei denen es auch Tote gab. Mavhinga befürchtet daher bereits eine Zunahme der Spannungen.

Als besonders betroffen gelten zudem die Staaten Sambia, Lesotho, Mosambik, Malawi, Madagaskar und Eswatini (früher: Swasiland). Für viele Subsistenzfarmer kommt dort der Regen zunehmend zu spät. Auch im Wüstenstaat Namibia wissen viele Einwohner nicht mehr, wo die nächste Mahlzeit herkommt. Grundnahrungsmittel werden Mangelware und verteuern sich dadurch für viele arme Namibier in unerschwingliche Höhen. Im Mai hatte die Regierung in Windhuk daher bereits den Notstand ausgerufen, weil rund 500.000 Namibier – ein Fünftel der Bevölkerung – von Nahrungsmittelknappheit bedroht sind.

Die frühere Kolonie Deutsch-Südwestafrika kämpft seit 2013 bereits mit einer extremen Dürre und steckt zudem in einer lang anhaltenden Rezession. Die Notenbank hatte im November einen 17,6-prozentigen Einbruch der Agrar-Produktion vorhergesagt – andere Schätzungen reichten bis zu 40-prozentigen Ernteeinbrüchen.

Vor diesem düsteren Hintergrund wandte sich das WFP mit einem dringlichen Appell an die internationale Gemeinschaft. Denn die benötigten Mittel für die Hilfe fließen nur spärlich. Bisher kamen umgerechnet nur 184 Millionen von den 438 Millionen Euro rein, die zur Versorgung der Bedürftigen als notwendig erachtet werden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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31 Kommentare auf "Im südlichen Afrika droht eine Hungerkatastrophe"


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Spitzpassauf
Spitzpassauf
Superredner
1 Monat 3 Tage

Seit 50 Jahren hört man ständig von der Hungersnot in Afrika. Es wurden imense Summen dafür gespendet. Was hat man damit erreicht? Einwohnerzahl 1950….230 Millionen…Einwohnerzahl 2011…1,022 Milliarden!!! bis 2050 soll die Einwohnerzahl auf 2,5 Milliarden anwachsen….was soll man dazu noch sagen? Die müssen mal dieses Problem angehen. In den Tempo … können wir gar nicht spenden. Die Lebensmittel waren ja damals schon knapp,kein Wunder daß das heute noch immer so ist.

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 3 Tage

bei uns war es kein bisschen anders: “10 Kinder und kein Brot” heisst es schön… es muss in Bildung und Kultur investiert werden, aber das will man ja nicht, der Weisse würde dann seine Macht verlieren!

Staenkerer
1 Monat 3 Tage

wenn de spendengelder ba de ärmsten a unkammen, war leicht spenden! i wett ober das 90% aufn weg zu de hungernden versickern und in folsche hände folln!

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
1 Monat 3 Tage

@spitzpassauf:
Die Hungernden sind also Schuld an der Hungersnot? Sind sie auch Schuld daran dass sie neben der erlittenen Ausbeutung damals und heute keine funktionierende Wirtschaft aufbauen konnten, bei Stromausfällen rund um die Uhr? Warum können sie nicht von den reichen Bodenschätzen profitieren? Wer hat sich alles unten den Nagel gerissen?

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 2 Tage

Lieber Spitz, wie recht du doch hast. Seit über 50 Jahren hört man, dass es IRGENDWO in Afrika Hungersnöte hat. Umso trauriger, dass es noch nicht gelungen ist, den Hunger zu beseitigen

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 2 Tage

@Grantelbart
ja Grantelbart, du hast Recht, und die Wahrheit schmerzt! Man sucht halt immer schöne Ausreden damit man nicht selbst das Problem ist sondern die anderen: mehrere Jahrzehnte brutalste Kolonisation die zum Teil heute noch weiter geht werden ganz einfach geschwiegen. Und dazu kommt noch der Klimawandel, für den die Afrikaner wohl am wenigsten Schuld haben, aber sie bekommen dafür die daraus folgende Wetterextreme am meisten zu spüren!

Waltraud
Waltraud
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

@ivo815
Vielleicht weil die Hilfen nicht dahin fließen wo sie sollen.

Staenkerer
1 Monat 2 Tage

@ivo815 jo, de froge isch: WARUM!!
de froge stell i mir a, long schun!

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@Grantelbart Simbabwe also ex Rodesien hat man 1979 die Weissen über Nacht vertrieben. Es war damals ein reiches Agrarland. Und jetzt? Was ist passiert konnten sie die hintengelassenen Höfe die damals Modern waren nicht weiterführen?

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 3 Tage

Klimawandel? Lächerlich! Seit Jahren sinkt die Agrarproduktion im Süden Afrikas, aufgrund von mord und Vertreibung der Bauern. Die ernte fiel vor Jahren schon auf 10% des erträge vergangener Jahrzehnte. Aber der Klimawandel ist nun eine feine Ausrede für alles. Hauptsache man hat einen Schuldigen und kann das eigene Versagen vertuschen! Arme Welt und arme Jünger der neuen Religion!

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 2 Tage

Du bist Meister im Zusammentragen von Dumpfsinn. Dass der Klimawandel u.a. Mitschuld an den Zuständen in vielen afrikanischen Ländern ist, das ist Fakt und schon seit Jahrzehnten bekannt.

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 2 Tage

@ivo
Blödsinn. Die Agrarproduktion Südafrikas und zimbabwes (ehemalige Kornkammer Afrikas) fielen auf bis zu 10% der ehemaligen Leistungen, weil man die dortigen Bauern vertrieb bzw abschlachtet. Das Land wurden unfähigen und korrupten Freunden geschenkt und liegt brach. Das hat nichts mit Klimawandel zu tun. Aber es lassen sich gut Verbrechen damit vertuschen!

Staenkerer
1 Monat 2 Tage

@ivo815 klimawandel isch a wort mit dem weltweit olles wos nit funktioniert erklärt, entschuldigt, zuagedeckt werd! mißwirtschoft, korruption, gewoltherrschaft, freunderlwirtschoft! und a supper umschreibung für komodität! a schlagwort des für olles herholtn muaß!
ober man investiert jo zig miliarden es klima zu beeinflußen, stot es geld zu inverstiern es lebn, de wirtschoft, dem klima unzupassn, wenn man schun woaß (oder zu wissn glab) des es sich ändert!
wos tuat de menschheit epper in 30-40 johr, wenn se einsechn muaß das se es klima nit derändert, der beeinflußt hobn?

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
1 Monat 2 Tage

@mistermah:
Wo findest du nur immer diese Geschichten… Dürren sind an den Hungersnöten schuld und durch fehlende Infrastruktur (Strom zum Kühlen) verdirbt etwa die Hälfte der produzierten Lebensmittel.

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

Ja ich bin des öfteren in Südafrika und ich kenne die Geschichten der Bauern dort. Man hat 1979 in Rodesien Kinder der weissen Bauern gehäutet. Nachdem die Bauern geflüchtet sind waren innerhalb 5 Jahren die Höfe verlassen, zerstört und unproduktiv. Die Böden sind reich an Nährstoffe aber sie bauen nichts an dort. Vieleicht liegt es an ihrer Weltanschaung. Auch aufgefallen ist mir das in den Ghettos der Müll in den Flüssen entsorgt wird. Vorallem Plastik.

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@ivo815 leider liegst du falsch mit deiner Aussage. Mistermah hat völlig recht. Absolut recht!

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@Grantelbart lesen sie sich in den Berichten des Prof Krska ein. Die Lagerung von Korn wird nicht durch Kühlen beeinflusst sondern Korn wird verloren durch Mykotoxine. Sehr stark verbreitet in der Sahelzone. D.h wenn sie dieses tödliche Korn nicht vegschmeissen dann essen sie es und sie sterben zum Teil an diesen Naturgiften. Die Dürren helfen das sich Mykotoxine von Fusarien bilden….. Und die Erntemengen gingen nachdem die Bauern vertrieben wurden stark zurück!

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@Mistermah ja das stimmt ich kenne jemanden der lebt in Knysna und flüchtete als Kind von Rodesien…..

Grantelbart
Grantelbart
Superredner
1 Monat 1 Tag

@spiegel:
Trifft auf Getreide zu aber einen grossen Teil der Nahrung machen die Feldfrüchte aus und die verderben schnell bei den hohen Temperaturen, das gleiche bei den Milchprodukten.

Sekklhuiba
Sekklhuiba
Neuling
1 Monat 3 Tage

De orm Leit und Kindo ! Und mir lebm in Ibofluss uhne es zi merkn

amme
amme
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

in überfluss nur de de due wohnung fa derhuam gschenkt kriag hobn.i hon kuan euro zuviel

Staenkerer
1 Monat 2 Tage

im mittelolter worn ba ins a de bauern in de fruchtbarsten gegenden, teotz bugglen bis zum umfoll, ohne klimawandel, de ärmsten! sem worn a de reichen und mächtigen ihres eigenen londes de hauptschuld! do werd holt a viel schuld darin liegn und mir mästen mit de spenden de reichn und mächtigen no zusätzlich!

krawatte
krawatte
Grünschnabel
1 Monat 3 Tage

Und wer ist schuld?????ja klar….der klimawandel😂😂😂😂😂

ivo815
ivo815
Kinig
1 Monat 2 Tage

Gott bist du lustig. Hast Talent! Mach was draus

Mistermah
Mistermah
Kinig
1 Monat 2 Tage

Hat er ja schon, sonst würdest du ihn nicht Gott nennen 😂😂😂

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@ivo815 das Talent die Wahrheit zu sagen.

Jiminy
Jiminy
Superredner
1 Monat 3 Tage

und bei uns kämpfen die Menschen gegen den Weihnachtsspeck… einfach nur mehr traurig!

amme
amme
Universalgelehrter
1 Monat 2 Tage

was ist da traurig?wo weisse vertrieben wurden herrscht hungersnot

Spiegel
Spiegel
Tratscher
1 Monat 1 Tag

@amme exact

bubbles
bubbles
Tratscher
1 Monat 3 Tage

Und wir schaugn mit vollen Bäuchen zui, wie olbm. Weil wir koan sichere und direkte Möglichkeit hobm zu helfn.

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