75 Gebäude haben Sicherheitstests nicht bestanden

Immer mehr Hochhäuser mit Baumängeln in Großbritannien

Montag, 26. Juni 2017 | 19:44 Uhr

Nach der Feuerkatastrophe im Londoner Grenfell Tower werden immer mehr Baumängel an Hochhäusern in Großbritannien bekannt. Die Zahl der Gebäude, die bei Sicherheitstests durchfielen, stieg auf mittlerweile 75, wie die britische Nachrichtenagentur PA am Montagabend mit Berufung auf den für Kommunen zuständigen Minister Sajid Javid berichtete.

Ein Mitarbeiter der Regierung bestätigte auf Anfrage, dass damit alle 75 bisher überprüften Gebäude durchgefallen seien. Betroffen sind nicht nur Gebäude in London, sondern auch in anderen Kommunen. Insgesamt sollen bei 600 Hochhäusern die Fassadenverkleidungen untersucht werden.

Am Freitagabend hatten bereits rund 4.000 Menschen vier Hochhäuser im Norden Londons wegen Brandgefahr räumen müssen. Die Feuerwehr hatte in den 22-stöckigen Gebäuden im Stadtteil Camden eine ganze Reihe von Sicherheitsmängeln festgestellt: unter anderem brennbare Fassaden, Fehler bei der Isolierung von Gasleitungen und das Fehlen von Brandschutztüren.

Das Feuer im Grenfell Tower im Westen der britischen Hauptstadt vor knapp zwei Wochen konnte sich über die Fassadenverkleidung des 24-stöckigen Sozialbaus binnen kürzester Zeit stark ausbreiten. Ein defekter Kühlschrank hatte den verheerenden Brand entfacht. Mindestens 79 Menschen kamen ums Leben.

Der Hersteller der Außenverkleidung des Hochhauses zieht Konsequenzen: Das am Grenfell Tower verwendete Material vom Typ Reynobond PE werde weltweit nicht mehr für die Verwendung bei Hochhäusern verkauft, sagte ein Sprecher des US-Herstellers Arconic. Die Entscheidung gründe sich auf Bedenken, “die in Folge der Grenfell-Tower-Tragödie aufgekommen” seien. Für niedrigere Bauten soll das Material aber weiter verkauft werden, wie der Unternehmenssprecher mitteilte. Es besteht aus Aluminium und dem Kunststoff Polyethylen. Arconic bekräftigte, bei der Aufarbeitung der Brandkatastrophe in London arbeite das Unternehmen mit den Ermittlungsbehörden zusammen.

Von: APA/dpa

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