Neun von zehn Menschen weltweit atmeten verpestete Luft ein

Jährlich rund sieben Millionen Tote durch Luftverschmutzung

Mittwoch, 02. Mai 2018 | 14:29 Uhr

Mehr als 90 Prozent der Menschen weltweit sind verschmutzter Luft ausgesetzt und an den Folgen dieser Belastung sterben jedes Jahr etwa sieben Millionen Menschen. Das ist das Ergebnis einer Untersuchung, die die Weltgesundheitsorganisation WHO am Mittwoch in Genf vorgelegt hat. Besonders Menschen in ärmeren Ländern leiden unter gefährlichen Abgasen, die etwa beim Kochen oder im Verkehr entstehen.

“Die Luftverschmutzung bedroht uns alle, aber die ärmsten und am meisten an den Rand gedrängten Menschen tragen die Hauptlast”, erläuterte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus. Mehr als 90 Prozent der Todesfälle im Zusammenhang mit der Luftverschmutzung werden der WHO-Untersuchung zufolge in einkommensschwächeren Ländern, insbesondere in Asien und Afrika, registriert.

Die WHO wertete Daten aus mehr als 4.300 Städten in 108 Ländern aus und damit die größte Datenbank über Luftverschmutzung weltweit. Berücksichtigt wurde sowohl die Luftverschmutzung in der Umwelt als auch im Haushalt.

Durch die Luftverschmutzung in Innenräumen, insbesondere durch das Kochen auf Kohleöfen, sterben laut WHO weltweit rund 3,8 Millionen Menschen im Jahr. Es sei “inakzeptabel”, dass Millionen Menschen, meist Frauen und Kinder, zu Hause immer noch die Abgase dreckiger Öfen und Generatoren einatmeten, kritisierte Tedros. Weltweit hätten 40 Prozent der Menschen keinen Zugang zu einer abgasarmen Kochgelegenheit, heißt es in der WHO-Studie.

Die Luftverschmutzung im Freien wird von der WHO für weltweit 4,2 Millionen Todesfälle im Jahr verantwortlich gemacht. Etwa eine der insgesamt rund sieben Millionen Todesfälle im Jahr sei auf eine Kombination der Luftverschmutzung drinnen und draußen zurückzuführen.

Die WHO untersuchte die Verschmutzung durch Partikel von einer Größe zwischen 2,5 und zehn Mikrometern, sogenannte PM10, sowie durch Partikel, die kleiner als 2,5 Mikrometer sind (PM2,5). Zu den PM2,5-Partikeln gehören giftige Stoffe wie Sulfate. Die besonders kleinen Schmutzpartikel sind besonders gefährlich, weil sie tief in die Lungen und das Herz-Kreislauf-Systems eindringen können. Auf diese Weise können sie Schlaganfälle, Herzkrankheiten, Lungenkrebs und Atemwegsinfektionen wie etwa Lungenentzündungen verursachen.

Im Nahen Osten, Nordafrika und Südostasien sei die Luftbelastung oftmals mehr als fünf Mal höher als empfohlen, führte die WHO aus. In der indischen Stadt Gwalior war der Gehalt von PM10 und PM2.5 im Jahr 2017 sogar rund 17 Mal höher als die von der WHO als zumutbar eingestuften Werte.

Die Datenlage des WHO-Berichts variierte je nach Region sehr stark. Während die Werte aus 181 indischen Städten vorlagen, war dies nur bei neun Städten im riesigen China der Fall. Von den 47 afrikanischen Ländern übermittelten nur acht der WHO Werte zur Luftqualität von mindestens einer ihrer Städte.

Von: APA/dpa