Schwere Regenfälle sorgen für Hochwassereinsätze

Kärnten rüstet sich für drohendes Hochwasser

Montag, 29. Oktober 2018 | 23:17 Uhr

Nach starken Regenfällen im Süden und Westen Österreichs hat sich am Montag vor allem Kärnten für ein drohendes Hochwasser gerüstet. Im Bezirk Spittal/Drau wurde die Drautal-Bundesstraße (B100) gesperrt, die Pflichtschulen im Bezirk bleiben am Dienstag und Mittwoch geschlossen. Auch in Osttirol bekommen am Dienstag alle Schüler frei.

Die Hochwassersituation hat sich am Montagabend in Kärnten immer weiter zugespitzt. Sowohl die Gail als auch die Möll traten an mehreren Stellen über die Ufer, dazu kam der heftige Sturm, der zahlreiche Bäume umstürzen ließ. Zahlreiche Straßen mussten gesperrt werden, Tausende Haushalte waren ohne Strom.

Hauptursache für die Stromausfälle waren die Sturmböen, wie Kelag-Sprecher Josef Stocker am Abend gegenüber der APA erklärte. Stromausfälle gab es im Mölltal, im Lesach- und im Gailtal sowie im oberen Drautal, aber auch im Lavanttal im Bezirk Wolfsberg. Im Bereich zwischen Oberdrauburg und Drauhofen im Bezirk Spittal waren aber nicht die Sturmböen verantwortlich, sondern Stromabschaltungen, die aufgrund des ständig steigenden Wassers vorgenommen werden mussten, um verheerende Kurzschlüsse zu vermeiden.

Man arbeite intensiv daran, durch Umschaltungen und Reparaturarbeiten die Versorgung wieder herzustellen, sagte Stocker. Allerdings würden die Monteure aufgrund der Straßensperren teils gar nicht zu den Stellen vordringen können, wo die Leitungen beschädigt waren.

Der Sturm war auch Auslöser für mehrere Zivilschutzalarme im Bezirk Spittal. Zuerst wurde der Alarm im oberen Drautal und im oberen Mölltal ausgelöst, gut eine Stunde später war es in Flattach und Obervellach soweit. Auch im Bezirk Klagenfurt-Land waren die Feuerwehren am Abend im Großeinsatz, Sturmschäden wurden aus den Gemeinden Krumpendorf, Pörtschach, Techelsberg und Schiefling gemeldet.

In Möllbrücke in Oberkärnten und in Lavamünd nahe der slowenischen Grenze herrschte indes noch immer Hochspannung, die höchsten Pegelstände samt Überflutungen wurden für die frühen Morgenstunden erwartet. In Möllbrücke stieg der Wasserstand praktisch minütlich, auch die Zuflüsse der Möll traten teilweise schon am Abend über die Ufer. Knapp vor 23.00 Uhr wurde beim Messpunkt Annabrücke östlich von Klagenfurt eine Durchflussmenge von bereits mehr als 1.400 Kubikmeter Wasser pro Sekunde registriert. Nach den Prognosen musste man in Lavamünd mit maximalen Wassermengen von rund 2.000 Kubikmeter pro Sekunde rechnen.

In Osttirol mussten die ÖBB am Abend nach der Einstellung des Zugsverkehrs auch den Busbetrieb einstellen. Damit war auch kein Schienenersatzverkehr mehr möglich, laut Angaben von ÖBB-Sprecher Christoph Posch dürfte der Busverkehr auch am Dienstag mindestens bis 10.00 Uhr vormittags eingestellt bleiben. Ein Ende bzw. Nachlassen der Regenfälle war für den Dienstag vorhergesagt.

Die Lienzer Bezirkshauptfrau, Olga Reisner, rief am Montagabend die Bevölkerung in Osttirol dazu auf, zu Hause zu bleiben. “Bitte bleiben Sie ab sofort zuhause und lassen sie ihr Auto stehen”, so Reisner in einer Aussendung. Mehrere Straßen mussten am Montagabend bereits gesperrt werden.

Zudem ersuchte die Bezirkshauptfrau, keine Uferwege und Brücken mehr zu benutzen. Wenn Stromleitungen am Boden liegen, sollten mindestens 20 Meter Abstand gehalten und umgehend die Polizei informiert werden. Am Montagabend waren 22 Feuerwehren bei insgesamt 27 Ereignissen im Einsatz.

Aufgrund mehrerer Straßensperren war der Bezirk vorerst nur über die Großglocknerstraße erreichbar. Die Felbertauernstraße (B108) musste aufgrund einer Vermurung zwischen der Feglitzgalerie und Seblas gesperrt werden. Auch die Drautalstraße (B100) war im Bereich “Thaler Gerade” nicht befahrbar. Zudem wurden mehrere Landesstraßen und diverse Gemeindestraßen gesperrt.

Auch im Süden Salzburgs wurde in der Nacht auf Dienstag ein orkanartiger Föhnsturm erwartet. Laut Experten der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) sind dabei Windböen von bis zu 130 km/h möglich. Während der Niederschlag in den vergangenen Tagen kein großes Problem im Bundesland darstellte, wurden für die Abendstunden vor allem im Lungau und im Oberpinzgau heftige Regenfälle und damit Pegelstände über der Warngrenze erwartet.

In Kärntens friaulischer Nachbarprovinz Udine in Italien kam es zu Überschwemmungen und Erdrutschen. Die Gemeinde Sauris war mehrere Stunden komplett isoliert. In ganz Italien herrscht höchste Alarmbereitschaft. In mehreren Regionen und auch in Rom blieben Schulen, Kindergärten und Universitäten geschlossen, die Menschen sollten nach Möglichkeit zu Hause bleiben. Slowenien bereitete sich ebenfalls auf mögliche Überschwemmungen entlang der Drau vor.

Auf der ÖBB-Strecke am Semmering gab es Montagabend vorübergehend kein Weiterkommen. Grund dafür war eine Sturmfront, die in der Nacht auf Dienstag von Süden her über Österreich zog. Kurz nach 20.30 Uhr kollidierte zwischen Eichberg und Breitenstein in Niederösterreich ein Railjet, der von Villach nach Wien unterwegs war, mit einem umgeknickten Baum, berichtete ein Sprecher der ÖBB der APA. Personen kamen dabei nicht zu Schaden. Über die Dauer der Streckenunterbrechung konnte man vorerst keine Angaben machen, die Züge würden die Sperre vorerst abwarten, hieß es bei den Österreichischen Bundesbahnen.

In der Obersteiermark waren in den Abendstunden zahlreiche Feuerwehren wegen des durchziehenden Unwetters im Einsatz. Straßen mussten von umgefallenen Bäumen geräumt werden, ein Baum fiel auf ein geparktes Auto, wegen eines weiteren umgestürzten Baumes kam es zu einem Autounfall mit einer leichtverletzten Person. Auch Dächer wurden durch die Sturmböen beschädigt.

Von: apa

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