Von einem Gewaltverbrechen wird ausgegangen

Kampfhund biss in Hannover offenbar seine Besitzer tot

Mittwoch, 04. April 2018 | 14:32 Uhr

Ein Kampfhund hat in einer Wohnung in Hannover vermutlich seine Besitzer totgebissen, eine Mutter und ihren Sohn. “Nach ersten Untersuchungen durch einen Rechtsmediziner wurden die 52-Jährige und ihr 27-jähriger Sohn offenbar von dem Hund getötet”, schrieb die Polizei in Hannover am Mittwoch in einer Mitteilung. Die Hintergründe der Tragödie sind noch unklar.

Feuerwehrleute fingen das Tier in der Nacht mit einer Schlinge ein, der Hund wurde in ein Tierheim gebracht. Die Stadt ist dafür zuständig, nun zu entscheiden, ob der Hund eingeschläfert wird. Bisher gebe es keine Entscheidung, sagte ein Stadtsprecher: “Die Ermittlungen laufen ja noch.”

Nach Angaben des Tierheims handelt es sich um einen Staffordshire-Terrier-Mischling. Sowohl Staffordshire Bullterrier als auch American Staffordshire Terrier werden von zahlreichen Behörden als Kampfhunde eingestuft, landesweit einheitliche Regelungen gibt es dazu aber nicht.

Die 25 Jahre alte Tochter der getöteten Frau hatte die Beamten alarmiert, weil sie ihre Mutter und ihren Bruder nicht erreichen konnte. Beim Blick durch ein Fenster entdeckte sie dann einen leblosen Körper in der Wohnung der beiden. “Aktuell steht noch nicht fest, wie es zu dem Unglück kommen konnte”, hieß es von den Ermittlern.

Die Mutter saß nach Angaben von Anrainern im Rollstuhl. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine Obduktion an. “Zurzeit sieht es so aus, als sei diese Tragödie durch Hundebisse zustande gekommen”, sagte Staatsanwalt Thomas Klinge. Details wie zum Beispiel die Anzahl der Bisse wollte ein Polizeisprecher zunächst nicht nennen.

Dass Hunde Menschen totbeißen, kommt nach Experteneinschätzung sehr selten vor. In den meisten Fällen zeigten Hunde aggressives Verhalten, wenn sie mit sehr viel Druck und Gewalt erzogen worden seien, sagte Dunia Thiesen-Moussa, die an der Tierärztlichen Hochschule Hannover für Wesenstests bei Hunden zuständig ist. Diese Tests werden von den Veterinärämtern angeordnet, wenn ein Hund einen Menschen verletzt hat und deshalb Anzeige erstattet wurde.

Im Jahr 2000 hatte der tödliche Angriff zweier Kampfhunde auf einen sechs Jahre alten Hamburger Buben den Anstoß für eine breite Debatte in Deutschland über den Umgang mit gefährlichen Hunden gegeben. Viele Bundesländer verschärften seitdem ihre Regeln.

Von: APA/dpa