Stadt Graz setzt auf Impfungen bei Masern

Keine neuen Masern-Verdachtsfälle bei Säuglingen am LKH Graz

Donnerstag, 31. Januar 2019 | 16:52 Uhr

Nach den ersten Masern-Fällen in der Steiermark hat das LKH Graz am Donnerstagvormittag vorerst keine neuen Verdachtsfällen bei Säuglingen verzeichnet. Jene fünf, die am Mittwoch in die Kinderklinik bestellt worden waren, sind therapiert und dürfen wieder nach Hause. Die steirischen Regierungsparteien ÖVP und SPÖ sprachen sich für eine Verankerung der Impfung im Mutter-Kind-Pass aus.

Unterdessen wurden sechs Babys aus dem Tiroler Unterland vorsorglich in die Innsbrucker Kinderklinik eingeliefert. Sie hatten möglicherweise Kontakt zu einem an Masern erkranktem Kind in der Ordination eines Kinderarztes im Bezirk Schwaz. Da die Babys weniger als sechs Monate alt sind, können sie nicht gegen Masern geimpft werden, teilte das Land am Donnerstag mit. Die Therapie an der Klinik erfolgt auf Basis einer Infektabwehr mit Immunoglobulinen.

Die Spur der österreichischen Masernfälle führt nach neuesten Erkenntnissen in die Ukraine: Wie die steirische Landessanitätsdirektion am Donnerstag auf APA-Nachfrage angab, handelt es sich sowohl bei den steirischen als auch bei sieben salzburgerischen Fällen um einen Genstamm aus der Ukraine. Dieser könnte durch Touristen eingeschleppt worden sein.

Die beiden steirischen Klubobleute und Gesundheitssprecher, Barbara Riener (ÖVP) und Hannes Schwarz (SPÖ), erklärten: “Um eine Durchimpfungsrate von 95 Prozent zu erreichen, müssen wir Maßnahmen setzen. Eine solche wäre die Verankerung im Mutter-Kind-Pass, die allerdings einer bundesgesetzlichen Regelung bedarf. Dazu sollen auch entsprechende parlamentarische Schritte folgen.”

FPÖ-LAbg. Arnd Meißl erklärte dazu, eine landesweite Impfkampagne sei notwendiger denn je. Die steirischen Freiheitlichen befassten sich bereits seit Jahren mit der Problematik sinkender Durchimpfungsraten, sagte Meißl. Der Grazer Gesundheitsstadtrat Robert Krotzer (KPÖ) mahnte: “Die Kleinsten sind auf die Vernunft der Größeren angewiesen.” Daher würden seit Mittwoch alle Schulen im Raum Graz von Mitarbeitern der Impfstelle angeschrieben und kurzfristig Impftermine vor Ort organisiert.

Da Masern eine Inkubationszeit von bis zu 21 Tagen haben, könne nun mit einer raschen Reaktion eine zweite Welle von Infektionen verhindert werden. “Seit Bekanntwerden der Infektion eines Grazer Schülers ist die Impfbereitschaft stark gestiegen”, erklärte Eva Winter, Leiterin des Gesundheitsamtes. Zusätzlich herrsche in der Grazer Impfstelle Vollbetrieb. Erwachsene und Kinder, die noch nicht geimpft sind, oder sich einfach nicht sicher sind, ob sie ausreichenden Impfschutz haben, werden in der Impfstelle beraten und können sich gleich gratis gegen Masern impfen lassen – täglich von 8.00 bis 13.00 Uhr.

Der Präsident der Österreichischen Ärztekammer (ÖAK), Thomas Szekeres, rief angesichts der aktuellen Masern-Erkrankungen Patienten und Ärzte dazu auf, “regelmäßig ihren Impfstatus zu kontrollieren und auftretende Impflücken umgehend zu schließen”. Aus der Sicht der SPÖ brauche es eine Aufklärungsoffensive, die unter anderem eine verpflichtende Impfberatung im Mutter-Kind-Pass beinhalten solle.

Eine Lösung liege nicht in einer generellen Impfpflicht, sondern ärztliche Aufklärung und rationale Beratung sollten im Vordergrund stehen. Damit sollte man dem WHO-Ziel von 95 Prozent Durchimpfungsrate bei Masern endlich wieder näher kommen, ließ die ÖAK am Donnerstag verlauten. Wien kann sich derzeit keine Impfpflicht bzw. Streichungen von Sozialleistungen wie etwa der Familienbeihilfe bei nicht nachgewiesener Immunisierung vorstellen. “Ich halte nichts von Zwangs- und Strafsystemen”, stellte Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) am Donnerstag gegenüber der APA klar. Stattdessen müsse man bei der Motivation ansetzen.

Von: apa

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