Ambrosiapflanze: Klimawandel dürfte Ragweed-Pollen-Saison verlängern

Klimawandel könnte neue Heuschnupfen-Welle auslösen

Donnerstag, 25. August 2016 | 12:00 Uhr

Der Klimawandel kann laut Forschern eine neue Heuschnupfen-Welle in Europa auslösen. Binnen 35 Jahren könnte sich die Anzahl der Menschen, die auf Ragweed-Pollen (Ambrosia, Traubenkraut) reagieren, mehr als verdoppeln – von 33 auf 77 Millionen. Zwei Drittel dieses befürchteten Anstiegs würden durch höhere Pollenkonzentrationen und eine längere Ragweed-Pollen-Saison mit dem Klima zusammenhängen.

Prognosen weisen darauf hin, dass die Ragweed-Saison in den meisten Teilen Europas von Mitte September bis Mitte Oktober andauern wird, berichtete die MedUni Wien am Donnerstag über Daten des im 7. EU-Forschungsrahmenprogramm durchgeführten Projekts Atopica. “Die Ragweed-Pollenallergie wird zu einem Problem der öffentlichen Gesundheit quer durch ganz Europa und breitet sich auch in Gegenden aus, wo dies derzeit noch selten der Fall ist”, sagte Michelle Epstein, Atopica-Koordinatorin der MedUni Wien von der Universitätsklinik für Dermatologie.

“Das Problem wird sich in Ländern mit einem bereits existierenden Ragweed-Problem, wie in Ungarn und Kroatien, möglicherweise noch verstärken, aber auch in Deutschland, Polen und Frankreich”, erläuterte die Forscherin. Höhere Pollen-Konzentrationen und eine längere Saison könnten auch die Schwere der Symptome verstärken.

“Die jährliche, wirtschaftliche Belastung durch Allergie-Erkrankungen in der EU wird derzeit bereits auf 55 bis 151 Milliarden Euro geschätzt, eine immer höhere Pollenbelastung wird noch höhere Kosten verursachen”, warnte Epstein. Das richtige “Management” der aus Nordamerika eingeschleppten Pflanze Ragweed könnte die Anzahl der Betroffenen auf etwa 52 Millionen senken, während ein Szenario mit einer sehr schnellen Invasion ungefähr 107 Millionen Leidende befürchten lasse, so ein Ergebnis der Studie. Die Kontrolle von Ragweed sei daher enorm wichtig für das Gesundheitswesen. Möglicherweise sei aber noch eine ganze Reihe von anderen pollenproduzierenden Pflanzenarten ebenso vom Klimawandel betroffen.

Heuschnupfen ist ein allergischer Zustand, von dem bereits jetzt rund 40 Prozent der Bewohner Europas irgendwann in ihrem Leben betroffen sind. Er wird durch Baum-, Gräser- oder Kräuterpollen ausgelöst. Ragweed ist eine Pflanze, die sich besonders rasch ausbreitet, ihre Pollen sind ein verbreitetes Allergen. Eine einzige Pflanze kann etwa eine Milliarde Pollenkörner pro Saison produzieren.

Der Österreichische Pollenwarndienst hat am Donnerstag vor der ersten Welle der Ragweed-Pollen-Saison im Osten und Süden Österreichs gewarnt: “Die lokale Blüte von Ragweed hat in den betroffenen Regionen Österreichs, im Burgenland, in Wien, Niederösterreich, der Steiermark, in Teilen Oberösterreichs und Kärntens, eingesetzt. Die Konzentrationen an Ragweed-Pollen steigen nun rasch und die erste Belastungswelle mit sehr hohen Werten steht unmittelbar bevor.” In diesem Sommer hätten gute Bedingungen für die Pflanze geherrscht, daher Allergikern stehe wohl eine überdurchschnittlich starke Belastung ins Haus.

Von: apa

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