"Letzte Generation" protestierte gegen neue Öl- und Gasbohrungen

Klimt-Werk im Leopold Museum von Aktivisten überschüttet

Dienstag, 15. November 2022 | 16:16 Uhr

Klimaaktivisten der Gruppe “Letzte Generation” haben am Dienstag im Wiener Leopold Museum das Gemälde “Tod und Leben” von Gustav Klimt mit schwarzer Farbe überschüttet. Ein Video und Bilder der Aktion teilte die Gruppe via Twitter. Eine Person klebte sich zudem am Glas fest, das das Werk schützt. Beschädigt wurde das Kunstwerk selbst laut erster Bestandsaufnahme nicht. Wiens Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ) sprach sich für die Anpassung der Sicherheitskonzepte aus.

Während das Team der Restaurierung hinsichtlich des Bildes Entwarnung gaben, sei der Schaden am Glas und an der Sicherheitsrahmung sowie an Wand und Boden “evident und erheblich”. Hans-Peter Wipplinger, Direktor des Leopold Museums, bezeichnete die Anliegen der Klimaaktivisten zwar als berechtigt, “aber der Angriff auf Kunstwerke ist definitiv der falsche Weg, um das angepeilte Ziel, die Verhinderung des prognostizierten Klimakollaps”, umzusetzen. Museen seien bewahrende Institutionen und ein Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Er appellierte an die “Letzte Generation”, andere Wege für das Kundtun ihrer Anliegen zu finden.

Anlässlich des Leopolditags gab es im Leopold Museum freien Eintritt, als Sponsor trat in diesem Zusammenhang die OMV auf. Trotz genauer Kontrollen – so mussten etwa Taschen abgegeben werden -, hätten die Aktivisten die Flüssigkeit in einer Wärmflasche unter ihrer Kleidung ins Museum geschleust. Polizei und Rettung seien in kürzester Zeit vor Ort gewesen und haben die Daten der Aktivisten aufgenommen, hieß es in einer Aussendung des Museums.

Die Aktivisten bezeichneten auf ihrem Twitteraccount neue Öl- und Gasbohrungen als “Todesurteil für die Menschheit”. “Wir kennen das Problem seit 50 Jahren, wir müssen endlich handeln, der Planet wird sonst kaputt”, riefen die beiden Männer bei ihrer Aktion. “Stoppt die fossile Zerstörung. Wir rasen in eine Klimahölle.”

Das österreichische Museumsbund hat sich mit einem offenen Brief an die Mitglieder der “Letzten Generation” gewandt: Die Museen in Österreich würden sich bemühen, “einen öffentlichkeitswirksamen Beitrag zum Diskurs um durch menschliche Eingriffe hervorgerufene Veränderung unseres Planeten und unserer Lebensgrundlagen sowie deren negative Auswirkungen auf das Klima, die Natur und deren Vielfalt zu leisten”. Man stehe demnach auch als Gesprächs- und Kooperationspartner für Anliegen des Klimaschutzes zur Verfügung. Gleichzeitig appellierte man an Klimaaktivisten, bei ihren Aktionen alles zu unterlassen, “was den Erhalt des Natur- und Kulturerbes und auch die Rolle der Museen als Bildungs- und Lernort gefährdet”. Besucher sollen auch künftig Museen “ohne größere Zugangsbeschränkungen und ohne Generalverdacht besuchen können”.

Das Österreichische Nationalkomitee des internationalen Museumsrats, ICOM-Österreich, verurteilte die Aktion wegen Beschädigungsgefahr “aufs Schärfste”. “Museen sind Orte des Dialogs, an denen gesellschaftspolitische Themen verhandelt werden. Derzeit entsteht allerdings der Eindruck, dass die Protestaktionen den Resonanzraum Museen in erster Linie dazu nutzen, ein Maximum an Aufmerksamkeit zu generieren”, hieß es. Museen würden grundsätzlich die Anliegen der Klimabewegung unterstützen. ICOM bat der “Letzten Generation” Gespräche an, “um das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen”.

“Aktionismus gegen Kunst und Wissenschaft ist der falsche Weg”, so Kaup-Hasler. Die Aktivistinnen und Aktivisten würden sich mit den “Wurf- und Klebeattacken” letztlich selbst schaden. Die Kulturstadträtin möchte mit dem Bund und mit Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) Kontakt aufnehmen, “um darüber zu sprechen, wie man zukünftig mit solchen Vorkommnissen umgehen und sie idealerweise verhindern kann”. Wichtig sei aber auch, die Zugänglichkeit der Museen nicht einzuschränken.

Mayer zeigte Verständnis für “die Anliegen und auch die Verzweiflung” der Aktivisten, glaubt aber nicht, “dass Aktionen wie diese zielführend sind, weil sich die Frage stellt, ob sie nicht eher zu mehr Unverständnis als zu mehr Bewusstsein für die Klimakatastrophe führen.” Aus ihrer Sicht sei es der falsche Weg, das Risiko unwiderruflicher Schäden an Kunstwerken in Kauf zu nehmen. “Kunst und Kultur sind Verbündete im Kampf gegen die Klimakatastrophe, keine Gegner.”

Für ÖVP-Staatssekretärin Claudia Plakolm sind Aktionen wie im Leopold Museum oder das Ankleben auf der Straße “auf ganz vielen Ebenen respektlos”. Man müsse zwar viele Menschen für Klimaschutz begeistern, mit ihrem Vorgehen erreiche die “Chaostruppe” aber das Gegenteil. “Man gewinnt aus meiner Sicht keinen Millimeter, wenn man die Leute terrorisiert. Was wir brauchen ist Klimaschutz mit Augenmaß und Weitblick.”

Der Wiener FPÖ-Kultursprecher Stefan Berger sieht laut Aussendung Mayer und Kaup-Hasler in der Pflicht, “für ein Sicherheitskonzept zu sorgen, das Bilder, Skulpturen, historische Artefakte – kurz: sämtliche museale Ausstellungsstücke – ausreichend schützt”. Die FPÖ kündigte einen Antrag im Nationalrat zur “Aufnahme des Klimaterrorismus und -extremismus in den Verfassungsschutzbericht” an.

In Oberösterreich nahm die Landes-Kultur GmbH den Vorfall zum Anlass für einen “Aufruf zum Miteinander” an Klimaaktivistinnen und -aktivisten. “Wir haben euch verstanden und stehen hinter euren Anliegen”, hieß es in einer Aussendung. Man wolle die Kompetenz der Landesmuseen dem Klimaanliegen “unverzüglich, mit Ausstellungen, Veranstaltungen, Werbeaktionen etc.” zur Verfügung stellen und ersuche um Kontaktaufnahme.

Von: apa

Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

16 Kommentare auf "Klimt-Werk im Leopold Museum von Aktivisten überschüttet"


Sortiert nach:   neuste | älteste | Relevanz
Doolin
Doolin
Kinig
13 Tage 13 h

…was kann da der Klimt dafür?…

Hustinettenbaer
13 Tage 11 h

Ist mir auch ein Rätsel.
Gibt doch andere Möglichkeiten. Ans Riesenrad im Prater pappen. Luna-Park ans Karussell…
Herreinspaziert, wer will noch mal, wer hat noch nicht ? Uuund los geht´s !

Nathanbosemann
Nathanbosemann
Grünschnabel
13 Tage 13 h

So ein idiotisches Verhalten ist der Sache nicht dienlich – eher hinderlich. Also das Thema ist konkret aber hat mit einem Museum nichts zu tun. 

ifassesnet
ifassesnet
Tratscher
13 Tage 13 h

Langsam werden sie kindisch!
Ich würde die festgeklebten mal für ein paar Tage hängen lassen!
Mal sehen, was sie dann sagen…

Guennl
Guennl
Superredner
13 Tage 14 h

Keien Berichterstattung und das löst sich von alleine. Die Presse macht sich zum Helfershelfer.

InFlames
InFlames
Tratscher
13 Tage 9 h

Sie nennen sich “letzte Generation” – alleine das ist schon ziemlich ulkig. Und diese Klebe- und Farbaktionen sind nur eines nämlich peinlich!!!

Rudolfo
Rudolfo
Universalgelehrter
13 Tage 7 h

@InFlames…Zitat Otto Walkes: ‘You are again the latest”. Und seine😉 individuelle Übersetzung: “Sie sind mal wieder das Allerletzte”….

Wunder
Wunder
Tratscher
13 Tage 10 h

Basta jetzt…die mediale Aufmerksamkeit heizt diesen sinnlosen Trend an.

Misanthrop
Misanthrop
Tratscher
13 Tage 9 h

Sry Freunde aber das ist einfach nur idiotisch. Ihr rennt einer Ideologie nach und das ist einfach nur dumm und gefährlich

info
info
Superredner
13 Tage 12 h

Wenn die täglich angerichteten Umweltschäden nur gleich leicht behebbar wären, wie die Farbkleckse an Schutzscheibe, Wand und Boden!

shanti
shanti
Tratscher
13 Tage 10 h

Sind 🤡🤡🤡🤡

Ischjolougisch
Ischjolougisch
Tratscher
13 Tage 10 h

Ich würde vorschlagen kein verschmiertes Kunstwerk sollte mehr gezeigt werden. Es sollte nur noch ein Bild von den verhafteten Vandalisten als Schlagzeile herhalten. Warum spielt die Presse da so mit?

inni
inni
Universalgelehrter
13 Tage 4 h

Einfach kleben lassen an der Scheibe diese Deppen❗️

Trina1
Trina1
Kinig
13 Tage 3 h

inni mit attac bitteschön 😉

xXx
xXx
Kinig
13 Tage 4 h

Diese Verbrecher sind das größte Problem für Klima und Umweltschutz. Ohne diese Terroristen hätten grüne Parteien viel mehr Stimmen, da bin ich mir 100% sicher.
Die sehr große Mehrheit versteht mitlerweile das man dringend handeln muss, aber Parteien wie “die Grünen” sind für viele Unwählbar, weil sie mit diesen Deppen in verbindung gebracht werden…

Trina1
Trina1
Kinig
13 Tage 6 h

Spinnen sie bold olle !

wpDiscuz