Hauke (r.) und Baldauf sind vorläufig suspendiert

Konsequenzen für Baldauf und Hauke nach Doping-Razzia

Freitag, 01. März 2019 | 22:23 Uhr

Die fünf bei der Nordischen WM unter Blutdopingverdacht festgenommenen und mittlerweile in Polizeiverhören geständigen Langläufer sind am Freitag vorläufig suspendiert worden. Gegen die Österreicher Dominik Baldauf und Max Hauke sprach diesen Schritt nach einem Prüfantrag der NADA die ÖADR aus, gegen Karel Tammjärv, Andreas Veerpalu (beide EST) und Alexei Poltoranin (KAZ) die zuständige FIS.

Die unabhängige Anti-Doping Rechtskommission (ÖADR) leitete auf Antrag der Nationalen Anti-Doping Agentur (NADA) Disziplinarverfahren gegen Baldauf und Hauke ein und sperrte das Duo ab 1. März bis zum Abschluss der Verfahren. Das dauert im Regelfall Monate, aufgrund der polizeilichen Ermittlungen und wohl folgenden Gerichtsverfahren ist mit einer noch längeren Gesamtdauer zu rechnen.

Dem Duo werde die Anwendung der verbotenen Methode “Manipulation von Blut oder Blutbestandteilen (Blutdoping)” vorgeworfen, teilte die ÖADR am Freitag mit. Dafür droht dem bei einer Razzia am Mittwoch in Seefeld auf frischer Tat ertappten Hauke und Baldauf eine Sperre von jeweils vier Jahren. Außerdem müssen sie mit strafrechtlichen Anklagen wegen Sportbetrugs rechnen.

Tammjärv hat mittlerweile ausführlich über seine Dopingpraktiken Auskunft gegeben und seine Verbindungen nach Deutschland offenbart. Die Zusammenarbeit mit dem Erfurter Sportmediziner Mark S. habe demnach 2016 begonnen. Den Kontakt zum Deutschen hatte nach eigenen Angaben der estnische Ex-Coach Mati Alaver hergestellt. Dem wurde nach dieser Aussage der Verlust staatlicher estnischer Auszeichnungen angedroht. Zudem erwägt Estlands Sportminister die Kriminalisierung von Doping.

Außerdem teilte Markus Gandler, der Sportliche Leiter für Langlauf und Biathlon im Österreichischen Skiverband (ÖSV), in einem Interview mit der APA – Austria Presse Agentur u.a. mit, dass er in Folge des Dopingskandals in der Öffentlichkeit angepöbelt werde. Überdies hat ÖSV-Langlauf-Koordinator Trond Nystad bekräftigt, nach den Titelkämpfen sein Amt niederzulegen. “Man fühlt sich voll betrogen und verarscht. Für mich ist das eine abgeschlossene Zeit in meinem Leben.”

Indes wurde festgestellt, wer Videoaufnahmen von Hauke beim Eigenblutdoping weiterverbreitet hatte. Ein mit der Anti-Doping-Razzia betrauter Ermittler soll das Video weitergegeben haben. Hauke hat auf den Aufnahmen die Blutinfusion noch im Arm und wurde im Zuge des Einsatzes scheinbar auf frischer Tat ertappt. Gegen den vom Einsatz abgezogenen Beamten wird wegen des Verdachts der Verletzung des Amtsgeheimnisses ermittelt. Auch prüft das Innenministerium disziplinarrechtliche Folgen.

Das Landesgericht Innsbruck wiederum hat über die beiden Komplizen des deutschen Sportmediziners, die am Mittwoch im Zuge einer Anti-Doping-Razzia in Seefeld in Tirol festgenommen worden waren, Übergabehaft verhängt. Der Mann und die Frau waren aufgrund eines Europäischen Haftbefehls der Staatsanwaltschaft München I festgenommen worden. Die Übergabe an deutsche Behörden könne nun erst nach einer Haftprüfungsverhandlung stattfinden. Zu dieser soll es am 11. März kommen.

Wien-Marathon-Veranstalter Wolfgang Konrad kritisiert ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel wegen der neuerlichen Doping-Affäre scharf. “Der hat einen Saustall in seinem Verband”, sagte Konrad über den Präsidenten des Österreichischen Ski-Verbandes (ÖSV) zur Tageszeitung “Der Standard”.

Der ÖSV schädige den gesamten Sport, so Konrad. Und die Rechtfertigungen der dopenden Sportler, dass es ohne Doping nicht gehen würde, seien perfide. “Da krieg’ ich die Weißglut. Damit versuchen sie nur, ihre Fehlleistungen zu rechtfertigen. Und das führt dazu, dass sich jetzt jeder junge österreichische Sportler erklären muss. Dabei gibt es ganz, ganz viele, die nicht dopen. Aber jetzt werden wieder alle in einen Topf geworfen.”

Die Einzeltäterthese des ÖSV bei den aktuellen Dopingfällen der Langläufer Max Hauke und Dominik Baldauf, die man schon nach Salt Lake City (2002), Turin (2006) und Sotschi (2014) anführte, will Konrad nicht glauben. “Schröcksnadel leugnet ja auch den Klimawandel. Er streitet alles ab, was ihm nicht in den Kram passt. Es ist undenkbar, dass kein Trainer, kein Funktionär etwas bemerkt, wenn Sportler auf diese Art und Weise dopen.”

Dass Schröcksnadel wie angekündigt nun tatsächlich aufräumen werde, hält der gebürtige Tiroler Konrad für unwahrscheinlich. “Nach Sotschi hat er gesagt, er räumt auf. Hat er es getan? Jetzt sagt er wieder, er räumt auf. Wie wahrscheinlich ist es, dass er es diesmal tut?”

Teresa Stadlober, äußerte sich Freitagabend via Facebook noch einmal genauer zu den Vorkommnissen. Die 26-jährige Olympia-Siebente distanzierte sich klar von ihren “Ex-Teamkollegen”. “Die letzten Tage waren für die ganze Mannschaft und mich besonders schwer. Es ist immer noch schwierig, Worte zu finden. Nach all dem, was wir in und nach Sotschi durchgemacht haben, hätte ich es nie für möglich gehalten, dass wir uns so einer Situation wieder stellen müssen”, schrieb Stadlober. Es sei “unfassbar, wie man so eiskalt von den jetzt Ex-Teamkollegen betrogen und belogen wird und sie mit ihren Taten den Langlaufsport in Österreich wieder so negativ behaften.”

Stadlober wolle nun ihren Blick nach vorne richten und für “diese so schöne Sportart mit Fairness kämpfen”. Zudem appellierte sie an die jungen Sportler: “Auch den Langlaufnachwuchs möchte ich bitten, dadurch nicht die Motivation und den Spaß am Langlaufen zu verlieren, so wie ich es auch nicht tue. Ich werde morgen beim 30 km Massenstart-Bewerb mein Bestes geben und hoffe, dass ich weiterhin auf eure Unterstützung zählen kann.”

Von: apa

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