Anschlag auf Reporter in Amsterdam

Kriminalreporter in Amsterdam nach Anschlag in Lebensgefahr

Donnerstag, 08. Juli 2021 | 12:52 Uhr

Am zweiten Tag nach dem Mordanschlag ist der Gesundheitszustand des niederländischen Reporters Peter R. de Vries (64) nach wie vor äußerst kritisch. “Peter kämpft noch immer um sein Leben”, sagte der Chef des TV-Senders RTL, Peter van der Vorst. “Wir beten alle um ein Wunder.” Der Reporter arbeitete für den Sender. De Vries war am Dienstagabend mit schweren Kopfverletzungen in ein Amsterdamer Krankenhaus gebracht worden. Ein Mann hatte mehrere Schüsse auf ihn abgegeben.

Das Justizministerium kündigte an, dass Sicherheitsmaßnahmen verschärft werden sollten, um den Rechtsstaat zu schützen. Inzwischen laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Zwei Männer waren nur wenige Stunden nach der Tat festgenommen worden. Einer von ihnen, ein 35 Jahre alter Pole mit Wohnsitz im Südosten der Niederlande, soll erst in der vergangenen Woche wegen Bedrohung für kurze Zeit festgenommen worden sein, berichten mehrere Medien. Am Freitag werden beide dem Haftrichter vorgeführt.

Noch ist aber nicht deutlich, wer hinter der Tat steckt. Die Hinweise verdichten sich, dass das organisierte Verbrechen verantwortlich ist. De Vries ist seit Beginn 2020 Vertrauensperson des Kronzeugen in einem großen Strafprozess, der zur Zeit in Amsterdam läuft. Er war mehrfach bedroht worden, hatte Personenschutz jedoch strikt abgelehnt. Bereits 2019 war der Verteidiger des Kronzeugen erschossen worden, zuvor hatte man auch den unschuldigen Bruder des Kronzeugen getötet.

Die Tat hat die Niederlande geschockt und auch Entsetzen im Ausland ausgelöst. Vertreter der EU und von Regierungen verurteilten den Anschlag als Angriff auf den Rechtsstaat. Internationale Journalistenverbände sprachen von einem Anschlag auf die Unabhängigkeit des Journalismus in Europa und forderten eine rückhaltlose Aufklärung.

De Vries ist der führende Kriminalreporter der Niederlande und tritt regelmäßig auch als Sprecher von Opfern bei Prozessen auf. Er hatte zudem an der Aufklärung mehrerer spektakulärer Fälle mitgewirkt. Regelmäßig ist er Gast bei TV-Talkshows. International bekannt wurde der Reporter 1987 mit seinem Bestseller über die Entführung des Bierbrauers Freddy Heineken. 2008 gewannt er einen Emmy Award für seine Reportagen über den Fall von Natalee Holloway. Die Amerikanerin war 2005 auf Aruba verschwunden und vermutlich von einem Niederländer getötet worden.

Von: APA/dpa

Kommentare

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3 Kommentare auf "Kriminalreporter in Amsterdam nach Anschlag in Lebensgefahr"


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Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
28 Tage 15 h

Es könnte sich darum handeln “De Vries ist auch ein Vertrauter von Nabil B., dem Hauptzeugen im Liquidationsprozess “Marengo”, einer großen Untersuchung einer Reihe von Liquidationen und versuchten Morden im marokkanisch-niederländischen organisierten Verbrechen. Der Anwalt dieses wichtigen Zeugen wurde im September 2019 auf der Straße in Amsterdam erschossen. De Vries hatte Anfang des Jahres gesagt, dass er auf der “Tötungsliste” von Ridouan Taghi stehe, dem Hauptverdächtigen in dem Fall.”

Niederländischer Kriminaljournalist Peter R. de Vries erschossen, drei Verdächtige festgenommen: “Er kämpft um sein Leben” | VRT NWS: News
Niederlande: Marengo-Prozess – Weltspiegel – ARD | Das Erste

Peerion
Peerion
Tratscher
27 Tage 16 h
Peter de Vries hat im Bereich der Organisierten Kriminalität recherchiert, insbesondere um Ridouan Taghi und sein Kartell. Die Niederlande sind in den letzten Jahren wegen ihrer liberalen Drogenpolitik und der offenen Einwanderungsgesellschaft mehr oder minder ein Nacro-Staat geworden. R. Taghi hat mit seiner Bande eigentliche alle Konkurrenten in den Niederlanden ausgeschaltet. Zeitgleich hat er einen internationalen Drogenring gebildet. Gefallen ist R.Taghi nur wegen des Druckes der DEA und des FBI die eben sowas unter “Narco Terrorismus” einstufen und massiven Druck auf die EU ausgeübt haben. Peter de Vries hatte gute Kontakte zum Kronzeugen gegen R. Taghi. Nach der Verhaftung von… Weiterlesen »
Hustinettenbaer
Hustinettenbaer
Universalgelehrter
27 Tage 10 h
Na ja, “Einwanderungspolitik” war nolens volens Kolonialismus-Konsequenz. “1951 kam im Hafen Rotterdam eine Gruppe von Menschen von den Molukken an, die Molukkers genannt wird. Es handelte sich um ehemalige Mitarbeiter und Soldaten der niederländischen Kolonialmacht, die nach dem Indonesischen Unabhängigkeitskrieg als Kollaborateure nicht mehr auf den Molukken erwünscht waren…wurden … in Lagern wie dem ehemaligen KZ Herzogenbusch … sowie in Lagern…Später wurden sie in einigen Stadtvierteln im Land angesiedelt, … soziale[n] Brennpunkte[n] ..zunächst 13.000, später etwa 35.000 Menschen, neben weiteren hunderttausend Einwohnern aus der ehemaligen Kolonie Niederländisch-Indien…” Kerngeschäft Drogen ? Ich schlage den Namen “Niedersteuerlande” vor: “Steuerflucht Steueroasen, das sind… Weiterlesen »
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