Teilschuld von Landwirt und gestorbener Hundehalterin bestätigt

“Kuh-Urteil”: Teilschuld der Beteiligten von OGH bestätigt

Dienstag, 12. Mai 2020 | 09:56 Uhr

Der Oberste Gerichtshof (OGH) hat im Fall einer tödlichen Kuhattacke im Tiroler Pinnistal 2014 die Teilschuld von Landwirt und Hundehalterin bestätigt. Damit bleibt es bei der Entscheidung, die im Vorjahr das Innsbrucker Oberlandesgericht getroffen hatte. Laut OGH hätte der Landwirt um die Gefährlichkeit seiner Mutterkühe wissen müssen. Das spätere Todesopfer habe wiederum Warnschilder ignoriert.

“Zu dieser relativen Gefährlichkeit kam die erhöhte Wahrscheinlichkeit einer Schädigung im Bereich um Almgebäude und das Gasthaus”, so die Begründung laut “Tiroler Tageszeitung”. Der Bauer hätte als Tierhalter darauf reagieren müssen – eine Abzäunung sei eine “zumutbare und nicht gravierende Interessen beeinträchtigende Maßnahme”, hieß es seitens des Höchstgerichts.

Auch das spätere Opfer trifft eine Teilschuld. Als Hundehalterin hätte sie aber “über damit verbundene Gefahren Bescheid wissen und sich dementsprechend verhalten” müssen. Dem Witwer stehen nun rund 54.000 Euro und eine monatliche Rente von 600 Euro zu. Der Sohn bekommt rund 24.000 Euro sowie eine monatliche Rente in der Höhe von 180 Euro.

Am 28. Juli 2014 war im Pinnistal, einem Seitental des Stubaitals, eine 45-jährige Deutsche, die mit ihrem Hund unterwegs war, von Kühen plötzlich attackiert und zu Tode getrampelt worden. Nach einem jahrelangen Rechtsstreit zwischen den Hinterbliebenen und dem Landwirt erging im Februar 2019 das erstinstanzliche Urteil im Zivilprozess. Demnach musste der Bauer dem Witwer und dem Sohn rund 180.000 Euro sowie eine monatliche Rente an die beiden in der Höhe von insgesamt rund 1.500 Euro zahlen. Der gesamte Streitwert des Prozesses lag bei rund 490.000 Euro.

Die Staatsanwaltschaft hatte noch im Jahr 2014 die Ermittlungen gegen den Landwirt eingestellt. Im August vergangenen Jahres hatten sowohl Bauer als auch Witwer, nach einer teilweisen Bestätigung des erstinstanzlichen Urteils durch das OLG, beim OGH Revision eingebracht.

Von: apa

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8 Kommentare auf "“Kuh-Urteil”: Teilschuld der Beteiligten von OGH bestätigt"


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Rider
Rider
Tratscher
16 Tage 12 h

Daii dai, in sudtirol oder tirol drausn isch des normal dass di kia auf dor olm und wold sich frei bewegn terfn, mir isch a mol passiert wenn i mitn hund fir bin, dass a kuh soch bedroht gfühlt hot, und sel.sig man gleich, hon uanfoch an bogen gmocht und guat vor! Und wenn man setta sochn net inschätzn kinn, torf wenn holt meiner meinung noch net auf olmen gien, bis iatz isch a olm olls guat gongen!!! Dor bauer tuat mor load wenn er do zohln muas

Frank
Frank
Superredner
16 Tage 12 h

Bauern sind sicher nicht immer Heilige, aber fas Urteil geht für meinen Geschmack zu weit.

Wenn ich auf einer Alm wandern gehe und dort Kühe sind, erst recht Mutterkühe mit Kälbern, ist es doch meine Aufgabe, mich passend zu verhalten. Zumal ja laut Artikel offenbar Warnschilder aufgestellt waren. Da kann man halt selbst den kleinen Pinscher mal nicht ohne Leine (oder an zu langer) laufen lassen. Oft genug sind es gerade die kleinen Kläffer, die da schnell mal aggressiv werden, währen sich richtige Hunde gar nicht dafür interessieren.

Rider
Rider
Tratscher
16 Tage 4 h

Frank,wer ischna schun heilig

neidhassmissgunst
16 Tage 12 h

Bitte liebe Landwirte (und auch lieber Bauernbund) – jetzt nicht durchdrehen.   
Immerhin war die Situation vorher bekannt.  Mutterkuhhaltung auf Weide und ein Wanderweg in der Mitte durch. Die Logik sagt mir, entweder muss der Wanderweg weg oder die Mutterkuhhaltung. Eben, sonst passiert irgendwann etwas.  

giftzwerg
giftzwerg
Universalgelehrter
16 Tage 10 h

ideal wäre wenn beide weg müssen

pfaelzerwald
pfaelzerwald
Tratscher
16 Tage 11 h

Vielen “Wanderern” ist nicht klar, dass eine Kuhherde auf der Alm kein Streichelzoo ist. Und wie man sich zu verhalten hat, wissen auch die wenigsten.

Andreas1234567
Andreas1234567
Superredner
16 Tage 6 h

Hallo nach Südtirol,

für mich weiterhin ein Fehlurteil.
Das Gericht hat niemals gewürdigt einige Zeit vorher ist eine lärmende Grossfamilie über die Weide gezogen und die Rinderherde war nervös.
Dem Bauern hat es den Nacken gebrochen, ist doch egal ob er jetzt über Jahrzehnte 780 oder 1560 Euro Leibrente zahlen muss.

In Südtirol greift übrigens eine Versicherung für Wanderwege und 100 Meter im Umkreis.
https://www.suedtirolnews.it/chronik/versicherung-gegen-kuhattacken-in-suedtirol-verbessert

Wem also in der Saison 2020 ein wütender Bauer hinterhersteigt weil der Bergtourist einen offiziellen Weg über eine Weide abkürzt weiss nun warum

Auf Wiedersehen in Südtirol

Anubis
Anubis
Grünschnabel
16 Tage 4 h

War fi olle bessor wen seta leit nimor af di olmen terfatn!

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