Autos wurden bei den Unruhen angezündet

Lage in Nantes nach Krawallen angespannt

Mittwoch, 04. Juli 2018 | 19:24 Uhr

Nach den schweren Krawallen in der westfranzösischen Stadt Nantes ist es am Abend erneut zu Zwischenfällen gekommen. Die Situation in dem Viertel, in dem am Dienstag ein Polizist einen jungen Mann getötet hat, habe sich wieder angespannt, teilten die Behörden mit. Es seien zwei Autos und ein Minibus angezündet worden. In der Nacht sollen zahlreiche Bereitschaftspolizisten an Ort und Stelle sein.

Ein Beamter hatte bei einer Kontrolle am Dienstagabend auf den 22-Jährigen geschossen und ihn tödlich verletzt. Daraufhin waren in der Nacht zum Mittwoch rund 30 Autos und mehrere Geschäfte angezündet worden, die Situation hatte sich erst in der Früh beruhigt. Eine Untersuchung der Justiz soll die Umstände des Vorfalls klären.

Medienaufnahmen zeigten ausgebrannte Autos und beschädigte Geschäfte, mehrere Viertel waren von den Krawallen in der Nacht auf Mittwoch betroffen. “Die Schäden sind erheblich”, sagte Präfektin Nicole Klein. Innenminister Gerard Collomb verurteilte “die Gewalttaten und die inakzeptablen Zerstörungen” und rief zur Ruhe auf, wie sein Ministerium mitteilte.

Die dramatischen Ereignisse wecken Erinnerungen an die Banlieue-Unruhen von 2005. Damals hatten sich zwei Jugendliche auf der Flucht vor der Polizei in einem Transformatorenhäuschen in Lebensgefahr gebracht und einen tödlichen Stromschlag erlitten – der Unfall war Auslöser für wochenlange Jugendrevolten in Vorstädten.

Collomb versprach nun “alle notwendigen Mittel”, um “die Situation zu beruhigen und jedem neuen Zwischenfall vorzubeugen”. Es sei an der Justiz, die Umstände aufzuklären, die zum Tod des Autofahrers geführt hätten.

Nach Angaben des örtlichen Polizeifunktionärs Jean-Christophe Bertrand hatten Bereitschaftspolizisten den jungen Mann bei einer Kontrolle aufgefordert, sein Auto zu parken und mit zur Polizeistation zu kommen. Doch der Fahrer habe zurückgesetzt, “um sich der Kontrolle zu entziehen”. Dabei sei ein Polizist am Knie getroffen worden, woraufhin ein Kollege das Feuer eröffnet habe. Der Fahrer sei später im Krankenhaus gestorben. Mehrere französische Medien zitierten allerdings angebliche Augenzeugen, die der Version der Polizei widersprachen.

Gegen den aus der Region Paris stammenden jungen Mann lag ein Haftbefehl vor, wie Staatsanwalt Pierre Sennes der französischen Nachrichtenagentur AFP sagte. Er sei wegen bandenmäßigen Diebstahls, Hehlerei und krimineller Vereinigung gesucht worden.

Von: apa