Die Opfer wurden von Lava und Asche begraben

Lavastrom in Guatemala riss 62 Menschen in den Tod

Montag, 04. Juni 2018 | 23:38 Uhr

Mindestens 62 Tote, Dutzende Verletzte und Tausende Anrainer auf der Flucht – das ist die vorläufige Bilanz eines verheerenden Vulkanausbruchs in Guatemala. In den Trümmern der Dörfer an der südlichen Flanke des Feuervulkans (Volcan de Fuego) in der Nähe der Hauptstadt Guatemala-Stadt wurden am Montag weitere Tote gefunden. Dort waren zuvor mehr als 4.500 Menschen evakuiert worden.

Zuvor hatten die Behörden die Zahl der Todesopfer mit 33 angegeben. Die Opferzahl könnte noch weiter steigen; die Zahl der Vermissten war unklar. Die vom Vulkan ausgespuckten Gesteinsbrocken, Geröll, Schlamm und glühende Asche begruben zahlreiche Häuser unter sich. Nach Angaben des Sprechers der Katastrophenschutzbehörde Conred, David de Leon, waren von der Naturkatastrophe am Sonntag insgesamt 1,7 Millionen Menschen betroffen. UNO-Generalsekretär Antonio Guterres kündigte Hilfen an.

Aschewolken stiegen über dem 3.763 Meter hohen Feuervulkan auf. Der internationale Flughafen von Guatemala-Stadt musste vorübergehend seinen Betrieb einstellen. In der Nacht wurden die Rettungseinsätze wegen der Dunkelheit und der allgemein gefährlichen Lage ausgesetzt. Am Montagfrüh (Ortszeit) wurden sie in dem am meisten betroffenen Gebiet wieder aufgenommen.

Die 48-jährige Eufemia Garcia verdankt ihr Leben ihrem Mann, der sie aus dem Haus zog. Aber am Montag suchte sie drei ihrer Söhne, ihre Mutter, Bruder und Neffen. “Ich wollte nicht weg, ich wollte zurück, und ich konnte nichts machen, um meine Familie zu retten”, sagt sie schluchzend.

“Es war wie in einem Ofen”, erzählte Antonio Lopez aus dem Dorf El Rodeo der Zeitung “El Periodico”. “Ich habe meinem kleinsten Sohn den Mund und die Nase mit einem Lappen bedeckt. Über uns waren viele Menschen mit Verbrennungen, aber sie haben noch gelebt.” Ein anderer Dorfbewohner sagte: “Wir konnten unsere Angehörigen nicht da rausholen. Wir sind acht, und sie sind noch alle dort. Wir haben nichts mehr, wir haben alles verloren.”

Der 52-jährige Efrain Gonzalez wurde mit seiner Frau und seiner einjährigen Tochter aus dem am stärksten betroffenen Dorf El Rodeo in eine Unterkunft in der Stadt Escuintla gebracht. Seine zwei älteren Kinder, vier und zehn Jahre alt, wurden in ihrem von heißem Schlamm verschütteten Haus vermisst.

De Leon sagte im CNN-Fernsehen, eine Ortschaft nördlich des Feuervulkans sei von der Außenwelt abgeschnitten, weil die Zufahrtsstraßen bei dem Ausbruch zerstört worden seien. Ein heftiger Regen während des Vulkanausbruchs mischte sich mit der Vulkanasche und sorgte für Atemwegsbeschwerden sowie für eine starke Verschmutzung von Wasserläufen und Anbauflächen.

Auf Fernsehbildern waren von brennendem Gestein bedeckte Leichen und von Kopf bis Fuß mit Asche überzogene Überlebende zu sehen. Viele Menschen mussten in Notunterkünfte flüchten. Auch der bei Touristen wegen seiner Architektur im Kolonialstil beliebte Ort Antigua Guatemala war von dem Vulkanausbruch betroffen.

Guatemalas Staatschef Jimmy Morales rief eine dreitägige Staatstrauer und für die drei am stärksten betroffenen Regierungsbezirke Escuintla, Chimaltenango und Sacatepequez Alarmstufe rot aus. Für den Rest des Landes galt Alarmstufe orange. “Hunderte Polizisten, Mitglieder des Roten Kreuzes und Soldaten sind im Einsatz”, sagte der Präsident. Insgesamt dauerte der Vulkanausbruch mehr als 16 Stunden. Nach Angaben des Nationalen Instituts für Vulkanologie ist ein erneuter Ausbruch möglich.

Angesichts der Katastrophe boten mehrere Länder Unterstützung an. Mexiko, Honduras und die Vereinten Nationen erklärten sich bereit, dem mittelamerikanischen Land zu helfen. Israel kündigte an, Hilfsgüter wie Lebensmittel und Medizin nach Guatemala zu schicken.

Nach Angaben des Katastrophenschutzes handelte es sich um den schlimmsten Ausbruch der vergangenen Jahre. Die Rauchwolken stiegen demnach bis auf zehn Kilometer über den Meeresspiegel. Der Feuervulkan hatte bereits Ende Mai einen Schlammstrom ausgespuckt, wie das Institut für Seismologie und Vulkanologie Guatemalas auf seiner Homepage mitteilte. Bereits seit 2002 zeigt der Vulkan demnach immer wieder kräftige Aktivität. Historische Aufzeichnungen über Ausbrüche des Feuervulkans gehen dem Institut zufolge zurück bis in das Jahr 1531.

Von: APA/dpa