Noch liegt viel Schnee, aber die größten Gefahren scheinen gebannt

Lawinengefahr sinkt weiter – Kälte am Wochenende

Donnerstag, 17. Januar 2019 | 16:47 Uhr

Die Lawinengefahr in Tirol, Vorarlberg und Steiermark ist am Donnerstag wieder auf “erheblich”, also Stufe drei der fünfteiligen Skala, gesunken. Trotzdem seien die schon etwas älteren Triebschneeansammlungen mit Vorsicht zu beurteilen, warnten die Experten. Wintersportler werden zu äußerster Zurückhaltung gemahnt. Unerfahrenen wurde empfohlen, auf den geöffneten Routen zu bleiben.

Mit spontanen Lawinenabgängen müsse weiterhin gerechnet werden, so die Warnung. So ging am Donnerstagnachmittag auch eine Lawine auf eine Gemeindestraße im Wintersportort Sölden (Bezirk Imst) in Tirol abgegangen. Laut ersten Informationen der Polizei gab es aber keine Verletzten und auch Gebäude dürften nicht betroffen sein. Die Lawine sei rund 50 Meter lang gewesen, sagte ein Sprecher der Polizei zur APA.

An steilen Grashängen seien unterhalb von rund 2.400 Metern außerdem viele mittlere und vereinzelt auch große Gleitschneelawinen möglich. Vorsicht sei vor allem auch in Hängen mit Gleitschneerissen geboten, wurde weiter mitgeteilt. Gleitschneelawinen können zu jeder Tages- und Nachtzeit abgehen, so die Experten. Skitouren würden Vorsicht und Zurückhaltung erfordern.

In Salzburg sind jene 30 Nonnen eines Klosters in St. Veit im Pongau, die seit mehr als zehn Tagen wegen großer Neuschneemengen “eingeschneit” waren, nicht mehr von der Außenwelt abgeschnitten. Die Zufahrtsstraße zu ihrem Wohnort auf der Kinderalm war laut Bürgermeister Manfred Brugger um 13.30 Uhr geräumt. “Die Ordensfrauen bleiben im Kloster. Ihnen geht es gut.”

In Vorarlberg gab es im Verkehr praktisch keine Behinderungen mehr, sämtliche Hauptverbindungen – darunter der Arlbergpass – waren frei befahrbar. Vorerst weiterhin gesperrt blieb die Arlbergbahnstrecke zwischen Bludenz und Landeck, für die ein Schienenersatzverkehr eingerichtet war. Reisende mussten aber Verzögerungen bis zu einer Stunde in Kauf nehmen.

Die ÖBB haben eine Öffnung eines Großteils der derzeit in Westösterreich noch gesperrten Bahnstrecken für das Wochenende angekündigt. So wird die Arlbergstrecke ab Freitag um 18.00 Uhr, die Karwendelstrecke ab Samstag mit dem Frühverkehr und die Verbindung von St. Johann in Tirol nach Saalfelden mit Sonntagfrüh wieder geöffnet sein. Die Außerfernstrecke bleibt gesperrt. “300 Mitarbeiter und an Spitzentagen noch mehr waren rund um die Uhr im Einsatz”, erklärte Christian Wieser, als Regionalleiter zuständig für die Bereiche Streckenmanagement und Anlagenentwicklung der ÖBB-Infrastruktur, im Gespräch mit der APA. 85 Prozent davon seien eigene Mitarbeiter gewesen, 15 Prozent wurden “zugekauft”, so Wieser.

In der Steiermark sank die Lawinengefahr über 1.500 Meter Seehöhe auf Stufe drei. Unter der Baumgrenze war die Gefahr auf Stufe zwei – “mäßig”. Laut dem Lawinenwarndienst sei mit dem neuerlichen Sinken der Temperatur die Gefahr von sehr großen, spontanen Schneebrettlawinen deutlich zurückgegangen. Die Hauptprobleme waren spontane Gleitschneelawinen, die in allen Höhenlagen aus steilen Wiesenhängen abgehen können, sowie der störanfällige Triebschnee in den Hochlagen und bis in bewaldete Bereiche hinunter, der schon durch geringe Zusatzbelastung gestört werden kann. Durch die Aufhebung mehrerer Straßensperren befanden sich Donnerstagfrüh noch rund 260 Menschen in schwer zugänglichen Bereichen, hieß es aus dem Büro von Katastrophenschutzreferent Michael Schickhofer.

Auch in Oberösterreich entspannte sich die Wettersituation. Die drei Salzkammergut-Gemeinden Gosau, Hallstatt und Obertraun waren wieder erreichbar. Die Straßensperren wurden Mittwochabend aufgehoben, Pyhrn-, Hengst- und Koppenpass blieben jedoch bis auf weiteres zu.

In Niederösterreich waren am Donnerstag am Hochkar im Bezirk Scheibbs rund 400 Helfer im Einsatz und dabei hauptsächlich mit der Schneeräumung beschäftigt. Die Alpenstraße war für Einsatzkräfte und Versorgungstransporte zweispurig geöffnet, teilte Göstlings Bürgermeister Friedrich Fahrnberger mit. Seitens des Landes NÖ wurde ein Unterstützungspaket für Betriebe in von Wetterkapriolen betroffenen Gebieten angekündigt.

Die Entspannung nach den zuletzt massiven Schneefällen wird sich auch beim Wochenendwetter fortsetzen. Ab Freitagnachmittag ist es oft sonnig und trocken. Im Norden und Osten halten sich am Samstag und Sonntag mehr Wolken, insgesamt wird es merklich kälter, prognostizierte die Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG).

Von: apa